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Gütersloh

Glaw dokumentiert Zeugnisse des Glaubens

Gütersloh (dop) - Sie stehen an Feldwegen, ducken sich unter Bäumen oder markieren Hofeinfahrten: Flurkreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen sind die unscheinbaren Verwandten von Kathedralen, Kirchen und Klöstern. Aber sie sind nicht weniger Ausdruck tiefen katholischen Glaubens.

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Und sie erzählen oft ganz persönliche Geschichten – von Krieg und Krisen, von Verzweiflung, aber auch von Freude und Hoffnung. Johannes W. Glaw, Stadtarchäologe und Kunsthistoriker, hat die 67 vorhandenen Objekte im Stadtgebiet Gütersloh dokumentiert.

„Zeugnisse des Glaubens“, heißt sein druckfrisch vorliegendes, 108-seitiges Buch, das in 300er-Auflage im Bielefelder Verlag für Regionalgeschichte (VRG) erschienen ist. Finanziert wurden Recherche und Druck mit Geldern des Ministeriums für Heimatpflege und Mitteln des Gütersloher Heimatvereins. Auch wenn die meisten Flurkreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen für die katholische Liturgie unbedeutend sind und heute höchstens mal am Palmsonntag zur Palmweihe genutzt werden, waren sie doch seit jeher Spielbälle religionspolitischer Ausei-nandersetzungen. Denn mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 erhielten die Landesherren das Recht, die eigene Religionszugehörigkeit ihren Untertanen zu verordnen. „Das machte Deutschland zu einem religiösen Flickenteppich“, erklärt Glaw.

Allein auf dem Gebiet Gütersloh rangen drei Herrschaften diesbezüglich um Macht und Einfluss: Herrschaft Rheda (Pavenstädt und Blankenhagen), die Grafschaft Ravensburg (Isselhorst, Nordhorn) und das Amt Reckenberg (Friedrichsdorf, Avenwedde, Spexard und Kattenstroth). Letzteres gehörte zum Fürstbistum Osnabrück und wurde gemäß der Vereinbarungen im Westfälischen Frieden ab 1848 wechselweise von katholischen und protestantischen Bischöfen geleitet. Die ersten förderten den Bau der Kleindenkmale, die anderen ließen sie abbrechen.

Innehalten und Mahnen

Der älteste, in Gütersloh erhaltene Bildstock, der an der Alten Osnabrücker Straße steht, stammt aus dem Jahr 1701. Errichtet wurde er vermutlich von den Bewohnern des Meierhofs Hauertmann – weil sie von der Pest verschont blieben.

Der Bogen der Objekte spannt sich im Buch vom Heiligenhäuschen auf dem Meierhof Spexard, aus dem Spitzbuben in den 1970er-Jahren die spätgotische Pieta stahlen (sie wurde reichlich ramponiert im Ruhrgebiet wiedergefunden und restauriert) über kunsthistorische wertvolle Wegekreuze wie das vom Hof Stüker, das der Wiedenbrücker-Schule-Künstler Anton Morman schuf, bis hin zum Bildstock an der Rhedaer Straße, den die Familie Bühlmeyer 1983 nahe der Wapel aufstellen ließ – dort, wo ihre Tochter Annegret und deren Freundin Almut Roggenkamp ein Jahr zuvor ermordet worden waren.

Es gibt Kruzifixe wie das In der Worth, das gleich zweimal „himmlischen Vandalismus“ durch Blitzschläge über sich ergehen lassen musste, Kleindenkmale, die Fragmente von Bombenangriffen in sich tragen, und eine Nachbildung der Grotte von Lourdes – als Dank für eine Genesung nach gemachter Pilgerfahrt. Geschichte(n), die sich lohn(t)en zu lesen. Es gibt sie für 14,90 Euro im Buchhandel und im Stadtmuseum Gütersloh.

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