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Mestemacher ehrt Petra Justenhoven als »Managerin des Jahres«

Eine Verfechterin der Vielfalt

Gütersloh (WB). Top-Karriere und Kinder statt Karriere oder Kinder: Dass sich Familie und beruflicher Aufstieg in Einklang bringen lassen, hat Petra Justenhoven (50) bewiesen. Die zweifache Mutter wurde 2013 als erste Frau in den Vorstand der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) berufen. Am Freitag hat sie den von der Gütersloher Großbäckerei Mestemacher ausgelobten Preis »Managerin des Jahres« erhalten.

Oliver Horst

Top-Managerin und zweifache Mutter: Petra Justenhoven, Mitglied der Führungsspitze der Beratungsgesellschaft PWC Deutschland, setzt sich für Gleichberechtigung und Vielfalt ein. Foto:

Justenhoven ist »stolz« auf die Auszeichnung und die damit verbundene Anerkennung und Wertschätzung. »Ich nehme den Preis aber nicht für mich alleine an«, sagt die Münchnerin. »Wenn man den beruflichen Weg erfolgreich geht, sind viele daran beteiligt. Zum einen mein großartiges Team bei PWC, zum anderen meine Familie und alle Unterstützer.«

BWL-Studium statt Beamtenkarriere

Finanzwesen studierte sie einst an der Bayerischen Beamtenschule. Statt Beamtenkarriere absolvierte sie ein internationales BWL-Studium. Als 1999 Sohn Paul geboren wurde, war die Steuerberaterin erst einige Jahre bei PWC. 2001 wurde sie zur Wirtschaftsprüferin. 2005 kam Tochter Pia auf die Welt. Zwei Jahre später wurde sie Partnerin bei PWC, 2013 als erste Frau in den Vorstand von PWC Deutschland bestellt.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelinge ihr durch Aufgabenteilung mit ihrem Mann Peter, »der von Beginn an mit mir in die gleiche Richtung gegangen ist. Wir wollten beide Karriere machen und Familie haben und beide die Verantwortung dafür tragen.« Zudem habe es ihr sehr geholfen, »in den unterschiedlichen Lebensphasen flexibel arbeiten zu können«. Als ihr Sohn klein war, arbeitete sie von zu Hause, nach der Geburt ihrer Tochter kürzte sie die Arbeitszeit auf 60 Prozent. »Das passende Modell zu finden, ist die halbe Miete.«

»Rückhalt und doppelter Boden« bringt Kind und Karriere unter einen Hut

Von Bedeutung sei zudem Unterstützung aus der Familie, um im Notfall »Rückhalt und doppelten Boden« zu haben. Zudem helfe die in den vergangenen Jahren verbesserte Betreuungssituation in Form von Ganztagskindergärten und -schulen Familien. Das sei zwar auch mit Kosten verbunden. »Wer seinen beruflichen Weg aber weitergehen und am Ball bleiben möchte, für den ist das ein Investment in die Zukunft.«

Viele Unternehmen hätten sich inzwischen auf den Weg gemacht, flexible Arbeitsmodelle anzubieten. Sie selbst rief das Netzwerk »Women@PWC« mit ins Leben. Aus der Initiative entsprangen auch Arbeitszeitmodelle, die für alle Mitarbeiter ausgerollt wurden. Justenhoven glaubt, dass die in Deutschland noch immer stark ausgeprägte Präsenzpflicht durch »die Digitalisierung deutlich abnehmen wird. Durch sie können wir die Arbeit ein Stück weit von Raum und Zeit trennen«.

»Wir können es uns nicht leisten, auf Talente zu verzichten«

Dass aus der Sicht junger Frauen aber weiterhin ein Spannungsfeld besteht, habe jüngst eine weltweite PWC-Umfrage gezeigt. »Mehr als zwei Drittel fühlen sich in Unternehmen noch nicht gleichberechtigt, aber jede Zweite traut sich den Aufstieg in die Führungsebene zu«, sagt Justenhoven. »Das ist Ansporn, weiter daran zu arbeiten, dass Karrieremöglichkeiten für alle gleichermaßen vorhanden sind.« Das Thema gehe dabei über die Geschlechtergerechtigkeit hinaus. Viele Unternehmen hätten Notwendigkeit und Wert von Vielfalt auch bei Herkunft, Kultur, Alter erkannt.

»Wir können es uns als Land und als Unternehmen nicht leisten, auf Talente zu verzichten. Gerade in der viel komplexer gewordenen Welt brauchen wir die Vielfalt«, sagt Justenhoven. »Wir als PWC haben diesen Punkt schon vor Jahren in der strategischen Agenda verankert und das tun immer mehr Unternehmen. Wir wollen möglichst vielfältige Ideen und Perspektiven integrieren, um die besten Lösungen zu finden.«

Justenhoven ist »per se gegen eine Frauenquote – aber für ein Ziel, das es zu erreichen gilt«. Bei der Unternehmensführung ist sie Verfechterin der Vielfalt. »Ohne es pauschalieren zu wollen, führen Frauen tendenziell anders, setzen andere Schwerpunkte. Sie fördern häufig Teamgeist und Kreativität mehr, sind nicht selten mutiger.« Letztlich aber komme es auf die Kombination an. »Die Unternehmen, die männliche und weibliche Führungskräfte zusammenbringen und aus dem gemeinsamen Potential schöpfen, haben die Chance, erfolgreicher zu sein.«

Der Preis und die Hintergründe

Mit dem seit 2002 verliehenen Gleichstellungspreis »Managerin des Jahres« zeichnet Ulrike Detmers als Initiatorin alljährlich Frauen in Top-Positionen aus. Erklärtes Ziel der geschäftsführenden Gesellschafterin der Gütersloher Mestemacher-Gruppe ist, die wirtschaftliche Kompetenz von Frauen herauszustellen und für eine gemeinsam von Männern und Frauen gestaltete Wirtschaftswelt zu werben. Die Preisverleihung erfolgte am Freitag bei einem Festakt mit mehr als 300 Gästen im Berliner Hotel Adlon. Dotiert ist der Preis mit 5000 Euro für einen karitativen Zweck.

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