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Gütersloh: Planungsausschuss muss klimapolitische Schicksalsfrage beantworten

Kastanien oder Parkplätze?

Gütersloh (WB). In Australien brennt eine Waldfläche im Ausmaß von Bayern und Baden-Württemberg ab, auf den Philippinen bläst ein Vulkan Schwefeldampf in die Atmosphäre, in Brasilien wird der Urwald hektarweise vernichtet. Und jetzt muss der Gütersloher Planungsausschuss entscheiden: Sollen vor dem Rathaus vier Kastanien gefällt werden, damit dort fünf Parkplätze mehr entstehen?

Stephan Rechlin

Bald beginnen die Bauarbeiten auf der unteren Berliner Straße. Um die Zahl der Parkplätze dort ist im vergangenen Jahr lange und heftig gestritten worden. Die Grünen fragen, ob vier Kastanien fallen müssen, um fünf Parkplätze zu gewinnen. Foto: Wolfgang Wotke

Diese Frage werfen die Grünen auf, die dadurch in einen Rechtfertigungszwang geraten, weil sie der Fällaktion im April 2019 zugestimmt haben. Birgit Niemann-Hollatz begründet den neuen Antrag mit einer neuen Erkenntnis. Damals seien die Grünen davon ausgegangen, dass die Kastanien krank und nicht erhaltenswert seien. Das aber sei gar nicht Fall. Weder seien sie von der Miniermotte befallen noch litten sie unter dem Pseudomonas-Bakterium, das derzeit viele Kastanien absterben lässt. Niemann-Hollatz: „Es geht also um vier kerngesunde Bäume, die fallen sollen, weil wir fünf Parkplätze mehr schaffen wollen.“

Was sagt die SPD? Dr. Thomas Krümpelmann: „Wir stehen zum ausgehandelten Kompromiss.

Was sagt die CDU? Georg Hanneforth: „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir die Kastanien in den kommenden vier, fünf Jahren ohnehin wegen der Krankheiten verlieren werden. Darum stimmen wir dem Vorschlag der Stadt zu, sie jetzt durch hochwertige und dem Klima angepasste neue Bäume zu ersetzen.“

Was sagt die UWG? Norbert Bohlmann: „Wir stehen zum Kompromiss. Doch wenn die Kastanien ersetzt werden, dann bitte nicht wieder durch solche pieseligen Bäume wie die vor der neuen Feuerwache, bei denen man Angst haben muss, dass sie umfallen, wenn ein Dackel ein Bein an ihnen hebt.“

Was sagen die Linken? Manfred Reese: „Lasst die Kastanien doch erst einmal stehen. Wenn sie nach vier oder fünf Jahren tatsächlich absterben sollten, können wir sie ja immer noch ersetzen und die Parkplätze dann mit einem kleinen Eingriff so anlegen, wie wir es ursprünglich wollten.“

Ein Vorschlag, den Tiefbauamtsleiter Alfons Buske kurz widerspricht: „Mit einem kleinen Eingriff wird es nicht getan sein. Wir erneuern ja auch die Entwässerung und die orientiert sich an der Bordsteinkante. Falls wir also in vier oder fünf Jahren etwas korrigieren sollen, reißen wir alles wieder auf.“

Was sagt die BfGT? Norbert Morkes: „Ich verstehe das ökologische Gewissen der Grünen nicht. Da werden durch aktuelle Wohnbauprojekte intakte, großflächige Grünflächen komplett vernichtet und sie schweigen. Wenn es aber um vier Kastanien geht, geraten sie plötzlich Wallung.“ Und? Was ist jetzt? Morkes: „Wir stehen zum Kompromiss.“

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