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»Der Prediger«: Regisseur Christian Schäfer und Ensemble stecken mitten in den Proben

»Manchmal klopft es von nebenan«

Gütersloh (WB). Im Theater ist für wochenlange Proben kein Platz. Und im Kolping-Berufskolleg klopft es hin und wieder mal von nebenan.

Carsten Borgmeier

»Dieser moderne Kram ist nichts für Dich«, herrscht der Prediger Volker Heinrich seine singende Tochter Elisabeth an und kappt das Mikro vom Stromanschluss. Foto: Carsten Borgmeier

Regisseur Christian Schäfer und sein Ensemble nehmen es mit Humor, wenn mal ein Azubi versehentlich in die Proben stolpert. Seit vier Wochen bereiten sich dort an der Osningstraße die Akteure des Stücks »Der Prediger« in leer stehenden Räumen auf die Premiere im Theater am Samstag, 14. September, um 19.30 Uhr vor.

Von den insgesamt 30 Szenen sind nach Angaben Schäfers schon gut 26 eingespielt. In dem Stück, einer weiteren Eigenproduktion des 43-Jährigen, geht es um den radikalen Prediger Volker Heinrich, dargestellt von Schauspieler Andreas Ksienzyk (59) aus Dortmund. Der evangelische Gottesmann predigt dabei so radikal, dass er am Ende Kirche und Kanzel verliert.

Christian Schäfer, Künstlerischer Leiter des Gütersloher Theaters, spielt dabei auf Johann Heinrich Volkening (1796 bis 1877) an, der Anfang des 19. Jahrhunderts als Pastor in der Apostelkirche zu Gütersloh wirkte; eben dort erwarb sich Volkening durch seine Predigten einen »Ruf wie Donnerhall«. Er gilt seither als zentrale Figur der pietistischen Erweckungsbewegung, die Gütersloh den Beinamen »Klein-Nazareth« einbrockte.

Regisseur Schäfer holt mit seiner Produktion das Thema in die Gegenwart: Am Donnerstag sah das Drehbuch »einen Blick in die gute Stube« des Predigers vor. Volker Heinrich, inzwischen arbeitsloser Gottesmann, muss sich daheim mit dem Familienleben auseinandersetzen.

Mit der Situation zu Hause überfordert

Seine Tochter Elisabeth, gerade im wilden Teenie-Alter und dargestellt von Miriam Berger (34), bringt ihn an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Während der Prediger es auch zu Hause nicht unterlassen kann, Gottes Wort zu verbreiten, sucht das Töchterlein Zerstreuung am Smartphone.

»Ihr solltest das Tempo unbedingt beibehalten, eventuell noch steigern«, rät Christian Schäfer den beiden Akteuren in der Probenpause. Der Prediger solle noch mehr auf die Komik achten, »die darf nicht zu kurz kommen«, meint der Regisseur.

Prediger lässt auch am Küchentisch das Predigen nicht

Mit am Tisch sitzt auch Kostümbildnerin Anna Barthold-Torpai (39), die ebenso aufmerksam wie Schäfer, Christiane Hagedorn (51, spielt Heinrichs Ehefrau Margot) und Sophia Ramforth (20, absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr im Theater) die Szenen beobachtet.

Das Stück wird von Samstag, 14. September, an auf der sogenannten Hinterbühne des Theaters zu sehen sein.

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