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Elisabeth-Hospital soll 100.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Knochenbruch übersehen

Gütersloh(WB). Schadenersatz in Höhe von 100.000 Euro hat das Landgericht Bielefeld im Streit zwischen einem Patienten (23) und dem Gütersloher Sankt-Elisabeth-Hospital empfohlen. In der Notaufnahme war ein Oberschenkelhalsbruch des Unfallopfers übersehen worden. Ein Gutachter sprach von einem »schwarzen, traurigen Kapitel ärztlicher Heilkunst«.

Uwe Koch

Im Gütersloher Sankt-Elisabeth-Hospital war der Oberschenkelhalsbruch des 17-Jährigen zunächst übersehen worden. Foto: Wolfgang Wotke

Der Fall ist bereits sechs Jahre alt, wurde jetzt von der Medizin-Kammer des Landgerichts verhandelt. Der damals 17-jährige Schüler stürzte am 7. Dezember 2010 während einer Radtour in Gütersloh auf eisigem Untergrund. Der Schüler: »Ich hatte auf der gesamten linken Seite Schmerzen. Ich konnte nicht ohne fremde Hilfe aufstehen oder gehen.« Mit einem Rettungswagen wurde er ins Elisabeth-Hospital gefahren, bekam noch unterwegs Schmerzmittel. Im Krankenhaus wurde er auf einer Trage zur Behandlung in die Notaufnahme gefahren.

Nur das Kniegelenk geröntgt

Dort konzentrierte sich die Aufmerksamkeit eines Notarztes indes nur auf das linke Kniegelenk, da der Jugendliche dort vor allem Schmerzen verspürte. »Ein Fehler«, wie jetzt der renommierte Neusser Orthopäde Professor Dr. Jörg Jerosch als Gutachter vor dem Landgericht Bielefeld kritisierte.

Tatsächlich wurde lediglich das Kniegelenk des jungen Mannes geröntgt. Der 17-Jährige wurde mit der Diagnose auf eine »Knieprellung« entlassen. Der Hausarzt solle die weitere Versorgung vornehmen, denn »das sei nicht so schlimm«. Das hatte fatale Folgen: Das Unfallopfer war »bis Ende Januar bettlägerig. Ich hatte unglaubliche Schmerzen.«

Erst im April 2011 wurde ein Oberschenkelhalsbruch des linken Beines als Ursache der Schmerzen entdeckt. Im November musste dem jungen Gütersloher ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden. Der heute 23-jährige Mann kann sich jetzt nur noch humpelnd fortbewegen. An Sport ist gar nicht zu denken. Dr. Jörg Jerosch prognostizierte ihm in vermutlich »15 bis 20 Jahren« eine weitere Hüftprothese. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er auf einen Rollstuhl angewiesen sei, sollte es nach einer Folgeoperation »zu einer Infektion kommen«.

Kläger forderte 60.000 Euro

Der Gütersloher klagte nun vor dem Landgericht auf Zahlung von 60.000 Euro. Er stützte sich dabei auf die Expertise einer dem Prozess vorgeschalteten Gutachterkommission. Dort sprach der Sachverständige sogar von einem »schwarzen, traurigen Kapitel ärztlicher Heilkunst« in dem Krankenhaus.

Professor Dr. Jörg Jerosch wurde nun noch deutlicher: Das Unfallopfer habe damals kaum die Schmerzen lokalisieren können, da das im Rettungswagen gereichte Schmerzmittel »die Symptome verschleiert« habe. Angesichts der beklagten Knieschmerzen hätte der Arzt hellhörig werden müssen. Dr. Jerosch: »Jugendliche klagen häufig über Schmerzen des Knies, wenn die Hüfte betroffen ist.« Daher wäre ein »Body-Check erforderlich gewesen«, die »oberen Extremitäten«, also Wirbelsäule und eventuell auch die Schulter, hätten untersucht werden müssen. »Dann wäre die Fraktur entdeckt worden, eine Hüftoperation hätte vermieden werden können.«

Das Gericht regte einen Vergleich mit einer Zahlung von 100.000 Euro an. So habe das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem ähnlichen Fall entschieden. Die Parteien wollen den Vergleich nun außergerichtlich klären. Az. 4 O 470/13

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