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Gütersloh

Gütersloher Studenten entwickeln Verpackungslösung

Gütersloh (gl)

Eine Verpackung ist meist mehr als eine Pappschachtel. Was bei der Entwicklung zu beachten ist, lernten Gütersloher Studenten in einem Projekt.

Sicher ans Ziel: Studierende der Digitalen Logistik an der FH Bielefeld feilten an einer Verpackungslösung für ein LC-Display.

Gütersloh (gl) - Die Themen der beiden Vorlesungen Verpackungstechnik und Projektmanagement sind unterschiedlich, die Kompetenzen auch. In der Praxis braucht man beides, will man ein Produkt verpacken. Grund genug für zwei Professoren der Fachhochschule (FH) Bielefeld, ihre Veranstaltungen in einem Semester zu kombinieren und besonders praxisnah zu gestalten.

Die Professoren Dr. Jörg Nottmeyer und Dr. Manuel Knüppel ließen ihre Studierenden am Campus Gütersloh für ein reales Produkt eine Verpackung entwerfen und diesen Prozess als Projekt managen. Kürzlich stellten die Studierenden ihre Ergebnisse vor. Fazit: Die Lösungen sind laut einer Mitteilung der Fachhochschule nicht nur industrietauglich, sie brachten einen Mehrwert. 

Überraschende Sendung vor Weihnachten

Als kurz vor Weihnachten ein Paket bei Jörg Nottmeyer abgeliefert wurde, schaute seine Frau verwundert und wollte wissen: „Wer schickt dir denn solch ein Paket?“ Nottmeyer war ebenso ratlos. Vorsichtig öffnete er den großen Karton und nahm eine kleine, versiegelte Schachtel heraus. Schnell war das Siegel gelöst, und zum Vorschein kam ein LC-Display samt zusätzlicher Schnittstelle. Nottmeyer war positiv überrascht: Das Paket kam von seinen Studierenden. Sie sollten eine Verpackungslösung für das Display finden und hatten die praxisnahe Aufgabe bis zum Ende wörtlich genommen.

Nottmeyer ist als Professor am Campus Gütersloh der FH Bielefeld im Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik zuständig für das Lehrgebiet Produktionslogistik. Die Praxisnähe ist für Nottmeyer ein echter Pluspunkt des Studiengangs: „Die Studierenden sammeln schon reichlich Praxiserfahrung während des Studiums. Darauf kann man in der theoretischen Lehre prima zurückgreifen und die Inhalte sehr anschaulich vermitteln, indem man sie mit den Erfahrungen der Studierenden verknüpft. So verfestigt sich auch die Theorie besser.“ 

Zeit- und Kostenrahmen sind einzuhalten

Gemeinsam mit seinem Kollegen Manuel Knüppel, der das Lehrgebiet Industrial Engineering vertritt, bot Nottmeyer nun erstmals eine kombinierte und besonders praxisnahe Prüfungsleistung an. „Ein Produkt muss nicht nur optimal verpackt, sondern der Prozess muss auch optimal gemanagt werden, um im Zeit- und Kostenrahmen zu bleiben“, erklärt Manuel Knüppel. Also stimmten sie ihre Vorlesungen Verpackungstechnik und Projektmanagement aufeinander ab. 

Die Studierenden bekamen eine gemeinsame Aufgabe, die als Projekt zu managen war: Pro Jahr sollten 240 000 LC-Displays mit zusätzlicher entsprechender Schnittstelle im Wert von je 2000 Euro sicher verpackt und von Shanghai nach Europa geliefert werden. Der Clou: Nottmeyer besorgte tatsächlich einige Displays, so dass die Studierenden mit einem realen Produkt arbeiten konnten. Einen entscheidenden Unterschied gab es allerdings: „Unsere Displays haben in Wirklichkeit nur ein paar Euro gekostet“, so Nottmeyer.

Auftraggeber wollen eine Lösung

Bei der Umsetzung waren die Studierenden frei. „Das war anfangs nicht einfach, da wir nicht genau wussten, was die Professoren von uns erwarteten“, berichtet der Student Aaron Krone. Für Manuel Knüppel unterstreicht das die Praxisnähe: „Die Auftraggeber wissen oft auch nicht genau, was sie wollen. Sie brauchen halt eine Lösung. Dass es auf dem Weg dorthin viele Teilentscheidungen zu treffen gilt, ist zu Beginn oft nicht klar.“

Die Studierenden machten sich in Teams an die Arbeit und legten zunächst die Attribute fest, welche die Verpackungen zum Schutz des Inhalts erfüllen mussten wie etwa stoßsicher, feuchtigkeitssensibel, diebstahlgeschützt und platzsparend. In welchen Einheiten sollten die Displays verpackt, auf welchem Weg und auf welche Weise nach Europa gebracht werden? 

Beim Projektmanagement kam den Studierenden ihre Praxiserfahrung zu Gute: „Wir wussten, dass man auch Unvorhergesehenes mit einplanen muss, etwa den Ausfall von Mitarbeitenden durch Krankheit oder Elternzeit“, erzählt Student Dennis Müller, der bei Storck beschäftigt ist. 

Gerade noch rechtzeitig zur Abgabefrist

Die Teams entschieden sich für zum Teil wiederverwendbare Großpackungen, setzten die Displays in Schaumstofftrays und stapelten sie in normierte, sogenannte Kleinladungsträger oder in am Rechner als 3-D-Modelle eigens entworfene Kisten. In Containern verfrachtet ging es auf den Weg nach Europa. Aaron Krone setzte mit seinen Kommilitonen Jacques Peluso und Paul Kreuder, die zugleich auch seine Arbeitskollegen bei Rewe sind, auf flexible Einzel-Verpackungen: „Die lassen sich nach Bedarf auch schnell per Flugzeug verschicken“, erklärt Peluso. Und sogar bis zu Nottmeyer nach Hause – wenn Peluso hier auch selbst Hand angelegt, die entworfene Verpackung zusammengebastelt und das Display darin verstaut hat. Die Kreuder-Krone-Peluso-Lösung jedenfalls kam gerade noch rechtzeitig zur Abgabefrist an. 

Jörg Nottmeyer konnten sie von ihrer Lösung ebenso überzeugen wie die anderen Teams: „Die Begründungen für die jeweiligen Umsetzungen waren absolut stimmig. Und das Wichtigste: Alle Lösungen sind industrietauglich. Genau so wird es in der Praxis gemacht, alle Verpackungen könnten direkt umgesetzt werden.“ 

„Da bleibt einfach mehr hängen“

Auch die Studierenden hat die Aufgabenstellung überzeugt: Sie konnten in zwei gleichzeitig stattfindenden Lehrveranstaltungen individuelle Prüfungsleistungen ablegen, die inhaltlich aufeinander abgestimmt waren. Eher untypisch für die Hochschulwelt, in der jedes Fach eigene Aufgaben behandelt: „Bei einer Klausur lernt man oft nur für den Termin und vergisst danach viel. Jetzt haben wir uns über Monate unter fast realen Bedingungen mit einer Sache beschäftigt, und zwar aus verschiedenen Perspektiven. Da bleibt einfach mehr hängen“, resümiert Student Dennis Müller.

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