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Stadtparkführer Borner plädiert für »Poison Garden« in Gütersloh

Garten voller Gift

Gütersloh (WB). Einige Parkanlagen in England werben mit einer nicht ganz ungefährlichen Besonderheit: Im »Poison Garden« wachsen überwiegend giftige Pflanzen und Kräuter. Kinder dürfen das brisante Gelände nur in Begleitung ihrer Eltern betreten.

Uwe Caspar

Warnschild im Botanischen Garten: Mit einer solchen Fotomontage hat Matthias Borner für Lacher gesorgt. Foto: Daniela Toman

Ein Schild mit Totenkopf und der eindringlichen Warnung, die Finger von den Pflanzen wegzulassen, sorgt für zusätzlichen Grusel. »Trotzdem kommt der Poison Garden bei den Leuten dort prima an. Den könnte ich mir auch im Gütersloher Volksgarten gut vorstellen«, sagt Matthias Borner schmunzelnd bei seiner virtuellen Lichtbild-Parkführung (»Wir wollen jetzt zwei Stunden durch den Stadtpark tapern«) in der voll besetzten Stadthalle.

Lebensgefährliche Wirkstoffe

Das makabre englische Warnschild hat er schon mal in ein Stadtpark-Motiv montiert. Vielleicht wird das eines Tages sogar Realität, denn auch in Güterslohs grünem Wohnzimmer gedeihen etliche Pflänzchen mit zum Teil lebensbedrohenden Wirkstoffen.

Der Botanik-Guru Matthias Borner geht bei seinem Vortrag auf die fünf giftigsten Vertreter ein – wobei an erster Stelle der Blaue Eisenhut steht, dessen hochtoxischer Extrakt im Mittelalter gern bei finsteren Mordabsichten verwendet wurde. »Es kommt jedoch immer auf die Dosis an. Selbst giftige Pflanzen können eine heilende Wirkung haben«, kann Borner sein raunendes Publikum beruhigen.

Heidewald-Stadion wird zum Zoo

Für Heiterkeit im Saal sorgen weitere Fotomontagen. Auf einem manipulierten Bild, das den Stadtpark im Stil der barocken Versailles-Anlage verändert, taucht Liz Mohn als Königin mit Krone auf. Borner hat auch einen überlegenswerten Vorschlag, wie man das Heidewald-Stadion besser nutzen könnte – nämlich als Zoo. Auf dem Rasen tummeln sich in seiner Vision statt der Fußballer Löwen, Elefanten und Nashörner. »Mit dieser Aufstellung würde das tierische Team sicherlich nicht schlechter spielen als der FCG derzeit«, witzelt der 45-Jährige.

100 Heilpflanzen wachsen im Stadtpark

Bei seinem amüsant-blumigen Streifzug inklusive der Geschichte der internationalen Gartenkunst entdeckt Matthias Borner im Gütersloher Naturparadies, wo 100 Heilpflanzen und 65 Obstsorten prächtig gedeihen, auch Elemente italienischer Renaissancegärten und englischer Landschaftsparks. Eigentlich, so meint er, sei das heimische Erholungsareal reif für die Nominierung zum Weltkulturerbe. Immerhin ist Güterslohs Vorzeige-Parklandschaft, die jährlich 170.000 Menschen anlockt (Borner vermutet grinsend: »Eine geschätzte Besucherzahl, die wahrscheinlich auf verteilten Knöllchen basiert«) schon mal in das Netzwerk »Europäisches Gartenerbe« aufgenommen worden.

Aufgelockert wird Borners virtueller Rundgang von dem ihn begleitenden Pianisten Thorsten Lorenz. Dessen genial vorgetragene Varianten von »Für Elise« (Ludwig van Beethoven) und der »Toccata in D-Moll« (Johann Sebastian Bach) belohnen die 800 Besucher mit viel Applaus. »Lemon Tree« (Fools Garden) darf natürlich nicht fehlen. Geizte Borner vor der Pause noch mit Lob für seinen Piano-Partner (»Wenn Sie mich fragen: Schlecht war’s nicht«), so fiel das Gesamturteil des Stadtparkexperten später euphorisch aus: »Sensationell!«

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