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Wurst-Skandal in Hessen wirkt sich sogar positiv auf Gütersloher Schlemmerfest aus – mit Video

Auch fleischlos Spaß auf dem Schinkenmarkt

Gütersloh (WB). Der aktuelle Wurst-Skandal bei der Firma Wilke in Hessen und die Diskussion um den Namen des Schinkenmarktes haben der viertägigen Veranstaltung des Gütersloher Verkehrsvereins nicht geschadet. Eher das Gegenteil war wohl der Fall.

Carsten Borgmeier

Die Schwestern Alina (21, links) und Melina (17) aus Gütersloh brauchen am Sonntag weder Fleisch noch Wurst, um auf dem Schinkenmarkt satt zu werden: Denn auch die dort angebotenen Spiralkartoffeln schmecken ihnen köstlich. Foto: Carsten Borgmeier

»Wir haben so viel Blut- und Leberwurst verkauft wie noch nie«, sagte am Sonntag Klaus-Dieter Hünnemann (60) von der Firma »H & T«-Feinkost aus Isselhorst.

So wie in all den Jahren zuvor sei die vor den Augen der Kunden frisch zubereitete Bratleberwurst »der Renner« gewesen, so der Standbetreiber. Auch der Landschinken auf Rosinenbrot, besser bekannt als »Kilmerstuten«, von Ludger Fischer (76) aus Vechta/Niedersachsen fand eigenen Angaben zufolge reißenden Absatz.

Hünnemann und Fischer, zwei von mehr als 60 Anbietern, werten ihr deutliches Umsatz-Plus auf dem 32. Gütersloher Schinkenmarkt als klaren Vertrauensbeweis ihrer Kunden. »Bei uns weiß man, was in die Wurst kommt«, so Hünnemann, der zu den Anbietern der ersten Stunde der viertägigen Veranstaltung des Gütersloher Verkehrsvereins zählt.

Zufrieden mit dem Absatz ihrer Nuss-Schinken aus den Ardennen/Belgien äußerte sich Rita Hoffmann aus Verl. Die 58-Jährige war zum ersten Mal mit einem Stand auf dem Schinkenmarkt vertreten. »Der Samstag war der beste der vier Tage«, zog sie Bilanz. Wegen dieses Nuss-Schinkens waren Christa (75) und Friedrich Kleine­langhorst (78) extra zum Berliner Platz gekommen: »Wir haben erstmals auf Libori in Paderborn diesen einmalig leckeren Schinken probiert«, so der Senior aus Gütersloh. »Heute haben wir deshalb gleich einen ganzen gekauft.«

Anbieter berichten von Rekord-Absätzen

Schinkenmarkt-Premiere auch für Brigitte (65) und Alois Christoph­liemke (64) aus Schloß Holte-Stukenbrock: »Wir sind mit dem Fahrrad gekommen, wollen bei einem Glas Wein und einer Wildwurst den Gütersloher Shanty-Chor hören«, berichtete das Ehepaar. Zum Wurst-Skandal sagen sie: »Wir essen schon weniger Fleisch, und das nur von Erzeugern unseres Vertrauens.«

Doch auch Gäste, die auf Fleisch und Wurst verzichten, mussten auf dem Schinkenmarkt nicht darben: So genossen Jessica (35) und Christian (44) aus Gütersloh mit ihren Kindern Sarah (7) und Lukas (10) ebenso wie die Schwestern Alina (21) und Melina (17) knusprig-herzhafte Spiralkartoffeln. Aber auch Champignons aus der Pfanne und Blumenkohl im Teigmantel bei Renate Heppenheimer sowie süße, spanische Churros von Ronnie Marx (34) fanden ihre Abnehmer.

Der Versmolder Kommunalpolitiker Michael Pusch (61, Die Linke), der mit seinem überparteilichen »Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung« die Diskussion um einen neuen Namen für den Schinkenmarkt vor dem Hintergrund des Klimaschutzes angestoßen hatte, zog bezüglich des Auftretens seiner Gruppe unter dem Motto »Fleisch frisst die Welt« ein positives Fazit: »Unsere Aktionen am Samstag auf dem Schinkenmarkt stießen auf reges Interesse, viel Zustimmung und es gab auch manches Gespräch kontroverser Natur. Wir konnten ein Zeichen gegen Massentierhaltung setzen und auf das Leid so genannter Nutztiere aufmerksam machen.«

Klimaschützer-Bündnis spricht von angeregten Gesprächen

Camila Cirlini (54, Die Linke), Mitbegründerin des Bündnisses, sagt dazu: »Für die Lebensmittelgewinnung sperrt der Mensch Tiere in kleine Käfige, foltert sie mit stundenlangen Transporten und schickt sie in Gasgruben, wo sie ein grausamer Erstickungstod erwartet.« Letzteres gelte meist auch für Bio-Tiere. Die Aktivistin weiter: »Die Auswirkungen auf die Umwelt sind katastrophal. Das World-Watch-Institute kommt zu dem Schluss, dass mindestens 51 Prozent aller klimaschädlichen Gase allein durch die Tierhaltung und den Konsum tierischer Produkte verursacht werden.« In diese Rechnung gehörten selbstverständlich auch die Transporte für Viehfutter und tierische Produkte im Allgemeinen. Cirlini: »Auch in diese Rechnung mit einzubeziehen sind Regenwaldbrände, die der Flächengewinnung für Nutztiere und Futtermittelanbau dienen und die Verseuchung der Gewässer durch Gülle.«

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