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Gütersloh: Theo Nordemann (60) segelt mit weiteren Leukämie-Patienten vor Mallorca

Ein Leben in schwerer See

Gütersloh (WB). Die Diagnose Leukämie war für ihn Anfang 2017 wie ein »Schlag vor den Kopf«. Nach Chemotherapie und Stammzellen-Transplantation hofft Theo Nordemann (60) jetzt, den Blutkrebs besiegt zu haben. Ein Segeltörn vor der Küste Mallorcas gibt ihm dazu frische Kraft.

Carsten Borgmeier

Theo Nordemann am Steuerrad der Segeljacht: Der Törn im Mittelmeer wurde von der José-Carreras-Stiftung finanziert. Foto: Myconvento

Das Gesicht leicht g ebr äunt und den Kopf voller schöner Erinnerungen: Erst vor wenigen Tagen ist Nordemann aus Palma de Mallorca, Hauptstadt der spanischen Balearen-Insel, zurückgekehrt. Hinter ihm liegt eine einwöchige Bootstour auf dem Mittelmeer. Neben ihm mit an Bord: fünf weitere Patienten aus Deutschland, die ebenfalls wie der Herzebrock-Clarholzer wegen Blutkrebs behandelt werden mussten.

Organisiert hat den von einem erfahrenen Skipper geleiteten Segeltörn entlang der Küste Mallorcas die Deutsche-José-Carreras-Stiftung, die 2011 von dem ebenfalls an Leukämie erkrankten, spanischen Star-Tenor und Opernsänger (71) gegründet worden war. »Eine Nachbarin hatte mich auf die Stiftung und die Bootsfahrt aufmerksam gemacht«, berichtet Nordemann, der sogar im Besitz eines Segelscheins ist. »Den habe ich vor mehr als 30 Jahren auf dem Feldmarksee in Sassenberg gemacht«, berichtet Nordemann.

Eine gute Nachricht

Der 60-Jährige bewarb sich bei der Stiftung mit Sitz in München und erhielt während einer dreiwöchigen Reha in Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) im April die Nachricht, mitsegeln zu dürfen. »Das war natürlich klasse und hat mich nach den schweren Wochen und Monaten unheimlich angespornt«, sagt er mit Blick auf die Chemotherapie und die Stammzellen-Transplantation.

Denn 2017 war das intakte Leben des gelernten Tischlers, Ehemanns und Vaters zweier Söhne (30,31) in schwere See geraten: »Schon seit einigen Tagen hatte ich mich immer so schlapp gefühlt«, berichtet Nordemann. »Dabei habe ich regelmäßig Sport getrieben.« Eine erste Blutkontrolle, die er von seinem Hausarzt vornehmen ließ, fiel alles andere als gut aus. Die abschließende Gewissheit, an Blutkrebs erkrankt zu sein, erhielt er kurze Zeit später nach eingehenden Untersuchungen in der Uniklinik Münster.

Stammzellen-Spender taucht ab

Während der harten Chemotherapien musste Nordemann einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Ein angekündigter Stammzellen-Spender sei plötzlich nicht mehr »vorhanden« gewesen, schließlich sprang sein Bruder Gerd (64) ein, rettete ihm so das Leben. An Bord der Segeljacht traf Nordemann nun auf Menschen mit ähnlichem Schicksal. »Es war eine junge, erst 20 Jahre alte Frau dabei, die übrigen waren Männer zwischen 40 und 60 Jahren«, berichtet Nordemann. »Die Woche auf See, der Aufenthalt in lauschigen Buchten, die Gespräche und Scherze an Bord, der Wind und die Wellen haben mir Mut gemacht.« In etwa zwei Monaten will Nordemann wieder zur Arbeit gehen.

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