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Polizei will mit Aktion »Radschlag« aufklären – Fahrlehrer kritisiert schwache Bremsen – mit Video:

Immer mehr Unfälle mit Pedelecs

Gütersloh (WB). Mit der Kampagne »Radschlag« will die Polizei auf steigende Unfallzahlen bei Fahrradfahrern reagieren. Zentrale Rolle spielt dabei das sogenannte Pedelec, ein Fahrrad mit E-Motor. Ein Spexarder Fahrlehrer fordert, dafür Fahrtrainings vorzuschreiben. Er hat zudem einen gravierenden Mangel ausgemacht.

Carsten Borgmeier

Bis zu 25 Stundenkilometer schnell: Wolfgang Koch (66, Verkehrswacht) bemängelt, dass an manchen Pedelecs nur herkömmliche Felgenbremsen verbaut seien. Erst jenseits der 2000-Euro-Klasse kommen Scheibenbremsen zum Einsatz, so Koch. Foto: Carsten Borgmeier

675 Verkehrsunfälle registrierte die Gütersloher Polizei im Jahr 2017 im Kreisgebiet. In mehr als 30 Prozent der Fälle waren Fahrradfahrer beteiligt, 66 davon verunglückten mit einem Pedelec. Tendenz steigend.

Auch habe es in den vergangenen Jahren bereits zwei tödliche Allein-Unfälle von Fahrern solcher elektrisch unterstützter Zweiräder in Ostwestfalen-Lippe gegeben, ergänzt Ellen Haase, pensionierte Hauptkommissarin; einer davon habe sich im Herbst auf nassem Laub in Schloß Holte-Stukenbrock ereignet.

Im Auftrag der Verkehrswacht Bielefeld hat die 60-jährige Gütersloherin 2018 erstmals zwei Pedelec-Fahrsicherheitstrainings geleitet. Die Eindrücke Haases decken sich dabei zu 100 Prozent mit denen von Rainer Niehaus (54), Fahrlehrer an der Bruder-Konrad-Straße 59 in Spexard.

»Sie können nicht richtig losfahren, sie können nicht richtig lenken, und richtig haarig wird es dann beim Bremsen«, berichtet die langjährige Polizistin vom überraschend unsicheren Umgang ihrer Teilnehmer mit den im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrrädern bis zu 15 Kilogramm schwereren Pedelecs. »So schlimm hatte ich es nicht befürchtet«, meint die Gütersloherin, die ein entsprechendes Fahrtraining jetzt für umso wichtig erachtet, und zwar nicht nur für ältere Leute jenseits der 60.

Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest (Berlin) ist nach Angaben ihres zuständigen Projektleiters Nico Langenbeck bereits vor drei Jahren zu Testergebnissen gekommen, die den Vorwurf nicht ausreichend leistungsfähiger Bremsen an einigen Pedelec-Modellen bestätigen.

Auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage schreibt er: »Neben Prophete gibt es einige Anbieter, insbesondere im Einstiegssegment, welche Pedelecs (auch aktuell) mit herkömmlichen Felgenbremsen anbieten. Unser Test von 2016 zeigte, dass einige dieser Räder mit Seilzugbremse die erforderliche Bremswirkung für ihr zulässiges Gesamtgewicht nicht erreichen.«

Auf den konkreten Vorwurf mangelhafter Bremsen war von der in Rheda-Wiedenbrück ansässigen Firma Prophete trotz mehrmaliger Nachfrage keine Antwort zu bekommen. cabo

Rainer Niehaus, seit 30 Jahren Fahrlehrer in Gütersloh und Inhaber der Fahrschule Gerling, meint: »Als Ungeübter mit einem Pedelec am Straßenverkehr teilzunehmen, halte ich für lebensgefährlich.« Der Fahrlehrer, der auch Motorradfahrer ausbildet, fordert daher verpflichtende Kurse. Kritisch sieht er, dass solche Zweiräder ohne fachliche Beratung in immer mehr Baumärkten angeboten werden. Niehaus bemängelt zudem, dass Hersteller wie beispielsweise Prophete aus Rheda-Wiedenbrück Pedelecs im Preissegment bis etwa 1500 Euro anböten, die nur mit herkömmlichen Seilzugbremsen, sogenannten V-Brakes, ausgestattet seien. »Solche Bremsen sind meiner Ansicht nach für die schwereren und schnelleren Pedelecs nicht ausreichend«, sagt der versierte Radsportler. Auch Wolfgang Koch (66) aus dem Vorstand der Gütersloher Verkehrswacht sieht die einfachen Bremsen auf herkömmlichem Fahrrad-Niveau für ein Problem mancher Pedelecs: »Leistungsfähigere Scheibenbremsen und verstärkte Speichenräder gibt es meist erst jenseits von 2000 Euro«, so Koch, der seit vielen Jahren in der Jugend-Verkehrsschule die Fahrradprüfungen von Viertklässlern gemeinsam mit der Polizei betreut. Die Verkehrswacht Gütersloh bietet Fahrsicherheitstrainings für Pedelecs an. Infos unter: 05241/20000.

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