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Gütersloh: Angeklagter (58) aus München kommt nicht zu seiner Verhandlung

Haftbefehl gegen »Captain«

Gütersloh (WB). Die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch vor und im Amtsgericht von Rheda-Wiedenbrück. Etliche Polizei- und Justizbeamte kontrollieren jeden, der in das Gebäude will. Dort soll der Prozess gegen einen 58-jährigen Mann aus München beginnen, der zu den sogenannten »Reichsbürgern« gehören soll. Doch der kommt nicht.

Wolfgang Wotke

Hohe Sicherheitsvorkehrungen vor dem Amtsgericht in Rheda-Wiedenbrück: Dort sollte sich ein Mann aus München, der zu den sogenannten »Reichsbürgern« zählt, wegen Nötigung und Verleumdung verantworten. Doch er kommt nicht. Foto: Wolfgang Wotke

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte Nötigung und Verleumdung vor. Der Vorsitzende Richter Thomas Schröder hat einen Haftbefehl gegen den nicht erschienenen Angeklagten erlassen: »Der wird dann so lange in Haft genommen, bis wir hier einen neuen Verhandlungstermin haben. Ich werde ausdrücklich verfügen, dass dieser Haftbefehl nicht außer Vollzug gesetzt werden darf.« Mit einem Strafbefehl komme man nicht weiter.

Finanzamt-Vorsteher soll verhaftet werden

Der 58-Jährige soll im November 2016 auf dem Finanzamt in Wiedenbrück aufgetaucht sein und sich als Bevollmächtigter eines Fantasielandes vorgestellt haben. Im Juni 2014 soll bei ihm eine Durchsuchung wegen hoher Steuerschulden stattgefunden haben. Einige Gegenstände wurden dabei als Beweismittel und zur Verwertung sichergestellt. Im Dienstzimmer des Finanzamts-Vorstehers soll der Beschuldigte dann die Rückgabe der Gegenstände gefordert haben, andernfalls soll er gedroht haben, ihn zu verhaften. Dazu sei er als »Captain« einer in Großbritannien ansässigen Organisation berechtigt. Der Vorsteher hatte ihn daraufhin aus der Behörde verwiesen.

Schwere Vorwürfe gegen Richter

Weiterhin soll der Angeklagte zwischen April und September 2017 an einem bislang unbekannten Ort vor 20 Zuhörern ein Seminar abgehalten haben, in dem er darüber sprach, wie man sich staatlichen Behörden der Bundesrepublik Deutschland am besten widersetzen könne. Als einer der Teilnehmer auf die Stadt Bielefeld zu sprechen gekommen sei, soll der 58-Jährige sich dahin geäußert haben, dass diese Stadt kein schöner Platz sei. Außerdem bezichtigte er den Vorsitzenden des Deutschen Richterbundes und Direktor des Amtsgerichtes Bielefeld des Kindesmissbrauchs. »Er weiß es, dass ich es weiß und der wird gepackt«, soll er gesagt haben. Alles das ist auf einem Seminarvideo zu sehen, das seit September 2017 bei »You Tube« einsehbar ist.

Gestern morgen hatte der Beschuldigte auf seinem eigenen You Tube-Kanal verbreitet, dass der Geheimdienst zu der Gerichtsverhandlung kommen würde. Ist er deshalb ferngeblieben?

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