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Polizist führt Motorradtraining für die Verkehrswacht Gütersloh durch

Immer sicher auf zwei Rädern

Gütersloh (WB). Zwei tödlich verunglückte Motorradfahrer sowie bislang 17 Verkehrsunfälle, in die Biker verwickelt waren, finden sich aktuell in der Bilanz der Kreispolizeibehörde Gütersloh. Ein Präventionsinstrument zur Vermeidung von Unfällen ist das Fahr- und Sicherheitstraining für Motorradfahrer der Verkehrswacht Gütersloh.

Gabriele Grund

Polizeihauptkommissar Ulrich Lipperheide (vorne) leitet das Fahr- und Sicherheitstraining für Motorradfahrer. Zehn Teilnehmer sind diesmal gekommen. Foto: Gabriele Grund

Zehn Teilnehmer waren beim jüngsten Training der Einladung gefolgt, um auf dem Gelände der ehemaligen Princess Royal Barracks an der Marienfelder Straße in Gütersloh zu lernen, wie man mögliche Risiken ausbremst oder unfallfrei umfährt.

Unter der Regie von Polizeihauptkommissar Ulrich Lipperheide (großes Foto, vorne), Fahr- und Sicherheitstrainer bei Polizei und Verkehrswacht, lernten die Wiedereinsteiger und Anfänger nicht nur Wissenswertes über physikalische Grenzbereiche bei Beschleunigen und Abbremsen, sondern erprobten mit ihren Maschinen auch Schräglagen sowie Kurvenverhalten.

Risikofreudigkeit, Selbstüberschätzung und mangelnde Fahrpraxis

Dabei machte Ulrich Lipperheide immer wieder deutlich, dass das Händeln von Geschwindigkeit und Maschine und auch vorausschauendes Fahren und ein richtiges Verhalten im Notfall überlebenswichtig sind.

Dabei richtet sich der Appell vor allem an Fahranfänger und Wiedereinsteiger. Denn gerade eine gewisse Risikofreudigkeit und Selbstüberschätzung, aber auch mangelnde Fahrpraxis, sind die Hauptgründe für folgenschwere Unfälle mit meist leistungsstarken Maschinen. Dabei muss jedem Motorradfahrer klar sein, dass Helm, Protektoren und hochwertige Bekleidung wichtig, aber nun mal keine Airbags sind.

»Die Teilnehmer lernen heute das langsame Fahren, Slalom sowie Gefahrenbremsen und Ausweichen auf gerader Fahrbahn sowie in Kurven kennen«, zählte Ulrich Lipperheide die inhaltlichen Schwerpunkte des mehrstündigen Unterrichts auf. 90 Euro kostete die Schulung zur besseren Bewusstseinsbildung für die Biker.

Radarkontrollen sprechen sich schnell herum

Dass solche Trainings effektiver als Blitzaktionen sind, macht auch Peter Richter (Name geändert) deutlich. Der 41-jährige Rechtsanwalt unter anderem für Verkehrsrecht aus Bielefeld fährt seit seinem 18. Lebensjahr Motorrad. Auch er habe schon mehrfach an Fahrtrainings auf dem ehemaligen Flughafen und auch am Nürburgring teilgenommen.

Zudem ist er viele Jahr im Motorradsport aktiv. »Es ist eine unrealistische Wunschvorstellung der Polizei, dass das Geschwindigkeitsniveau durch ständige Blitzaktionen und Kontrollen gesenkt wird, denn kaum sind Radarkontrollen aufgestellt, spricht sich das wie ein Lauffeuer herum. Dann fahren alle an den Kontrollstellen brav lächelnd vorbei, um hundert Meter später wieder Gas zu geben.«

Bunte Flyer reichen nicht

Seiner Ansicht nach sind die Geschwindigkeitsüberwachungen der Polizei reine Geldschneiderei und Quotenerfüllung. »Sicher gibt es auch mal in einem Jahr etwas weniger Verunfallte. Das liegt dann aber nicht an intensiveren Blitzmarathons, sondern am Bewusstsein der Biker. Und genau das gilt es zu erreichen, denn Geldbußen und Führerscheinentzug erfreuen sich mittlerweile belächelter Salonfähigkeit und gelten in der Szene auch noch als cool«, kritisiert der Jurist.

Es reiche nicht, wenn die Polizei jedes Jahr zu Saisonbeginn mit bunten Flyern wedele und Mahntexte veröffentliche. Nach Richters Ansicht müsse der Grundstein für ein angepasstes Verhalten in den Fahrschulen gelegt werden. »Da müsste viel intensiver, notfalls auch mit Unfallfotos, über das Risiko gesprochen werden und Fahrschüler öfter als nach den aktuellen Vorgaben Pylonenstrecken absolvieren.«

Auch jährliche Fahr- und Sicherheitstrainings für Motorradfahrer sollten Pflicht werden. »Auf Freiwilligenbasis bringt das nicht ganz so viel, denn da gehen eh nur jene Biker hin, die sich auch ansonsten im Straßenverkehr richtig und vorausschauend verhalten.«

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