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Gütersloher Unternehmer Marco Diekmann baut neue Schule in Benin

»Man kann gar nicht anders als helfen«

Gütersloh/Dovota (WB). Es ist ein einfaches Dorf, der Weg dorthin ist staubig, die Wildnis karg. Die Kinder laufen bis zu zwei Stunden, um ihre Schule in Dovota zu erreichen. Und sie stehen schließlich vor einer Hütte aus Sträuchern mit einem Dach aus Wellblech. Kein Strom, kein fließend Wasser. Das geht besser, hat sich Marco Diekmann gedacht – und eine neue Schule gebaut.

Elke Westerwalbesloh

Das hüttenähnliche Gebilde im Hintergrund aus Sträuchern und einem Wellblechdach ist bis dato die Schule der afrikanischen Kinder gewesen. Zur Regenzeit konnte kein Unterricht stattfinden. Die Kinder sind froh, nun eine richtige Schule zu haben – dank Marco Diekmann (links inmitten der Kinder) und André Quakernack (rechts). Foto: Diekmann

Eine Schule, die aus Steinen gemauert wird, die ein festes Dach hat und auch in der Regenzeit nutzbar ist. Bereits 2018 ist er mit seinem Freund André Quakernack und dem Bürgerkomitee Steinhagen um Heike Kunter nach Benin ins Dorf Dovota gereist. Der 42-jährige Geschäftsführer der Firma Birkholz Elektrotechnik wollte sich erstmal selbst einen Eindruck verschaffen, bevor er Geld in die Hand nimmt und auf die Suche nach Sponsoren für die neue Schule geht.

»Es war schlimmer, als ich es erwartet habe«, berichtet Diekmann, dass ihn die Eindrücke nachdenklich gemacht haben. Okay, es ist eines der ärmsten Länder der Welt, doch »wer die mangelernährten Kinder sieht, mit Fliegen im Gesicht und eigentlich nur dazu geboren, um auf dem Feld zu arbeiten, der kann gar nicht anders als helfen,« berichtet er.

Mündlicher Vertrag

Die Sache war klar: Mit Hilfe von Professor Mensah Tokponto, der früher an der Universität Bielefeld gelehrt hat und nun in Benin lebt, wurde mit dem Chef des Dorfes ein mündlicher Vertrag geschlossen. Dieser Vertrag verpflichtet die Dorfgemeinschaft dazu, ein Grundstück zu stellen, das Fundament zu schaffen und das Gebäude nach Fertigstellung nachhaltig zu pflegen, weiß Diekmann.

»Wir leisten vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe«, erklärt er. Es macht für ihn keinen Sinn, einfach Geld zu geben und die Bürger in Dovota machen zu lassen. »Es gab einen Bauleiter vor Ort, und so ging es zügig voran«, sagt Diekmann. Als er nun zum zweiten Mal in Dovota angekommen ist, konnte die Schule eingeweiht werden – das war vor einer Woche. Auch für die Schulbänke haben er und sein Freund Quaker­nack sowie das Bürgerkomitee gesorgt. Mit der Hilfe von Spenden konnten sie 100 Holzbänke in Dovota fertigen lassen, die jetzt bereits in der Schule stehen.

»Bessere Infrastruktur« nötig

Die Menschen dort seien so dankbar, gastfreundlich und offen, berichtet er. Für ihn persönlich habe der Begriff Migration einen völlig neuen Anstrich bekommen, erzählt der 42-Jährige. »Die Menschen dort in Westafrika wollen nicht hier nach Deutschland, um ein besseres Leben zu haben. Sie wollen ihre Kultur und ihr Leben vor Ort behalten, aber sie brauchen Unterstützung, um in ihrem Land eine bessere Infrastruktur aufzubauen«, spricht er über seine Erfahrungen.

Die Mittelschule in Dovota, vergleichbar mit einer deutschen Realschule, läuft nun schon. Jetzt möchte er eine Grundschule in Dekanme bauen. »Jeder, der hilft, kann sich sicher sein, dass das gespendete Geld eins zu eins in die Schule fließt«, versichert er. Im nächsten Winter steigt er in den Flieger – und hat hoffentlich ausreichend Spendengelder im Gepäck.

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