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Gütersloh

Klinikum setzt kleinsten Schrittmacher der Welt ein

Gütersloh (gl)

Ein Ärzteteam des Gütersloher Klinikums hat bei einem Patienten zum ersten Mal den kleinsten Herzschrittmacher der Welt eingesetzt.  

Das Ärzteteam des Gütersloher Klinikums hat erstmals den kleinsten Herz-Schrittmacher der Welt implantiert: (v. l.) Pflegerische Leitung des Herzkatheterlabors, Anke Bertram, Professor Dr. Fikret Er, Oberarzt Endrik Wolff, und die leitende Oberärztin Dr. Dilek Yüksel vor dem Klinikum.

Gütersloh (gl) - Die Kardiokapsel Micra ist der kleinste Herzschrittmacher der Welt und besonders für Problem-Patienten eine große Hoffnung. Der aktuell kleinste Herzschrittmacher der Welt ist laut einer Mitteilung des Klinikums nicht größer als eine Vitaminkapsel und damit gut 90 Prozent kleiner als herkömmliche Modelle.

Keine OP-Narben

Die Herzspezialisten am Klinikum Gütersloh können den neuen Mini-Herzschrittmacher über die Leiste in den Körper einbringen, die Operation hinterlässt keine OP-Narben. 

Aber das sei noch gar nicht das Wichtigste, erklärt Prof. Dr. Fikret Er, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Kardiologie, Rhythmologie und Intensivmedizin am Klinikum Gütersloh: „Noch wichtiger ist, dass dieser Herzschrittmacher keine Elektroden zum Herzen, also keine Kabel benötigt. Das senkt das Risiko für Komplikationen und Infektionen enorm.“ 

Verzicht auf Kabel

Der Patient, bei dem die Operateure in dieser Woche den ersten Mini-Herzschrittmacher installiert haben, hatte dauerhaft einen zu niedrigen Puls und gleichzeitig eine Herzklappe, die nicht richtig schließt. „Eine Elektrode zum Herzen würde die Funktionsweise der Herzklappe zusätzlich stören, deshalb ist es von großem Vorteil, dass wir in diesem Fall auf Kabel verzichten können“, so Fikret Er. 

Kabellose Schrittmacher sind besonders für Patienten, die keinen geeigneten Venen-Zugang für einen herkömmlichen Herz-Schrittmacher oder ein erhöhtes Infektionsrisiko haben, eine zusätzliche Option. Die Operateure schieben den Mini-Herzschrittmacher von der Leiste aus über einen Venenkatheter bis zur Herzkammer vor. Kleine Fangarme halten den neuen Taktgeber an der Herzinnenwand. 

Eingriff dauert 45 Minuten

Sobald der Schrittmacher das Herz wie gewünscht stimuliert und die Herzaktion des Patienten erkennt, wird er endgültig vom Katheter abgelöst und arbeitet eigenständig. „Der Eingriff dauert nicht länger als eine Dreiviertelstunde“, so der rhythmologische Oberarzt Endrik Wolff. 

Wie bisherige Geräte kann auch der neue Mini-Schrittmacher von außen gesteuert werden. Seine Batterie hält etwa zehn bis zwölf Jahre, das entspricht der Lebensdauer bisheriger Modelle. Die Kosten für die Operation werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Der erste Herzschrittmacher wurde 1959 implantiert, heute bekommen jährlich mehr als eine Million Menschen einen Herzschrittmacher.

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