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Gütersloh

Im Museums-Magazin wird aufgeräumt

Gütersloh (dop) - „Was kunsthistorisch oder für die Stadtgeschichte von Bedeutung ist, das wird behalten. Aber der Sonnenblumen-Kunstdruck oder das x-te flammende Jesusherz kommen weg.“ Da sind sich Stadtmuseumsleiter Dr. Franz Jungbluth und Johannes Glaw vom Vorstand des  Heimatvereins einig.

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Sie sind gerade dabei, im Magazin des Museums den Bildbestand aufzuräumen, wobei ihr besonderer Augenmerk den Arbeiten von Paul Westerfrölke gilt.

Eine Sisyphusarbeit, die aber dringend notwendig ist. Denn die rund 500 Bilder (davon 250 Fotos) sind unter mehr als mangelhaften Umständen im Magazin untergebracht. Das gilt nicht nur für die räumlichen Belange, sondern vor allem für die klimatischen. Denn das Magazin ist eine alte, teils bis unters Dach vollgestopfte ehemalige Firmenhalle, in der an mancher Stelle schon Topf oder Eimer stehen, um das von oben herunter tropfende Wasser aufzufangen.

Nicht von ungefähr ist der Heimatverein seit langem auf der Suche nach einem neuen Domizil für seine Schätze – und Schätzchen. Bislang ohne Erfolg. Den Verantwortlichen ist aber klar, dass dieses Depot nicht länger ein geeigneter Platz für die gesammelten Bilder ist, zu denen auch jene rund 70 Gemälde und Zeichnungen gehören, die der Heimatverein – gemeinsam mit der Sparkasse – 1998 aus dem Nachlass Westerfrölkes erwarb.

Nach den Vorarbeiten, die FSJ-ler Timo Güthenke in den zurückliegenden Wochen schon geleistet hat, in dem er auch in uralten, verstaubten Kisten nach längst Vergessenem geforscht hat, steht man nun „vor einem Kessel Buntes“, wie Jungbluth es beschreibt. Das gilt es zu entwirren, zu bewerten und fachgerecht zu inventarisieren. Denn auch daran mangelt’s. Selbst wenn das ein oder andere Exponat eine Nummer trägt, so heißt das noch lange nicht, dass sich alle erforderlichen Fakten dazu – vom Entstehungsjahr über Motivdetails bis zu den Schenkungs- oder Ankaufsdaten – in den Unterlagen wiederfinden. Manches läuft komplett ins Leere. So gibt es zum Beispiel Westerfrölke-Porträts einer Familie Güth. Doch welche der Gütersloher Güths ist gemeint?

Wenn wir hier durch sind“, so Glaw, „dann wird zumindest die Datenbank des Heimatvereins diesbezüglich in Ordnung sein.“ Da rächt sich eben, dass über lange Jahre auch vieles an Schenkungen einfach nur angenommen worden ist, ohne es fachgerecht zu inventarisieren. Heutzutage winkt der Heimatverein eher ab, wenn ihm etwas angeboten wird. Was nicht nur mit dem mangelnden Platz im Magazin zu tun hat. Es geht ihm heute um kunst- oder stadtgeschichtliche Relevanz.

Eins ist sicher: Für die Westerfrölke-Arbeiten geht die Aufräumaktion gut aus. Für sie wurde ein neuer, klimatisierter Aufenthaltsort gefunden, an den sie demnächst verlagert werden. Wo genau das sein wird, wollten Glaw und Jungbluth nicht verraten - um keine Begehrlichkeiten zu wecken. Und so gilt für alle anderen Bilder im Magazin, was aktuell – leider – typisch ist für Künstlernachlässe: Wohin damit?

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