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Anonyme Vorwürfe gegen Wurstfabrik

Kontrolleure überlistet?

Gütersloh (WB). Im Fall der Anzeige gegen einen Wursthersteller aus dem Kreis Gütersloh hat der anonyme Hinweisgeber die Kontrolleure der Kreisverwaltung in Schutz genommen. Sinngemäß schreibt er in seinem Brief an Behörden und Kunden, die Mitarbeiter des Veterinäramts hätten keine Chance gehabt, die Unregelmäßigkeiten zu entdecken.

Christian Althoff

Das NRW-Verbraucherministerium und der Kreis Gütersloh gehen nach einer anonymen Anzeige Hinweisen auf mangelnde Hygiene und Unregelmäßigkeiten in einer Wurstfabrik nach. Foto:

Wie am Samstag berichtet, hatte ein Unbekannter ein Dossier mit Vorwürfen und Namen mutmaßlich Verantwortlicher an Behörden und Kunden verschickt, außerdem einen USB-Stick mit Videos, die unhygienische Fleischverarbeitung zeigen. „Wann und wo die Videos entstanden sind, ist noch nicht geklärt“, sagt Christian Fronczak, Sprecher im NRW-Umweltministerium. Man nehme die Vorwürfe aber sehr ernst.

In den von dem Hinweisgeber übermittelten Unterlagen findet sich auch der Ausdruck einer E-Mail. Die Empfängerliste ist lang, die Adressen lassen auf Mitarbeiter des Unternehmens schließen. Der Text lautet: „Achtung, wir bekommen gerade Besuch...“ Die Mail soll am Tag einer Kontrolle durch das Veterinäramt von einer Mitarbeiterin des Wurstherstellers verschickt worden sein.

Unternehmen soll auf Kontrollen vorbereitet gewesen sein

Nach Angaben des Hinweisgebers soll man im Unternehmen auf Kontrollen vorbereitet gewesen sein. Um das Umetikettieren abgelaufener Ware zu verschleiern, seien Dateien in der Buchführung geändert worden. Und Dinge, die die Kontrolleure nicht hätten sehen sollen, seien in einen Raum gebracht worden, dessen Tür dann mit Containern zugestellt worden sei. So soll auch Transglutaminase vor den Kontrolleuren versteckt worden sein – ein zugelassener Klebstoff, mit dem man etwa Brühwürstchen bissfester oder Fleischstückchen zu Kochschinken zusammenkleben kann.

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) ist dieser Klebstoff kein Verarbeitungshilfsstoff, sondern ein Zusatzstoff. Deshalb müsse er auf der Verpackung genannt werden. Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht sind allerdings kaum nachzuweisen: Die Lebensmittelüberwachung verfügt nach Angaben des LAVES „über kein Nachweisverfahren für Transglutaminase“.

Firma soll muslimische Abnehmer getäuscht haben

Der Kreis Gütersloh hatte das Unternehmen am 29. November, einen Tag nach Eingang der Anzeige, überprüft und dabei auch ein Kilogramm Transglutaminase entdeckt. Nach Angaben eines Branchenkenners reicht die Menge, um ein bis zwei Tonnen Brühwürstchen bissfester zu machen.

Die Firma soll, so der Hinweisgeber, auch muslimische Abnehmer getäuscht haben, die halale Ware bestellt hatten. Konkret werden zwei Vertriebsgesellschaften genannt. Wenn sich Auditoren angekündigt hätten, um sich die „halale Produktion“ anzusehen, sei der Betriebsablauf für diesen Tag geändert worden.

Der Geschäftsführer der Firma weist alle Vorwürfe zurück und spricht von Verleumdung und Unwahrheiten. “Es gibt keine Anhaltspunkte, die einen Betriebsstopp erforderlich machen würden.“

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