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Gütersloh: Brüggershemke + Reinkemeier soll Bilanzen gefälscht haben

Aus Verdacht wird Anklage

Gütersloh (WB). Die Staatsanwaltschaft Bielefeld erhebt Anklage gegen die ehemaligen Gesellschafter der Brüggershemke + Reinkemeier KG. Der vor drei Jahren aufkeimende Verdacht der Bilanzfälschung hat sich in einem höheren Ausmaß bestätigt als zunächst angenommen. Der Fall wird deshalb nicht vor dem Amtsgericht Gütersloh, sondern vor dem Landgericht Bielefeld verhandelt.

Stephan Rechlin

Blick zurück auf das längst abgerissene Firmengebäude von Brüggershemke + Reinkemeier an der Berliner Straße 226. In 60 Jahren war das Unternehmen vom Papiergroßhändler zum Full-Service-Handel für Büroartikel gewachsen. Foto: Carsten Borgmeier

Der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer liegt die Anklageschrift nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Gerald Rübsam seit dem Jahreswechsel vor, ein Verhandlungstermin sei allerdings noch nicht angesetzt worden. Zuvor werde den Beschuldigten und ihren Anwälten die Möglichkeit eingeräumt, sich zu den in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfen zu äußern.

Die Ermittlungen hatte Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann im Frühjahr 2017 eingeleitet. Der Verdacht hatte sich seinen Angaben zufolge aus dem Insolvenzgutachen ergeben, das der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Stephan Thiemann (Bielefeld) dem zuständigen Amtsgericht vorzulegen hatte. Die darin aufgeworfenen Fragen führten am 20. Juni 2017 zu einer Durchsuchung der Geschäftsräume der Brüggershemke + Reinkemeier KG in Gütersloh und zur Beschlagnahme von Ordnern, Computern und Festplatten aus der Buchhaltung, deren Datenmaterial bis ins Jahr 2011 zurückreichen. Die Auswertung des Materials nahm gut anderthalb Jahre in Anspruch.

Rekonstruktion der wirtschaftlichen Verhältnisse

Um Widersprüche und mögliches Fehlverhalten entdecken zu können, waren ferner die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse der Brüggershemke + Reinkemeier KG zwischen dem Jahr 2011 und dem Insolvenzantrag 2016 zu rekonstruieren. Erst auf dieser Basis war es möglich, den Anfangsverdacht konkret zu prüfen.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen sind die Ermittlungen von einer Großbank angestoßen worden, die sich noch kurz vor der Insolvenz zur weiteren Finanzierung der Verbindlichkeiten bereit erklärt hatte. Um welche Summen und um welches Geldinstitut es dabei geht, wird nicht offiziell mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft ist inzwischen jedoch sicher, dass auf Basis falscher Bilanzen neue Kredite vergeben und Umschuldungen vorgenommen worden sind. Die Ermittlungen richteten sich vor allem gegen die bisherigen Inhaber als Privatpersonen. André Brüggershemke hatte sich nach der Insolvenz aus der Gesellschaft zurückgezogen. Horst Reinkemeier wollte im Falle einer Sanierung im Unternehmen bleiben.

Die 1955 gegründete Brüggershemke und Reinkemeier KG hatte sich vom einstigen Papiergroßhändler zu einem Full-Service-Großhandel an der Berliner Straße 226 entwickelt. Außer dem Handel mit Papier und Verpackungsmaterialien umfasste das Sortiment verschiedene Produkte wie Bürobedarf, Einwegschutz, Druck-Erzeugnisse, Fachmedien und Arbeitskleidung. Zusätzlich zum Verwaltungssitz und den Produktionsstätten gab es noch ein etwa 45 000 Quadratmeter großes Lagerareal, in dem durchschnittlich bis zu 50 000 Artikel lagerten. Die Immobilie ist samt fünf Hektar großem Areal von der Hagedorn-Gruppe übernommen worden und wird derzeit zum Standort eines neuen DHL-Paketzentrums entwickelt.

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