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Gütersloh

Gefährdeter Kiebitz brütet vor allem auf Äckern

Gütersloh (gl)

Es steht nicht gut um den Kiebitz in Deutschland, auch in Gütersloh ist der Bestand stark rückläufig. Ein Landwirt will dies stoppen.

Der Kiebitz ist eine gefährdete Art. Der Feldvogel brütet hauptsächlich auf Äckern. Die Stadt Gütersloh möchte Landwirte für den Kiebitzschutz sensibilisieren.

Gütersloh (gl) - Mit seinem in Schwarz, Weiß und Grün schimmernden Federkleid und der kecken Federholle auf dem Kopf ist er eine auffällige Erscheinung: der Kiebitz. Der taubengroße Feldvogel brütet von März bis Juli vor allem auf landwirtschaftlichen Flächen. Sein Bestand ist stark rückläufig, in Gütersloh hat er sich seit dem Jahr 2000 mehr als halbiert.

Nur noch 43 Paare in Gütersloh

„Im vorigen Jahr wurden nur noch 43 Paare gezählt“, so Sonja Wolters, Leiterin des Fachbereichs Umweltschutz der Stadt Gütersloh, laut einer Mitteilung der Verwaltung. „Wenn dieser Trend anhält, wird der Kiebitz in wenigen Jahren aus Gütersloh verschwunden sein.“ Häufig werden die Nester mit den Eiern oder Jungtieren auf Feldern von Maschinen vernichtet. Das können Landwirte durch das Markieren von Nestern vermeiden.

Kiebitze im Blick

Ein Landwirt, der mit der Gelegemarkierung Erfahrung gesammelt hat, ist Matthias Bettenworth mit seinem Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau in Avenwedde. Zuletzt war es für ihn wie für viele andere Landwirte nicht leicht. Vor allem die Pandemie schlug mit wegbrechenden Absatzmärkten ins Kontor. Trotzdem hat er die Kiebitze im Blick behalten.

Matthias Bettenworth hat gute Erfahrungen mit der Gelegemarkierung gemacht.

„Seit Jahren brüten immer zwei bis drei Paare hier auf diesem Acker“, berichtet Bettenworth, am Rande eines Felds stehend, das von kleinen Roggenpflanzen bedeckt ist. Um die Nester nicht zu überfahren, sind ein paar Minuten Suche angesagt, bevor der Traktor gestartet wird. „Ich schaue, wo genau die Elterntiere herumfliegen, und finde dann die Nester. Auch wenn die gesprenkelten Eier nicht ganz einfach zu entdecken sind.“

Nester auf Acker markieren

Um die Stellen während der Feldarbeit umfahren zu können, werden sie mit einem Holzstab markiert. Diese Gelegemarkierung hat schon ein paar Mal die Biologische Station Gütersloh/Bielefeld übernommen. „Die Biostation hat sich bei mir gemeldet, gesagt, wir haben nach Nestern auf Ihrem Acker geschaut, dürfen wir die Stellen markieren“, erzählt Matthias Bettenworth und lacht: „Natürlich habe ich nichts dagegen. Das macht mir die Sache ja leichter und ich spare Zeit.“

Die Stadt Gütersloh will gemeinsam mit der Biologischen Station und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh den Kiebitzschutz intensivieren. „Die Rettung des Kiebitzes kann nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten erfolgen“, betont Sonja Wolters.

“Mit Landwirt zusammenarbeiten“

Bernhard Walter von der Biostation Gütersloh/Bielefeld verdeutlicht die bedrohliche Lage der Vogelart: „Im Jahr 2007 hatten wir im Kreis noch mehr als 1200 Kiebitzpaare, jetzt sind es noch 350. Es ist wichtig, mit den Landwirten noch besser zusammenzuarbeiten. Hier bei Bettenworths hat es sehr gut geklappt, hier sind voriges Jahr Junge großgeworden.“

Die Gelegemarkierung führt zu einem erhöhten Schlupf-Erfolg. Sie stellt zusammen mit der Anlage von Flächen, die den Jungtieren Nahrung und Schutz vor Fressfeinden bieten, die Grundlage des Kiebitzschutzes dar.

Hundebesitzer ansprechen

Für die Anlage solcher Feldvogelinseln im Acker, 5000 Quadratmeter groß, erhalten Landwirte einen finanziellen Ausgleich. Matthias Bettenworth will sich das durch den Kopf gehen lassen: „5000 Quadratmeter Nutzfläche unbewirtschaftet zu lassen, ist nicht wenig, und Verwaltungsaufwand ist auch da. Aber den Grundgedanken finde ich gut.“ Wichtig ist ihm, beim Thema Kiebitzschutz auch Hundebesitzer ins Boot zu holen: „Ich spreche oft Spaziergänger an, die ihren Hund nicht anleinen und auf den Acker laufen lassen, wo er die brütenden Vögel aufscheucht. Da treffe ich aber häufig auf Unverständnis.“

Nähere Informationen zum Kiebitz gibt es auf www.guetersloh.de (Suchbegriff „Kiebitz“). Ansprechpartnerin bei der Stadt ist Melissa Balkenohl, 05241/822991. Landwirten bietet die Biostation Gütersloh/Bielefeld Unterstützung bei der Gelegemarkierung sowie Beratung zur Anlage von Nahrungs- und Versteckflächen und zu Ausgleichszahlungen an. Nähere Informationen gibt es unter 05209/980101 sowie im Internet unter www.biostationgt-bi.de

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