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Gütersloh

Angeklagte will sich nur gewehrt haben

Gütersloh/Bielefeld (mü) - Bei der Deutschen Bahn ist die Angeklagte als „uneinsichtig und renitent“ bekannt. Ob sie zudem am 2. November 2019 versucht hatte, einen Mitarbeiter der Bahn vor einen einfahrenden Zug zu stoßen, versucht das Landgericht Bielefeld zurzeit zu klären.

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Vorgeworfen wird der Angeklagten versuchter Totschlag. Zum Prozessauftakt am Dienstag war die Frau nicht erschienen (diese Zeitung berichtete). Die Angeklagte soll im November 2019 beabsichtigt haben, einen Sicherheitsbediensteten mit den Worten „Ich bring dich um. Ich schmeiße dich ins Gleis“ einen Stoß zu versetzen. Doch der Mann konnte ausweichen. Er und sein Kollege hielten die 39-jährige Studentin dann fest und informierten die Bundespolizei.

Das ist die schwerwiegendste Anklage, aber nicht die einzige. Reihenweise Verstöße gegen das Hausverbot auf dem Bielefelder Hauptbahnhof, dazu Beleidigungen und auch einmal Tritte. Während die Studentin die „kleineren“ Anklagen zugab, bestritt sie energisch, die Sicherheitsmitarbeiter der Bahn angegriffen zu haben. Im Gegenteil. Es sei der 49-Jährige, der sie nicht leiden könne, sie schikaniere und drangsaliere. Er habe sie aus einem Zug gezerrt. Sie habe sich einfach nur gewehrt. Außerdem behauptete sie, andere Bahnmitarbeiter würden sie gewähren lassen, wüssten, dass sie als Unfallrentnerin auf die zusätzlichen Einnahmen durch das Flaschensammeln angewiesen sei.

Sie bestritt auch, dass sie in den Abfallkörben nach Pfandflaschen suche, im Gegenteil. Sie bekäme Flaschen und auch Geld von Passanten, die sie kennten, geschenkt. Die Einnahmen scheinen nicht schlecht zu sein, so kommen nach ihren eigenen Angaben zwischen 10 und 30 Euro pro Tag zusammen. Und dass sie professionell sammelt, beschrieb ein Bundespolizist. Der hatte sie schon mal dabei beobachtet, wie sie ihre Sammlung in einen BMW am Bielefelder Hauptbahnhof einlud. Ein Auto, das ihrer Familie gehört.

Und während die Angeklagte sich als Opfer der Umstände beschrieb, erklärte der Sicherheitsmitarbeiter der Bahn, wie sich aus seiner Sicht der Vorfall am 2. November 2019 zutrug. Danach bettelte die Angeklagte eine ältere Frau an. Darauf angesprochen, soll sie sofort aggressiv geworden sein. Beleidigungen seien er und seine Kollegen von der Angeklagten gewöhnt, sie kennen inzwischen auch ihr Schimpfwortrepertoire. Aber die Aussage: „Ich bringe dich um“, verbunden mit einem Stoß in seine Richtung, sei doch von einer anderen Qualität gewesen, erklärte der Zeuge.

Der Prozess wird am 15. März fortgesetzt. Die Beweislage ist schwierig: Von dem mutmaßlichen Angriff gibt es keine Videoaufnahmen und keine anderen Zeugen.

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