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Gütersloh: 12 Jahre nach Grillunfall plädiert Familie Scholz für Prävention

Eine Stichflamme verändert alles

Gütersloh (WB). Einmal kurz etwas Spiritus auf glühende Grillkohle gekippt – das Sommermärchen 2006 hat das Leben von Familie Scholz in einen Albtraum verwandelt. Inzwischen ist sie stark genug, um auch bei Stern TV darüber zu berichten: Heute Abend ab 22.15 Uhr auf RTL.

Stephan Rechlin

Karin, Leonhard und Dieter Scholz blicken bei Stern TV auf ihren schlimmen Grill-Unfall vor zwölf Jahren zurück. Foto: Stern TV

Die Stichflamme hatte Mutter Karin und Sohn Leonhard – damals anderthalb Jahre alt – lebensgefährlich verletzt. In drei Hubschraubern wurde die Familie an jenem Freitagabend, dem Abend des WM-Auftaktspiels Deutschland gegen Costa Rica, in Spezialkliniken nach Dortmund und Bochum gebracht.

Psychologische Betreuung fiel aus

Als sie von dort nach fünf Wochen in die Reha wechselten, waren die Wunden noch lange nicht verschlossen. Karin Scholz hatte es am schlimmsten erwischt: »Zunächst mussten die noch offenen Stellen am Körper geschlossen werden. Dann wurden wir in die Narbenpflege und Kompressionstherapie eingewiesen.« So begann ein Heilungsprozess, der zehn Jahre dauerte. Scholz: »Die letzten Korrekturen an meiner Haut wurden im Mai vorgenommen.«

Niemand, der das nicht am eigenen Leib erfahren habe, könne nachvollziehen, was es bedeute, eine Brandverletzung zu erleiden und deren Heilung durchzustehen. Die psychologische Betreuung während der Reha sei eine Katastrophe gewesen. Scholz: »Am Tiefpunkt schaut man links, schaut man rechts und fragt sich: Wo stehe ich jetzt? Was bleibt mir noch?« Die Antwort darauf fiel in der Familie Scholz positiv aus: »Alles in allem hatten wir sogar noch Glück gehabt.« Alle würden heute wieder ein ganz normales Leben führen.

Mitglied bei Paulinchen

So eine Zeit mit einem kleinen Kind durchzustehen, sei noch einmal eine ganz besondere Herausforderung. Diese Erfahrung habe sie auch dazu bewogen, über ihr Schicksal im Fernsehen zu sprechen, vor einem großen Publikum. Familie Scholz gehört dem Verein Paulinchen an, der 1993 gegründet wurde, um Familien nach Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen ihrer Kinder zu beraten, bei Problemen in der Rehabilitationszeit zu helfen sowie präventiv auf die Unfallursachen hinzuweisen. Jedes Jahr werden mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland wegen Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich behandelt. Knapp 6.000 davon sind so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Karin Scholz: »Das stellt Familien, ihre Angehörigen und Freunde vor Aufgaben, die sie noch nie im Leben bewältigen mussten.«

Die Grillabende zur Fußball-WM seien nur eine Gefahrenquelle. Risiken lauerten auch in Badezimmern und Küchen, zu Weihnachten und zu Silvester: »Wir grillen nach wie vor gern. Allerdings nutzen wir jetzt einen Grillkamin, um die Kohle zu entzünden.«

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