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Wertkreis Gütersloh trennt sich „wegen öffentlicher Debatte“ von Michael Buschsieweke

Impf-Drängler im Altenheim? Geschäftsführer muss gehen

Gütersloh (WB)

Nachdem diese Zeitung vor einer Woche den Fall eines mutmaßlichen Impf-Vordränglers aus Gütersloh öffentlich gemacht hatte, muss der Mann seinen Posten räumen.

Christian Althoff

Im Heim Wiepeldoorn wurden am 30. Dezember auch Unberechtigte geimpft. Foto:

Die Gesellschafter der gemeinnützigen Wertkreis-GmbH Gütersloh teilten mit, sie beendeten ihre Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Michael Buschsieweke „in gegenseitigem Einvernehmen“. Er sei von seinen Aufgaben freigestellt worden.

Michael Buschsieweke Foto: Carsten Borgmeier

Die Wertkreis-gGmbH betreibt im Kreis Gütersloh Pflegeheime und andere Einrichtungen. Am 30. Dezember sollten zum ersten Mal Bewohner und Mitarbeiter des Altenzentrums Wiepeldoorn in Schloß Holte-Stukenbrock geimpft werden. Nach Darstellung der gGmbH hatte man am 26. Dezember 100 Impfdosen bestellt und am 28. Dezember bemerkt, dass das zu viele gewesen seien.

Anstatt Menschen aus der Priorisierungsgruppe I zu suchen, die man zum Impftermin hätte bringen können, wurden unter anderem Geschäftsführer Michael Buschsieweke, die Personalchefin der Wertkreis gGmbH und der Pressesprecher auf die Impfliste gesetzt und geimpft.

Dieses Vorgehen wurde dem Kreis Gütersloh, der 74 Prozent der Anteile an der gGmbH hält, im Nachhinein bekannt. Auch die Vorsitzende des Wertkreis-Aufsichtsrates, Elisabeth Witte aus Rheda-Wiedenbrück, war informiert. „Es wurde aber kein Handlungsbedarf gesehen“, hieß es noch vor gut einer Woche vom Kreis Gütersloh. Da wusste die Öffentlichkeit noch nichts von dem Fall. Nach der Veröffentlichung am vergangenen Montag sollen Mitarbeiter einen anonymen Brief an die Aufsichtsratsvorsitzende geschrieben und Konsequenzen gefordert haben.

Die gab es jetzt. Als Grund für die Trennung von Geschäftsführer Buschsieweke wird allerdings nicht dessen unzulässige Impfung genannt, sondern die Diskussion um den Fall. „Hintergrund des Aufhebungsvertrages ist die interne und öffentliche Debatte um die Corona-Impfung im Altenzentrum Wiepeldoorn“, schreiben die Wertkreis-Gesellschafter, zu denen auch die Lebenshilfe gehört. Und sie versuchen, die Impfung zu rechtfertigen: „Als ausgebildeter Krankenpfleger wollte der Geschäftsführer das Altenheim angesichts krankheitsbedingter Personalengpässe unterstützen.“ Tatsächlich soll er dort aber nie gearbeitet haben.

Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz

Die Aufsichtsratsvorsitzende Elisabeth Witte teilte jetzt mit, Buschsieweke habe als Geschäftsführer dazu beigetragen, dass der Wertkreis über die Region hinaus „einen guten Ruf“ habe. Zu den Impfungen der Personalchefin und des Pressesprechers äußerten sich die Gesellschafter nicht.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagte dieser Zeitung: „Die Impfverordnung wird immer wieder unterlaufen, und die Begründung ist immer gleich: Der überschüssige Impfstoff hätte ansonsten weggeworfen werden müssen. Um das zu verhindern, müssen die Impfzentren und die mobilen Impfteams Wartelisten für alternative Impfberechtigte der gleichen Prioritätsgruppe vorhalten.“ Brysch will auch die Ärzte in die Verantwortung nehmen, die den Impfstoff Unberechtigten spritzen: „Ihnen sollte eine Freiheitsstrafe drohen.“

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