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Gütersloher Unternehmen Hagedorn setzt in Lünen 420 Kilo Sprengstoff ein

Kraftwerk erfolgreich gesprengt

Lünen/Gütersloh (...

Mit 420 Kilo Sprengstoff ist am Sonntagvormittag ein riesiger Schornstein, ein Kühlturm und ein Kesselhaus des einstigen Steag-Kraftwerks in Lünen dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Sprengung in die Wege geleitet hatten die Experten des Gütersloher Abbruchunternehmens Hagedorn.

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Bei der ersten von zwei Sprengungen fällt der 250 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Steag-Kraftwerks in sich zusammen. Foto: Guido Kirchner/dpa

250 Meter ragte der Schornstein in die Höhe, daneben der 110 Meter hohe Kühlturm: Doch nach diesem Sonntag ist dieser Blick auf das ehemalige Steag-Kraftwerk in Lünen Geschichte. Zwei Jahre nach seiner Stilllegung ist der Meiler gesprengt worden.

Dabei verlief nach Angaben der Abbruchfirma Hagedorn alles nach Plan. Zunächst war der 250 Meter hohe Schornstein in einer sogenannten Faltung zu Fall gebracht worden. Dabei knickten wie vorgesehen der gemauerte obere Teil nach Westen, der untere Teil nach Osten ein. Nur wenige Minuten nach dem Schornstein waren das Kesselhaus und der Kühlturm gesprengt worden.

Bei der zweiten von zwei Sprengungen fällt zuerst das Kesselhaus (rechts) und dann der 110 Meter hohe Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks in sich zusammen. Foto: Guido Kirchner/dpa

Die Vorbereitungen auf das explosive Ende des Steinkohlekraftwerks liefen bereits seit Dezember. Die Sprengexperten der Abbruchfirma Hagedorn hatten insgesamt 2100 Bohrungen gemacht. 420 Kilogramm Sprengstoff wurden in die Löcher gefüllt. Besonders herausfordernd sei es, den bis zu 40 Millimeter dicken Stahl der Kraftwerkskonstruktion zu durchtrennen, sagte Sprengmeister André Schewcow laut Mitteilung.

Der Standort in Lünen war bis zur Stilllegung 2018 das älteste Kraftwerk des Energieerzeugers Steag GmbH und hat früher unter anderem Bahnstrom produziert. Verlust von Arbeitsplätzen einerseits, ein weiterer sichtbarer Schritt für den Strukturwandel und die Energiewende andererseits: Für viele Menschen in der Region sei das Verschwinden der Landmarken emotional behaftet, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens Hagedorn, das das 37 Hektar große Kraftwerksareal Ende 2019 erworben hatte und nun für die Ansiedlung neuer Unternehmen aufarbeiten will.

Per Internet übertragen

Weil in der Corona-Pandemie keine Menschenansammlungen und somit kein kollektives Mitverfolgen der Sprengung vor Ort möglich sei, hatte Hagedorn die Sprengung per Internet-Livestream übertragen.

Auch die Stadt Lünen hatte die Menschen angesichts der hohen Corona-Infektionsraten gebeten, das Spektakel vor dem Bildschirm zu verfolgen. Zum Zeitpunkt der Sprengung war rund um das Kraftwerksgelände zudem ein Sperrbereich von bis zu 800 Metern errichtet worden, in dem Anwohner ihre Häuser verlassen mussten und Straßen abgeriegelt wurden.

Vor knapp zwei Jahren hatte das Gütersloher Unternehmen gut 200 Kilogramm Sprengstoff eingesetzt, um an der Stadtgrenze zwischen Castrop-Rauxel und Dortmund ein stillgelegtes Kraftwerk zu sprengen. Und auch in der Region ist das Unternehmen oft im Einsatz, um große Abbrucharbeiten zu erledigen.

So sah das Steag-Kraftwerk vor der Sprengung aus: Schornstein, Kühlturm und Kesselhaus sind am Sonntag zu Fall gebracht worden. Foto: Bernd Thissen/dpa
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