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Gütersloh: Stadt will Kostenexplosionen mit neuem Beratungsverfahren begegnen

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Gütersloh (WB). Nicht nur die dritte Gesamtschule wird teurer als geplant. Die Sanierung der Stadthallenfassade sollte ersten Berechnungen zufolge 3,5 Millionen Euro kosten – der Preis liegt jetzt bei 7,9 Millionen Euro, er könnte sogar noch weiter steigen. Das Kunsthaus am Städtischen Gymnasium, das ebenfalls seit Mitte November bezogen ist, kostet rund 500 000 Euro mehr – insgesamt rund 4,1 Millionen Euro. Mit einer Kostenexplosion von 22 Millionen Euro aber liegt der Um- und Neubau der dritten Gesamtschule weit an der Spitze.

Stephan Rechlin

Auch die neue Gütersloher Stadthallenfassade wird deutlich teurer als zunächst geplant. Foto: Carsten Borgmeier

Die erst im Verlauf der Bauarbeiten auftauchenden Preissteigerungen sind politisch brisant. Sowohl bei der Verjüngungskur der Stadthalle als auch zur neuen Gesamtschule war über komplette Neubauten an Stelle von Sanierungen beraten worden. In beiden Fällen war es unter anderem Norbert Bohlmann (UWG), der auf die Risiken versteckter Kosten bei Sanierungsprojekten hinwies; seine Neubauappelle scheiterten an Ausschussmehrheiten.

Allen vier Großbauprojekten der vergangenen Monate (Gesamtschule, Feuerwache, Kunsthaus, Stadthallenfassade) sind Architektenwettbewerbe vorgeschaltet worden. Beim Neubau der Feuerwehr und der Gesamtschule kamen noch Machbarkeitsstudien hinzu; bei ihnen hatten zuvor sogar noch verschiedene Standorte und Ausbauvarianten zur Wahl gestanden. Bei allen vier Projekten lagen zwischen erster Projektierung und konkreter Umsetzung mehrere Jahre – dadurch waren konjunkturell bedingte Preissteigerungen zu verkraften sind, die nur schwer mit anderen Kostenstellen im Haushalt zu verrechnen sind.

Entwurfsplanung abwarten

Um solche überraschenden Kostensprünge zu vermeiden, schlägt die Stadt vor, konkreten Baubeschlüsse in Zukunft grundsätzlich erst dann zu fassen, wenn die Entwurfsplanung und die dazugehörige Kostenrechnung vorliegt. Bis zum Frühjahr 2020 möchte die Stadt ein Konzept für die künftige Vorgehensweise bei Großprojekten entwickeln.

Wegen der immensen Kostensteigerung bei der dritten Gesamtschule ist ein Arbeitskreis einberufen worden, der die Baukostenentwicklung eng im Auge behalten soll. Aus dessen erster Zusammenkunft wurde bekannt, dass ein hoher Anteil der Kostensteigerung – 1,2 Millionen Euro – durch eine veränderte Wahl des Schulmobiliars zustande gekommen ist. Bildungsdezernent Henning Matthes gab dem Protokoll zufolge den Hinweis, dass nun doch nicht mit fest verbauten Einbauschränken, fest eingebauten Schließfächern und fest verbauten Großgeräten geplant wird, sondern mit mobilen Möbeln und Geräten. Die sind erheblich teurer.

Die neue Stadthallenfassade wird einer Vorlage der Stadt zufolge teurer, weil sie nicht in einem Stück, sondern abschnittsweise demontiert werden müsse. In vorhandenen Bauplänen sei dies nicht erkennbar gewesen. Durch den neuen Ablauf entstünden Mehrkosten – zum einen durch die längeren Standzeiten der Gerüste, zum zweiten durch die voraussichtlich um rund zehn Monate verlängerte Bauzeit, zum dritten durch zusätzliche Maßnahmen, die für den sicheren Umbau während des laufenden Betriebes erforderlich seien.

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