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Gütersloh

Fehlalarm kappt nicht nur Mozart-Sinfonie

Gütersloh (sek) - Das Konzert der Westfälischen Kammerphilharmonie zu deren 30-jährigem Bestehen am Montag in der Stadthalle hat unter keinem guten Stern gestanden. Erst gab es einen fehlerhaften Feueralarm gegen 19 Uhr, dann - 20 Minuten vor dem Konzertende  - einen weiteren. Der Saal wurde evakuiert.

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Mitten im beseelten Andante von Mozart Sinfonie Dr. 29 A-Dur war Schluss.  Augenblicklich mussten Orchester und Publikum den Saal verlassen. Gerade erst war das Allegro, der erste heitere Satz, verklungen und man versank entspannt in den gedämpften Melodienhimmel der wohlklingenden Geigen. Berückend schöne Musik eines genialen Komponisten, die er schon im Teenageralter geschrieben hatte.

Wie gern hätte man deren letzte Sätze auch noch gehört, – wenn nicht der zweite Fehlalarm zur sofortigen Evakuierung der Stadthalle geführt hätte. Zum Trost sei gesagt: Wenn auch verkürzt, war das Konzert insgesamt ein purer Musikgenuss, den man leider nicht einmal mit dem gebührenden Applaus belohnen konnte.

Wie sehr Musik, der Austausch zwischen Musikern und Publikum, in den vergangenen Monaten gefehlt hat, spürte man gleich zu Beginn in Antonio Vivaldis wohl bekanntestem Concerto d-Moll für zwei Violinen, Violoncello und Streichorchester RV 565. Zusammen mit den Solisten Stephanie Appelhans und Christian Styma (Violinen) sowie Bronislaw Madziar (Violoncello) überzeugten die 24 Musiker mit einem ungeheuer rhythmischen Drive und glänzten darüber hinaus im präzisen Zusammenspiel. Es wird wohl ein Mysterium bleiben, wie Malte Steinsiek das immerhin schon seit 30 Jahren lächelnd und mit einem überaus zarten Dirigat immer wieder schafft.

Bravourös gelang ihm das auch in Joseph Haydns erster Sinfonie in D-Dur, wo er „seine“ Musiker zu einem exzellenten Spannungsaufbau animierte. Nicht ganz gewiss, ob es wirklich Haydns erste Sinfonie gewesen ist, da sie ob ihres überquellenden thematischen Reichtums ein Talentstreich ohnegleichen ist, hat sie eine unheimliche Sogkraft. Mit großer Spielfreude vertiefte sich das Orchester, erweitert durch jeweils zwei Hörner und Oboen, in das vitale, homogene Spiel der vor Lebenslust sprühenden, mal dynamisch, dann wieder tänzerisch vorantreibenden drei Sätze.

In eine vollkommen andere Stimmung versetzte Anton Bruckners Adagio aus dem Streichquintett F-Dur, das für Streichorchester bearbeitet zu einer Herausforderung des meist jugendlichen Orchesters wurde. Welch anerkennende Überraschung: perfekt aufeinander abgestimmt, dynamisch und pulsierend, gelang den Musikern dieses wahrhaft große Adagio mit seinen berührenden Melodiebögen. Es dominierte die Schwermut, wozu die nachfolgenden Mozartklänge einen heiteren Kontrast bildeten  bis zum abrupten Ende.

Schock und Schlag für die Musiker

Gütersloh (dop) - „Das war für uns alle ein Schock, als da mitten im Mozart-Stück plötzlich die Notdurchsage durch den Saal hallte und die sofortige Evakuierung gefordert wurde. Und das auch noch in mörderischer Lautstärke“, beschreibt Dirigent Malte Steinsiek wohl für alle Musiker der Westfälischen Kammerphilharmonie die erste Reaktion auf den Fehlalarm. Schon wegen des ersten Fehlalarms hatten er und seine Musiker – ebenso wie die früh eintreffenden Besucher – bis 19.45 Uhr vor der Stadthalle warten müssen. „Kein schöner Auftakt“, so Steinsiek.  Sein Dank gilt den treuen Fans, die sich wie die Musiker sehr auf das Konzert gefreut und für einen fast ausverkauften Saal gesorgt hatten.

Für die meisten Instrumentalisten war es coronabedingt das erste Konzert seit Monaten überhaupt. „Wir haben drei Tage intensiv geprobt, das macht bei 30 Beteiligten 540 Probestunden plus individueller Vorbereitung, die sich mit dem Alarm in Nichts aufgelöst haben“, bedauert Steinsiek.

Evakuierung erfolgt kontrolliert und zügig

Die Kulturräume reagierten prompt: „Wir möchten uns hiermit bei allen Besuchern, aber auch bei Malte Steinsiek und der Westfälischen Kammerphilharmonie sowie beim veranstaltenden Förderverein Gütersloher Kammerorchester für das unglückliche Ende eines sonst sehr gelungenen Konzertabends entschuldigen“, schrieben der kaufmännische Leiter Ralph Fritzsche und Christian Schäfer als künstlerischer Leiter. Immerhin: Die Evakuierung sei „kontrolliert und zügig“ verlaufen.

Und offenbar ist auch die Quelle des Alarms gefunden. Wie die Feuerwehr bereits vermutet hatte, ist beim Warten und Füllen der Sprinkleranlage wohl Luft in die Leitungen geraten. Eine Luftblase könnte sich vor einen Sensor gesetzt haben, der dann keinen Wasserdruck mehr gefühlt hat und die Brandmeldeanlage in Gang setzte. Der Defekt soll bereits repariert sein.  „Vocatium“, die geplante für den 7. und 8. Oktober Messe für Ausbildung und Studium, werde jedenfalls stattfinden, erklärte Veranstaltungsleiter Stefan Hübner.

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