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Mit dem Ackerschlepper zum Marktplatz – zu Fuß in die Gütersloher Innenstadt – mit Video

Landwirte suchen das Gespräch

Gütersloh (WB). Traktoren-Parade auf dem Gütersloher Marktplatz: Mehr als 150 Landwirte aus den Kreisen Paderborn und Gütersloh haben sich am Freitagmittag an der neuen Feuer- und Rettungswache getroffen, um in der Fußgängerzone das Gespräch mit den Verbrauchern zu suchen.

Carsten Borgmeier

Die Landwirte Marco Diekmann (48, von links), Marius Redecker (25) und Patrick Witte (28) aus Rheda-Wiedenbrück und Brockhagen sind mit ihren Traktoren nach Gütersloh gefahren, um mit Verbrauchern ins Gespräch zu kommen. Dabei verteilen sie Blühmischungen für mehr Biodiversität. Foto: Carsten Borgmeier

Mit ihrer imposanten Kolonne aus Ackerschleppern, die von der Polizei zum Marktplatz eskortiert wurde, war den Landwirten eine erste Aufmerksamkeit sicher: „Sorry, aber sonst werden wir nicht gehört“, war auf einem großen Schild zu lesen, das an der Front einer der riesigen Ackerschlepper befestigt war und den PS-starken Auftritt zu rechtfertigen versuchte.

„Wir wollen, dass man mit uns spricht, und nicht über uns“, begründete Tobias Kleibaumhüter (31) aus Rietberg die Aktion, die er mit René Masjosthusmann (31) aus Verl erstmals organisierte. Die beiden Landwirte sind Mitstreiter der bundesweiten Initiative „Land schafft Verbindung“, die sich insgesamt für ein besseres Image der Bauern stark macht.

1000 Tütchen mit Blühmischungen hatten die Gütersloher und Paderborner Landwirte dabei, die sie den Bürgern übergaben und so mit ihnen in Kontakt traten. „Wir haben nichts zu verbergen und beantworten gern alle Fragen, die uns zu unserer Arbeit gestellt werden“, so Masjosthusmann.

Der 31-Jährige fügte an: „Wir produzieren Fleisch, Milch, Gemüse zu immer niedrigeren Preisen, aber wir wollen von unserem Beruf auch leben können.“

Auch Carsten Ehrhardt (24), Nils Möhring (19), Sebastian Klockenkämper (36) und Denise Staba (30) beteiligten sich am Freitag an der Aktion. Die vier Landwirte waren deshalb extra aus dem Kreis Paderborn gekommen. „Wir praktizieren eine faire und nachhaltige Landwirtschaft, aber unter dem Strich bleibt immer weniger übrig“, hieß es aus der Gruppe, „die Menschen fordern zwar Tierwohl, sind aber nicht bereit, höhere Preise für Lebensmittel zu bezahlen.“

Am Ende muss auch was übrig bleiben

Auch Andreas Westermeyer (54), Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, war zugegen. Er meinte: „Wir Bauern stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel, für eine klimaschonende Landwirtschaft und Tierwohl in unseren Ställen. Bereits heute gibt es in unserem Land zahlreiche Aktivitäten und Kooperationen, um Tierwohl sowie Artenschutz nachhaltig und wissenschaftlich basiert weiterzuentwickeln und zu stärken. Wir Landwirte können das und wollen das!“

Der Verler weiter: „Machbar ist dies nur unter sinnvoller Abwägung von Ökonomie, Ökologie sowie unter Berücksichtigung der sozialen Strukturen. Diesen Weg kann man nur miteinander beschreiten, nicht gegeneinander!“

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