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Gütersloh

Klinikum Gütersloh will 41,6 Millionen Euro investieren

Gütersloh

Das Klinikum Gütersloh investiert ab dem kommenden Jahr rund 41,6 Millionen Euro in weitere Gebäude und medizinische Ausstattung.

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In der fast vierjährigen Bauzeit entstehen ein neuer Zentral-OP mit neun OP-Sälen, eine neue operative Intensivstation mit elf Betten sowie eine neue Verwaltung.

Gesellschafterdarlehen soll aufgestockt werden

Das Klinikum hat deswegen eine Aufstockung des Gesellschafterdarlehens um 25,94 Millionen Euro auf insgesamt 38,5 Millionen Euro beim Gesellschafter, die Stadt Gütersloh, angefragt. Am Freitag, 8. Oktober, entscheidet der Rat darüber. 

„Wir arbeiten teilweise in Gebäuden, die noch aus der Gründungszeit des Klinikums stammen. Diese Bausubstanz ist mittlerweile so alt, dass wir ständig renovieren und modernisieren müssen, ohne damit Strukturen verbessern zu können“, sagt Maud Beste, Geschäftsführerin des Klinikums. 

„Käme Operation am offenen Herzen gleich“

Zunächst habe man nur mit einer Sanierung und Restrukturierung des Zentral-OPs im Bestand sowie einer Erweiterung um zwei Operationssäle auf neun OPs geplant. Doch im Laufe der Planung, die seit 2018 läuft, sei allen Beteiligten klargeworden, dass eine kleinteilige Renovierung und Sanierung im Bestand einer Operation am offenen Herzen gleich käme und im Endeffekt mit sehr hohen Kostenrisiken verbunden gewesen wäre. 

Engpass in der Versorgungskapazität

Zudem wurde die zu geringe Ausstattung mit Intensivbetten im Laufe der Jahre zu einem zunehmenden Engpass für die Versorgungskapazität im Klinikum und im Kreis Gütersloh. „Wir haben deswegen unsere Planung noch einmal überdacht und ein neues Konzept erarbeitet“, so Beste weiter. 

Pandemie hat Probleme aufgezeigt

Wie dringend notwendig neue OP-Säle und die Erhöhung der Intensivbettenkapazitäten ist, habe man in der Corona-Pandemie gesehen. Im Regierungsbezirk Detmold gebe es in anderen Landkreisen durchschnittlich 30 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner. Im Kreis Gütersloh seien es 15 Intensivbetten pro 100.000 Einwohner. 

Verwaltung wird als Erstes abgerissen

„Wir decken mit unserem Vorhaben einen konkreten Bedarf ab und sichern eine Versorgungslücke ab“, sagt Maud Beste. So wird zunächst die Verwaltung an der Virchowstraße – ein Gebäude aus den 1950er-Jahren – abgerissen. Danach wird an den bisherigen OP-Trakt auf einer Grundfläche von rund 1200 Quadratmetern ein zweigeschossiger Anbau mit neuer Lüftungs- und Klimatechnik errichtet. 

OP-Trakt wird umgebaut

Nach der Fertigstellung wird der bisherige OP-Trakt umgebaut und saniert. So entsteht ein komplett neuer Zentral-OP-Bereich, dem eine neue operative Intensivstation mit elf Betten, überwiegend mit Hygieneschleusen ausgestattet, angeschlossen ist. 

29 Intensivbetten sind der Plan

Insgesamt verfüge das Gütersloher Klinikum dann über 29 Intensivbetten, heißt es in der Mitteilung weiter. Die neue Verwaltung soll zweigeschossig an der Brunnenstraße auf einem Grundstück des Klinikums entstehen.

„Starkes Bekenntnis der Politik“

Die Investition soll über einen Kredit der Sparkasse Gütersloh und ein Gesellschafterdarlehen der Stadt finanziert werden. Der Finanzausschuss hatte in seiner jüngsten Sitzung eine Beschlussempfehlung ausgesprochen. „Das ist ein sehr starkes Bekenntnis der Politik sowie der Stadtverwaltung für das Klinikum. Wir sind unserem Träger dafür unendlich dankbar“, sagt Maud Beste. 

„Investition in Klinikum ist Investition in Zukunft der Region“

Es habe sich in den vergangenen Jahren und insbesondere in der Corona-Zeit deutlich gezeigt, wie wichtig eine professionelle medizinische Versorgung für Gütersloh und die Umgebung sei. Eine Investition in das Klinikum sei auch eine Investition in die Zukunft und in die Gesundheitsregion Gütersloh. 

„Solider Finanzierungsplan“

„Wir haben einen soliden Finanzierungsplan aufgestellt und können unserem städtischen Gesellschafter die Kapitaldienstfähigkeit bieten. Aber aufgrund der fehlenden Investitionsfördermittel des Landes NRW hätten wir eine solche Bausumme nicht stemmen können“, erläutert Beste. Die jährlichen Fördermittel seien zwar hilfreich für die Finanzierung von Zinsen und Tilgung. Sie reichten aber nicht zur Finanzierung von Großprojekten aus. Und dies gelte trotz der Tatsache, dass das Klinikum im Jahr 2020 einen Überschuss von mehr als zwei Millionen Euro erwirtschaftet habe.

„Es duldet keinen weiteren Aufschub“

„Die Notwendigkeit dieser Investition wird einhellig gesehen und duldet keinen weiteren Aufschub. Die Finanzierung über ein Trägerdarlehen ist alternativlos“, sagt die Erste Beigeordnete und Stadtkämmerin Christine Lang. „Das Klinikum leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur stationären Gesundheitsversorgung im Kreis Gütersloh und wird aus dem anstehenden Prozess der Landeskrankenhausplanung eher gestärkt hervorgehen. Insoweit rechnen wir nicht mit einem relevanten Ausfallrisiko.“ 

Kritik am Kreis Gütersloh

Gleichwohl sei es bedauerlich, dass der Kreis Gütersloh die Stadt allein lasse, obwohl die Patienten zu etwa 50 Prozent nicht aus dem Stadtgebiet kämen. Dies könne auf Dauer nicht so bleiben.

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