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Gewerkschaft möchte bei Umgestaltung des Konzerns mitreden

IG Metall will an Miele-Tisch

Gütersloh (WB). Keine Krise, kein Konkurs, keine Massenentlassung. Im Bielefelder Miele-Werk werden sogar Überstunden geschoben, so gut läuft es bei den Geschirrspülern. Warum macht die IG Metall dann so einen Wind vor den Betriebstoren?

Stephan Rechlin

Thomas Wamsler ist neuer Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Bezirk Gütersloh-Oelde. Bei der Firma Miele möchte er den Transformationsprozess zur Industrie 4.0 mit gestalten. Foto: Stephan Rechlin

Aus seiner Zeit in Freiburg und Lörrach weiß Thomas Wamsler, seit Montagabend neuer Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Bezirk Gütersloh-Oelde, dass Veränderungen in Metallbetrieben nur langsam beginnen, aber dann tief einschneiden. Wie die Abschaffung der Nachtschicht im Gütersloher Waschmaschinenwerk zum Beispiel. Sie wurde auf zwei Tagschichten verteilt.

Mit dem verfügten Einstellungsstopp und dem Auslaufen befristeter Verträge würden diese Schichten auf eine Größe begrenzt, wie sie gebraucht werde, wenn 50 Prozent der Produktion bis 2025 nach Polen verlagert werden.

Veränderungen mit gestalten

Die IG Metall möchte die Veränderungen bei Miele nicht aufhalten. Sie möchte sie aber rechtzeitig mitgestalten. Wamsler: »Wird in Gütersloh denn noch eine Eisengießerei benötigt, wenn die hier produzierte Stückzahl um die Hälfte reduziert wird? Werden noch so viele Motoren wie bisher aus dem Werk in Euskirchen benötigt? Wird die Kunstoffentwicklung in Warendorf noch benötigt, wenn das Know-How nach Polen abwandert?« Solche Fragen trieben die Mitarbeiter bei Miele schon heute um.

Beim zweiten noch in Deutschland produzierenden Unternehmen, der Bosch Hausgeräte GmbH, sei die IG Metall über den Aufsichtsrat auf allen Ebenen der seit 2015 betriebenen Transformation in eine Industrie 4.0-Fertigung vertreten. In Gütersloh werde man entweder gar nicht oder immer wieder mit neuen Zahlen über die Entwicklung einzelner Standorte informiert: »Auf diese Weise wird verhindert, dass wir ein eigenes Konzept zur Zukunftssicherung entwickeln können, über das wir auf Augenhöhe mit der Geschäftsführung verhandeln möchten.« Doch Miele rede offenbar lieber mit sich selbst. So wie in München, wo ein Standort-Rettungskonzept des Betriebsrates einfach ignoriert worden sei.

Ein Sparplan nach dem anderen

Um die Mitarbeiter auf den Wandel vorzubereiten, müssten sie wissen, wo und wie sich weiterqualifizieren könnten. Statt darüber mit der Gewerkschaft zu reden, würden derzeit immer neue externe Berater durchs Haus geschickt, die einen Sparplan nach dem anderen vorlegten: »Einstellungsstopp und natürliche Fluktuation sind doch keine Personalplanung. Was macht Miele denn anschließend mit einer überalterten Belegschaft?« Es stimme ja. Miele gehe es gut. Darum müsste es der Firma doch leicht fallen, die IG Metall mit an Bord zu holen.

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