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Gütersloh

Gegen Gewalt an Frauen: Gütersloh hisst  blaue Flagge

Gütersloh (gl)

590 Fälle häuslicher Gewalt registrierte die Polizei im Jahr 2021 im Kreis Gütersloh. Die Dunkelziffer ist hoch. 

Möchten die Menschen für das Thema sensibilisieren: (v.l.) Alina Skobowsky (Frauen für Frauen Gütersloh e.V.), Inge Trame (Gleichstellungsbeauftragte Stadt Gütersloh), Hanna Brormann und Viktoria Krecker (Frauen für Frauen Gütersloh e.V.).

Gütersloh (gl) - Die blaue Fahne mit dem Slogan „Frei leben, ohne Gewalt!“ wird auch in diesem Jahr wieder vor dem Rathaus gehisst. Die Stadt Gütersloh zeigt sich seit 2006 solidarisch mit gewaltbetroffenen Frauen und setzt auch in diesem Jahr vom 21. bis zum 26. November am Rande des Konrad-Adenauer-Platzes ein sichtbares Zeichen für ein Leben ohne Gewalt.

Weitere Fahnen wehen an der Stadthalle, dem städtischen Gymnasium, der Volkshochschule, dem Kreishaus und an dem Klinikum der LWL.

Jede vierte Frau betroffen

Seit dem Jahr 2001 werden die blauen Fahnen stets am 25. November an vielen Orten in Deutschland gehisst – korrespondierend zur Aktion der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes. In diesem Jahr findet die Aktion von Terre des Femmes unter dem Jahresthema #TrautesHeimLeidAllein statt. 

„Rein statistisch gesehen erlebt jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben häusliche Gewalt – egal, aus welcher sozialen Schicht oder Altersgruppe sie kommt“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.

Dunkelziffer ist hoch

Im Kreis Gütersloh gab es im Jahr 2021, laut Bericht der Kreispolizeibehörde, 590 polizeibekannte Fälle häuslicher Gewalt. 696 weitere Menschen wurden Opfer von Partnerschaftsgewalt, davon fast 70 Prozent Frauen. Sie erlitten Körperverletzungen oder wurden bedroht. Die Dunkelziffer sei hoch und das Thema nach wie vor ein Tabu. 

„Wir wollen damit deutlich machen, dass das eigene Zuhause für viele Frauen nicht immer ein sicherer Ort ist. In unserer Nachbarschaft oder im Bekannten- und Freundeskreis geschieht Gewalt hinter verschlossenen Türen – im ‘trauten Heim‘“, erläutert Inge Trame von der städtischen Gleichstellungsstelle. 

Sicherer Rückzugsort

Betroffene Frauen fühlten sich häufig allein gelassen und wüssten nicht, an wen sie sich wenden sollen. Daher arbeiteten in Gütersloh das Frauenhaus und die Frauenberatungsstelle eng zusammen, um diesen Frauen einen sicheren Rückzugsort zu bieten.

In Folge der Corona-Pandemie waren beide Institutionen stark belastet. Dennoch haben sie diese wichtige Arbeit engagiert fortgesetzt und Frauen in Krisensituationen aktiv unterstützt. „Die Beratung und Unterstützung von Frauen und ihren Kindern hat sehr gut funktioniert, auch durch den guten Austausch im Hilfesystem in der Stadt Gütersloh. Wichtig ist, schnell zu schauen, was gebraucht wird, und wer, wie helfen kann“, sagt Hannah Brormann, Mitarbeiterin des Frauenhauses.

Stark ausgelastet

Das Frauenhaus Gütersloh, getragen vom Verein „Frauen für Frauen“, war im vergangenen Jahr mit 70 Frauen und Kindern stark ausgelastet. In der Frauenberatungsstelle/Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt, ebenfalls getragen vom Verein „Frauen für Frauen“, wurden 492 Frauen im Jahr 2021 wegen häuslicher und sexualisierter Gewalt beraten. 

„Manche suchen ein erstes Gespräch und möchten einfach nur reden, brauchen eine Krisenintervention, eine psychosoziale Unterstützung oder eben auch einfach nur eine Information über ihre Rechte“, schildert Alina Skobowsky von der Frauenberatungsstelle.

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