1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. »Ich hatte Todesangst«

  8. >

Gütersloh: Opfer (22) schildert im Prozess die brutale Attacke an den Dalkeauen

»Ich hatte Todesangst«

Gütersloh (WB). Wer hat am Maifeiertag 2018 so brutal auf damals den 21-Jährigen eingeschlagen? War es ein Täter, waren es zwei oder sogar drei Täter? Seit Dienstag müssen sich zwei junge Männer vor dem Jugendschöffengericht Gütersloh wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie sollen nach einem Streit am 1. Mai 2018 an den Dalkeauen das Opfer verprügelt haben.

Wolfgang Wotke

An diesem Fußweg der Dalkeauen soll der Zwist zwischen dem 21-Jährigen und den Angeklagten (beide 20) begonnen haben. Minuten später eskalierte die Situation und verlagerte sich an das Ufer der Dalke. Da sind dann die Fäuste geflogen. Foto: Wolfgang Wotke

Während sich die zwei Angeklagten zu den Vorwürfen vorerst nicht äußern wollten, schilderte der Geschädigte (22) als Zeuge und Nebenkläger noch einmal die Geschehnisse, die für Schlagzeilen gesorgt hatten. »Ich hatte zusammen mit meiner Freundin das Maifest besucht und wir waren gegen 18 Uhr auf dem Heimweg, als ich bemerkte, dass mein Fahrrad einen platten Reifen hatte. In diesem Moment sind zwei Typen an uns vorbeigegangen und haben meine Partnerin angemacht«, sagte er. Daraufhin habe er einfach nur »Halt’s Maul« gerufen. Wenige Sekunden später habe einer der beiden Kontrahenten ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Situation sei eskaliert und habe sich ans Ufer der Dalke verlagert. »Dort haben beide Personen auf mich eingedroschen, vor allem gegen meinen Kopf. Ich meine, es waren sogar drei Personen.«

Täter schlagen einfach weiter

Blutüberströmt sei er dann geflüchtet. Im Krankenhaus seien eine Nasenfraktur, eine Kieferprellung, mehrere Hämatome und etliche Platzwunden diagnostiziert worden. Später musste er noch an der Nase operiert werden. »Ich hatte wirklich Todesangst.« Er sei auch mehrfach unter Wasser gedrückt worden. Gewehrt habe er sich nicht. Während der Attacke habe er sich entschuldigt und die Angreifer angefleht, endlich mit den Schlägen aufzuhören. »Die haben aber weiter gemacht.«

Das bestätigten gestern auch einige der neun Zeugen. Untersuchungen der Polizei und Zeugenaussagen haben auch ergeben, dass der 21-Jährige in die Dalke geschubst worden ist und dass er so einige Sekunden lang seinen Kopf unter Wasser gehalten hat. Trotzdem sei er weiter aggressiv und rücksichtslos angegangen worden. Augenzeugen berichteten von gegenseitigen Beleidigungen, die den Zwist ausgelöst hätten, andere erzählten, dass sie nur eine Menschentraube von 20 bis 30 Personen gesehen hätten, aus der es immer wieder laute Schreie gegeben habe.

Panik in den Augen

Ein 19-Jähriger, der die Polizei verständigt haben will, sagte dem Gericht, dass er eine gereizte Stimmung unter den Jugendlichen ausgemacht habe. »Es herrschte ein streitsüchtiges und bösartiges Chaos. So etwas habe ich noch nie erlebt. Die haben sich auch gegenseitig aufgehetzt.« Die Schlägerei habe er nicht miterlebt. Als das Opfer dann mit blutverschmiertem Gesicht auf ihn zugekommen sei, habe er in seinen Augen panische Angst erkannt. »Der war total verstört.« Manche der gestrigen Zeugen wollen die beiden Beschuldigten als Täter im Gerichtssaal wiedererkannt haben, andere hatten Erinnerungslücken und konnten sie nicht identifizieren.

Fest steht, dass alle Beteiligten unter erheblichen Alkoholeinfluss gestanden haben. Laut der beiden Strafverteiger, Jerrit Schöll und Franziska Janßen aus Bielefeld, hätten ihre Mandanten an dem besagten Maifeiertag mindestens eine Flasche Wodka getrunken. Auch das Opfer gab zu, mindestens acht Biere, drei Wodka mit Organgensaft und fünf kleine Schnäpse konsumiert zu haben. »Ich konnte mich aber noch gut ausdrücken und wäre in der Lage gewesen, Rad zu fahren.«

Der Prozess wird am Montag, 11. November, um 13.45 Uhr fortgesetzt. Dann soll noch ein weiterer Zeuge gehört werden, den die Verteidigung vorgeschlagen hat.

Startseite