1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. Angebadet wird mit Sonderregelungen

  8. >

Gütersloh

Angebadet wird mit Sonderregelungen

Gütersloh (jed) - Die Wasserratten konnten es kaum abwarten. Mit 28-tägiger Verspätung haben sich am Freitagmorgen pünktlich um 6 Uhr die Tore des Nordbads geöffnet. Coronabedingt verlaufen das Anbaden und der Rest der Freibadsaison allerdings völlig anders als bekannt.

Anonymous User

Das machte die verspätete Öffnung jedoch nicht weniger schön. Nach elf für Wasserfreunde beinahe endlos langen Wochen an Land war das Gros der Schwimmer froh, überhaupt wieder in die aufgeheizten Fluten eintauchen zu dürfen.

Drei Zeitfenster zum Schwimmen

Aufgrund des Hygienekonzepts der Stadtwerke war zumindest zu Beginn der drei Zeitfenster zum Schwimmen (6 bis 9 Uhr, 10 bis 14 Uhr und 15 Uhr bis 19 Uhr) etwas Geduld gefragt. Bereits am Eingang deuteten Absperrgitter und Hinweisschilder auf die geänderten Abläufe hin. Weil beim Badebesuch die Daten jedes Kunden erfasst werden, bildete sich zu Stoßzeiten eine kurze Schlange vor dem Einlass. Im Heiligtum angekommen, regelten Flatterbänder die Zu- und Abgänge zu den Becken.

Einbahnstraßenregelung wird auch im Wasser konsequent umgesetzt

Eine Einbahnstraßenregelung wird auch im Wasser konsequent umgesetzt. „Es funktioniert wie bei jedem Schwimmverein. Es geht auf der linken Seite hin und auf der rechten Seite zurück“, erläuterte der seit Urzeiten verantwortliche Nordbad-Schwimmmeister Marco Höckelmann. Die acht Bahnen im 50-Meter-Becken sind in die vier Bereiche „Langsam/Gemütlich“ (Bahnen 7 und 8), „Flott unterwegs“ (5 und 6), „Etwas schneller“ (3 und 4) sowie „Am Schnellsten“ (1 und 2) unterteilt. Die Einteilung ist an den Bänken angebracht. Zusätzlich stehen im 25-Meter-Nichtschwimmerbecken drei weitere, mit reichlich Abstand ausgerichtete Bahnen im Uhrzeigersinn zur Verfügung.

Hört sich schwierig an, funktioniert aber selbsterklärend

All das hört sich erst einmal schwierig an. Die Praxis funktionierte selbsterklärend und völlig unproblematisch. Nach den 72 Protagonisten der Frühschicht gehörte GTV-Triathlet Leif-Erik Bleisch zu den Ersten des zweiten Blocks. Nachdem er seine 1500 Meter „zum Eingewöhnen nach langer Wasserpause“ absolviert hatte, stellte der 20-jährige Student zufrieden fest: „Heute ist der erste Tag. Es muss sich alles erst einspielen. Wenn erst alle Leute ihre Dauerkarten haben und die Kontaktbögen schon Zuhause ausfüllen, geht alles viel schneller.“ Sein Teamkollege Carsten Kuhlmann sah das ähnlich. Der stellvertretende Abteilungsleiter des GTV-Tri-Teams fand den Nordbadbesuch am Freitag „einfach nur herrlich“. Er habe sich „auf das Wiedersehen mit Marco Höckelmann noch nie so gefreut wie in diesem Jahr“.

Abstandsregeln kein Problem

Die Abstandsregel im Wasser einzuhalten, sei durch die „enorme Breite der Doppelbahnen kein Problem“, sagte Carsten Kuhlmann am Freitagmorgen im Nordbad. Als Mit-Organisator des Dalkeman-Triathlons des GTV – der in diesem Jahr ausfällt – stelle der 51-Jährige mit Kennerblick fest: „Auf den Bahnen kann man sogar mit 12 bis 14 Leuten gleichzeitig schwimmen. Man hat immer noch die freie mittlere Bahn zum Überholen.“ Mit einer maximalen Personenanzahl von 175 im 50-Meter-Schwimmerbecken legen die Stadtwerke die Messlatte ziemlich hoch. Leif-Erik Bleisch und Carsten Kuhlmann waren sich einig: „Wir schwimmen beide schon ein paar Jahre. 175 Leute waren hier zum Schwimmen noch nie gleichzeitig im Wasser.“ Ihre Freude an den im großen Becken 23,8 Grad warmen Fluten konnte auch Dauerkarteninhaberin Marion Christophliemke (55) kaum verbergen: „Ich finde es super, dass es heute endlich wieder losgeht. Viel besseres Wetter hätte man sich zum Start nicht wünschen können. Wozu brauchen wir Urlaub, wenn wir unser Nordbad wiederhaben?“

Beim Duschen ist Umdenken gefragt

Beim Duschen nach dem Schwimmen ist Umdenken die Devise. Denn derzeit dürfen nur vier Badegäste parallel unter die Brause. Vor den Duschen hängen deshalb zur Kenntlichmachung der freien Plätze jeweils vier aus bakterienfeindlichem Plastazote (Schaumstoff) angefertigte Staffelstäbe an einer Stange. Sind sie weg, heißt es für die Nachfolgenden: warten. Für Schwimmmeister Marco Höckelmann funktioniert das System selbsterklärend: „Die Leute kennen Abstands- und Verhaltensregeln vom Einkaufen.“ Um den Aufenthalt in den Duschen so kurz wie möglich zu gestalten, wurden dennoch vorsichtshalber die Bänke in den Dusch-Vorräumen abgeschraubt. Die jeweils 16 Wechselzellen für Frauen und Männer werden in den schwimmerfreien Zeiten ebenso desinfiziert und gereinigt wie Duschen und Schränke. Badegäste müssen das Areal 15 Minuten vor Ende des jeweiligen Zeitblocks verlassen. Marco Höckelmann: „Wer im Block von 10 bis 14 Uhr war, darf gern um 15 Uhr wiederkommen.“ Bis 19 Uhr sei dann „auch noch viel Zeit“. Die für den Hochsommer typischen Nordbadtage für Familien mit Öffnungszeiten von 10 bis 19 Uhr gehören in dieser Saison allerdings der Vergangenheit an.

Startseite