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Intime Fotos im Netz und Cybermobbing sind keine Ausnahmen mehr

Am digitalen Pranger

Gütersloh (WB). Es scheint heute normal zu sein, dass junge Menschen Nacktbilder austauschen oder ins Internet einstellen. »Werden solche intimen Schnappschüsse missbraucht, sind die Folgen immens«, sagt Kriminaloberkommissarin Kirstin Bernstein-Rivers (38). Sie kümmert sich als Opferschutzbeauftragte um solche Fälle im Kreis Gütersloh, die immer mehr werden.

Wolfgang Wotke

Kriminaloberkommissarin Kirstin Bernstein-Rivers kümmert sich als Opferschutzbeauftragte um Fälle von Cybermobbing. Foto: Wolfgang Wotke

Mobbing gab es in unserer Gesellschaft schon immer, bei Erwachsenen, aber auch bei Kindern und Jugendlichen. Doch mit dem Aufkommen der so genannten neuen Medien hat Mobbing eine neue und oftmals gefährlichere Form erreicht. Und das nicht nur bei der jüngeren Generation. »Das betrifft eigentlich jede Altersklasse, vom Teenager bis hin zum Rentner«, weiß Kirstin Bernstein-Rivers.

Bei diesen Aktionen tauschten Partner intime Fotos oder Videos per Direktnachrichten miteinander aus. Was zu Anfang vielleicht als erotischer Reiz auf dem Handy gedacht sei, könne letztlich ganz schnell zu einem öffentlichen Lauffeuer werden. »Nämlich dann, wenn zum Beispiel nach Trennungen bei manchen Menschen plötzlich die Eifersucht überwiegt und solche Bilder dann in Chatgruppen oder auf Videoplattformen auftauchen.«

»Damit werden Menschen bloßgestellt«

Derartige digitale Angriffe auf Menschen nennt man »Cybermobbing«. Das Szenario, dass solche Fotos oder Videos später unerlaubt weiterverschickt werden, würden vor allem viele junge Frauen kennen. »Wenn diese dann auch noch aus dem passenden Kulturkreis kommen, ist es für sie eine Vollkatas­trophe«, erklärt die Oberkommissarin. Die Weiterleitung dieser Inhalte an Dritte sei eine Straftat – vor allem, wenn die Opfer noch minderjährig seien.

Manchmal werde auch heimlich aufgenommenes Bildmaterial ohne das Einverständnis der gezeigten Personen veröffentlicht. »Damit werden Menschen bloßgestellt«, sagt Kriminaloberkommissarin Kirstin Bernstein-Rivers. Die Auswirkungen beispielsweise für Schüler in ihren sozialen Umfeld seien enorm. Außerdem könnten die »Täter« anonym agieren.

Das Internet vergisst nie

Kirstin Bernstein-Rivers: »Für uns ist es dann nach einer Strafanzeige sehr schwer, die Absender von Cybermobbing zurückzuverfolgen.« Außerdem würden sich einmal online gestellte Videos und Fotos nur schwer wieder löschen lassen. »Man sagt, das Internet vergisst nie. Da ist was dran«, erklärt die Expertin.

Cybermobbing ist keine Ausnahmeerscheinung. Insbesondere an Schulen trete das Problem häufig auf. Das liege daran, dass junge Menschen verstärkt über Soziale Netzwerke kommunizierten. Bernstein-Rivers warnt: »Am besten derartiges Material nie versenden, dazu wenig persönliche Daten preisgeben.« Sie berät gerne unter Telefon 05241/8691873.

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