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Gütersloh

Forum Baukultur will Wettbewerb fürs ESG

Gütersloh (gl/din)

Das Forum Baukultur OWL äußert sich zur geplanten Sanierung des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh und kritisiert den Verzicht auf einen Architekturwettbewerb. Pikant: Den Vorsitz hat der frühere Gütersloher Stadtplanungschef Dr. Michael Zirbel inne.

Wie es mit dem Altbau des ESG von 1928 weitergeht, ist noch offen. Der Rat hatte das Thema zuletzt vertagt. Foto:

Das Forum ist ein Verein mit Sitz in Bielefeld, der sich der Förderung und Pflege der Architektur, der Baukultur und -kunst sowie des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege in OWL verschrieben hat.

„Zuerst die ehemalige Wurstfabrik Marten und nun der zweite Coup: Wieder einmal will die Stadt Gütersloh auf einen Wettbewerb verzichten“, heißt es in einer Stellungnahme. Erst sollten 1,3 Hektar innerstädtischer Fläche allein nach dem Willen eines Investors bebaut werden (immerhin dürfe die Öffentlichkeit über den Entwurf mitreden). Jetzt stehe eine öffentliche Investition von 45 Millionen Euro an und wieder heiße es: keine Zeit, zu aufwändig und außerdem zu kompliziert. 

„Jetzt im Ernst? Eine Investition in dieser Größenordnung ohne einen Wettbewerb? Hat es nicht eine lange Planungskultur gegeben, in der noch viel kleinere Verfahren mit einem Wettbewerb vorbereitet wurden?“, fragt der Verein etwa mit Blick auf das (weiße) Wohnquartier an der Dalke und den Neubau der Evangelischen Kirchengemeinde an der Königstraße. „Es ist nicht zu fassen.“ Wie die Stadt Gütersloh gegenüber dem Investor des Marten-Geländes die Forderung eines Wettbewerbs erheben solle, wenn nicht einmal die eigenen Vorhaben einem solchen Qualitätsmaßstab unterlägen, wird gefragt.

„Investor und Stadt tragen erschreckenderweise dasselbe vor: zu lang, zu aufwändig, alles nicht im Sinne einer zügigen Realisierung“, heißt es weiter. „Eine abenteuerliche Allianz.“ Was bei der Sanierung des Stiftischen Gymnasiums jetzt anstehe, sei der „lieblose, jeden bürgerschaftlichen Stolz missachtende Ersatzbau“. Ein Gebäude, das mehr als hundert Jahre stehe, werde einem vermeintlich pragmatischen Vorgehen geopfert – für einen „im Vergleich winzigen Zeitgewinn“. Tatsächlich ist das Gebäude erst 1928 eingeweiht worden.

„Stadt hat Schere bereits im Kopf“

Die Grünen hätten richtigerweise einen Wettbewerb gefordert. Die Antwort der Verwaltung in der Vorlage sei höchst tendenziell. Was die besonderen Verhältnisse des Altbaus mit dem Wettbewerb zu tun hätten, fragt Zirbel. „Hier werden zwei Dinge manipulativ vermischt und mit dieser unseriösen Mischung Stimmung gemacht.“ Das Forum Baukultur habe das Verhalten der Stadt Gütersloh im Fall Marten als „Kniefall vor dem Investor“ beurteilt. Jetzt sei die Schere bereits im Kopf. Die Stadt Gütersloh als selbstbewusst planende Politik und Verwaltung opfere sich nun selbst. „Ein trauriges Spiel in einer Stadt, die das eigentlich nicht verdient hat.“

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