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Starkes Bachchor-Konzert – Dirigent hält nur dank Gymnastik durch

Künstler wie Popstars gefeiert

Gütersloh (WB). Claudio Monteverdis „Marienvesper 1610“, ohnehin eine anspruchsvolle Prüfung für Chor, Orchester und Solisten, enthält einen besonders kniffligen Teil: die Sonata sopra „Sancta Maria“ – fünf Sopranistinnen müssen ein Thema zwölf Mal unterschiedlich vortragen. „Das ist eine echte Herausforderung für alle,“ sagt Dirigent Sigmund Bothmann mit großem Respekt.

Uwe Caspar

Perfekte Aufführung: Die Sänger des Bachchors fügen sich in das Konzert nahtlos ein. Dirigent Sigmund Bothmann lobt: „Fehlerlos!“ Foto: Uwe Caspar

Doch der Bachchor und seine instrumentalen Begleiter nehmen beim Weihnachtskonzert in der rappelvollen Martin-Luther-Kirche auch diese hohe Hürde pro­blemlos. „Rhythmus und Takt haben gepasst. Ich habe keinen Fehler gehört“, ist Bothmann voll des Lobes. Später werden alle Künstler der Klassik, die vorher nur zweimal zusammen geprobt haben, von den rund 600 begeisterten Besucher wie Popstars gefeiert. Viele Blumensträuße sind abschließend symbolischer Lohn für ein beeindruckendes Konzert.

Zwei Stunden Schwerstarbeit

Auch Siegmund Bothmann hat zum Gelingen wesentlich beigetragen. Fast zwei Stunden lang – eine Pause gibt es bei solchen Aufführungen nicht – verrichtet der Frontmann, der Sänger und Solisten zu einer Einheit zusammenschweißt, mit rudernden Armen und fuchtelnden Fingern gymnastische Schwerstarbeit. „Das ist anstrengende körperliche und geistige Arbeit zugleich“, beschreibt der 55-Jährige seine verantwortungsvolle Aufgabe. Er habe aber keinen Muskelkater, versichert der Chorleiter am Tag danach schmunzelnd. Noch mehr körperlich gefordert wird Bothmann bei der Matthäus-Passion, die sich über drei Stunden erstreckt. „Ich mache regelmäßig Gymnastik, sonst würde ich das kaum durchhalten“, verrät Bothmann sein privates Fitness-Programm.

Da haben es zwei sitzende Musiker etwas einfacher: Die aus Köln angereisten Klaus Mader und Yamato Hasumi unterstützen die Aufführung mit ihrer 14-saitigen Chitarrone – die mittelalterliche Laute mit extrem langem Hals gilt als Vorläufer der Gitarre. Mader, der seit 20 Jahren die federleichte Chitarrone (Preis: rund 7000 Euro) zupft, besitzt zwölf Lauten verschiedenster Bauart. Obwohl er und Kollege Hasumi in der ersten Reihe sitzen, bewegen sie sich musikalisch im Hintergrund. Sigmund Bothmann hält die Chitarrone-Zupfer trotzdem für wichtig: „Denn sie bringen bestimmte Farben ins Spiel.“ Klaus Mader scheint ein ausgeprägtes Gehör zu haben: „Bei den Schlussakkorden hat mich das Klingeln eines Handys gestört.“ Davon hat Bothmann nichts mitbekommen. Ihn freut’s vor allem, dass Tenor Kieran Carrel, Profi bei der Bonner Oper und ein gebürtiger Gütersloher, mitgeschmettert hat. „Kieran ist ein Bachchor-Eigengewächs“, merkt der Chorchef voller Stolz an.

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