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Gütersloh

Ein Blick in die neue Kinderbibliothek

Gütersloh (sib)

Schön ist sie geworden, die neue Kinderbibliothek. Offen gestaltet, mit viel Raum zum Entdecken, für Erlebnis und - selbstverständlich - mit einer Menge Büchern. Zur Eröffnung in der Stadtbibliothek Gütersloh sprach Leiterin Silke Niermann von einer Zeitenwende.

Die Spende über 150.000 Euro, die Liz Mohn 2016 zu ihrem 75. Geburtstag der Stadtbibliothek für die Neugestaltung ihrer Familienabteilung überreicht hatte, sei der Grundstein für diese Zeitenwende gewesen, so Niermann. Für die Vision, die man für die Kinder- und Elternbibliothek erarbeite, habe man allerdings noch ein bisschen sparen müssen. Insgesamt schlagen Planung und Umbau von 2018 bis jetzt mit 450.000 Euro zu Buche. 300.000 Euro davon zahlt die Bibliothek selbst.

Es gibt viel zu entdecken

Es scheint sich gelohnt zu haben: Nachdem sie das obligatorische Band zur Eröffnung durchgeschnitten haben, sprinten die 13-Jährigen Julius Kleßmann, Fabia Wegmann und Mathilda Godt in die neue Kinderbibliothek. Schluss mit dem Erwachsenenkram. Jetzt gilt es, die Sitzsäcke, Höhlen, Baumhäuser zu testen, die im neu gestalteten Raum stehen. 

Silke Niermann hat nicht zu viel versprochen, als sie sagte, es gebe viel zu entdecken. Die Bücherregale erinnern mit ihren hölzernen Aufsätzen an einen Märchenwald, von der Decke hängen Glühbirnen, Äffchen, Pflanzen und kleine Heißluftballons. Hier versteckt sich ein Eichhörnchen, dort eine Eule. Die Bücher stehen vor allem an den Wänden, der Raum selbst ist dem Erlebnis gewidmet. 

Vom Dienst für die Öffentlichkeit zum Erlebnisgelände

Das sei der Gedanke bei der Gestaltung der 380 Quadratmeter großen Fläche gewesen, sagt der niederländische Architekt Aat Vos. Weg vom reinen Konzept des Public Service, vom Dienst für die Öffentlichkeit, hin zur Public Experience: dem Erlebnis, der Erfahrung für die Öffentlichkeit. 

Silke Niermann sagt zum Wirken von Aat Vos und seinem Team: „Sie haben uns die Augen geöffnet für das, was hier möglich ist.“ Über die Jahre werde man „fast ein wenig gebäudeblind“. Sie habe der bisherigen Kinderabteilung, die seit Gründung der Stadtbibliothek 1984 größtenteils unverändert geblieben sei, die Möglichkeiten nicht angesehen, die in ihr steckten. 

Silke Niermann: „Eltern- und Kinderbibliothek ist unser Hotspot“

Rund 112.000 Ausleihen würden pro Jahr in der Eltern- und Kinderbibliothek vorgenommen, erläutert Silke Niermann. „Sie ist unser Hotspot. Auch mit den Veranstaltungen, die wir hier regelmäßig anbieten.“ Und sie sei ein Vorgeschmack auf die Vision für die gesamte Stadtbibliothek – man könne sich gut vorstellen, bei entsprechender Finanzierung und Hilfe der Politik alle Räume des Gebäudes neu zu denken, so Niermann.

Um 16 Uhr am Donnerstag treffen die ersten Eltern mit ihren Kindern ein, um sich ein Bild von „ihrer“ neuen Bibliothek zu machen. Als sie den Raum betreten, sehen sie: Es ist nicht alles neu. Rechts vom Eingang ist ein kleiner Teil unverändert geblieben. Erkennbar ist das etwa am alten Teppich, der neben dem neuen Holzboden ein wenig fehl am Platz wirkt. „Eigentlich war geplant, dass ein noch größerer Teil nicht erneuert wird. Wir haben um jeden Quadratmeter gekämpft“, sagt Silke Niermann dazu. Mit großem Lohn: „Ich glaube, es macht was mit jedem, der da durchgeht.“ Auch Elebib, überdimensionaler Plüsch-Elefant und seit bald 40 Jahren Teil der Belegschaft, ist geblieben. 

„Das ist nicht Lego, das sind Bestandteile eines Ganzen“

Andreas Kimpel sagt mit Blick auf die neugestaltete Fläche: „Für einen Kulturdezernenten ist das heute ein wunderschöner Tag.“ Die Stadtbibliothek in Gütersloh beweise einmal mehr, dass sie Vorbildcharakter habe und schon bei ihrem Start in den 1980er-Jahren Züge eines sogenannten dritten Orts gehabt habe. Mit Blick auf die – im positivsten Sinn – ungewöhnliche Neugestaltung sagte Kimpel: „Das ist nicht Lego, keine vorgefertigten Teile, die zusammengesteckt wurden. Das sind Bestandteile eines Ganzen.“ Schon die hölzernen Äste auf den Bücherregalen seien ein Blickfang. Er wisse nicht, ob die irgendwie so gebaut würden. Architekt Aat Vos: „Ich auch nicht.“

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