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Ausstellung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

Maritime Atmosphäre im »Hafen-Museum«

Gütersloh (WB). Als im September 1860 vor dem gefürchteten Borkum-Riff ein Frachtschiff in den Fluten versinkt, gibt es keine Hilfe von den Insulanern. Im Gegenteil: Die Strandpiraten plündern schamlos die angeschwemmten Kisten und verscharren die Toten würdelos in den Dünen.

Uwe Caspar

Umgeben von maritimen Ausstellungstücken (von links): Holger Stucke, Hermann Schürmann (beide vertreten die DGzRS), Matthias Trepper und Museumsleiter Dr. Rolf Westheider. Foto: Uwe Caspar

Ein Zeitzeuge beobachtet diese Vorgänge und prangert sie dann öffentlich an. Das ruft den gebürtigen Gütersloher Navigationslehrer Adolph Bermpohl auf den Plan: Der Wahl-Bremer gilt als einer der Wegbereiter der genau vor 150 Jahren gegründeten Deutschen Gesellschaft  zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Seitdem haben die Seehelfer in Not 81.000 Menschen gerettet.

Aus Anlass des Jubiläums gibt es nun eine bis September dauernde Ausstellung  auch im Stadtmuseum zu sehen und zu bestaunen. »Herzlich willkommen im sicheren Hafen von Gütersloh«, so begrüßt gestern Museumsleiter Dr. Rolf Westheider schmunzelnd seine  Gäste.

Landratten auf hoher See

Unter ihnen befindet sich der stellvertretende Bürgermeister und Geschäftsführer des Heimatvereins Matthias Trepper. Mit einem zünftigen »Moin, Moin« eröffnet er das maritime Event. Zuvor lief die Ausstellung an 40 Tagen im Bremer Rathaus und lockte 40.000 Besucher an. Aus Platzgründen sind im hiesigen Museum nur ein Fünftel aller Ausstellungsstücke untergebracht. Unter anderem Schiffsmodelle, Bilder  und historisches Rettungsgerät.

Doch was verbindet die heimischen »Landratten«  mit der Seefahrt? Nicht nur Adolph Bermpohl, meint Rolf Westheider und zählt einige Berührungspunkte auf. So gab es einst in Versmold eine große Segeltuch-Firma, die viele Schiffe belieferte. Und der legendäre »Seeteufel« Felix Graf Luckner hielt früher auch Vorträge in der Dalke-stadt. Schließlich ist die Ems die direkte Verbindung zur Nordsee. Hier verbringt der bei der Ausstellung ebenfalls anwesende Rainer Schorcht meist seinen Sommerurlaub.

Eine Lebensverischerung auf dem Wasser

Der Geschäftsmann besitzt eine Lizenz zum Steuern von Booten. »Die Rettungskreuzer sind für uns die Lebensversicherung schlechthin, wenn’s mal kritisch wird«, weiß Schorcht die DGzRS-Dienste zu schätzen. So sieht’s auch der Ausstellungsgast Gottfried Neubert, seit 20 Jahren DGzRS-Fördermitglied. »Ich ziehe vor diesen Leuten den Hut. Sie riskieren ihr eigenes Leben, um andere Leben zu retten«, ist das für den rüstigen Rentner keinesfalls selbstverständlich.

Ständig zunehmender Schiffsverkehr führt zu steigenden Einsätzen der 60 Seenotkreuzer. Zum Flottenbetrieb gehören 800 freiwillige und 180 fest angestellte Kräfte. Eines der Schiffe trug einst den Namen von Adolph Bermpohl, das Boot wurde inzwischen verschrottet. In Gütersloh gab’s auch mal eine sogenannte Marine-Kameradschaft – sie geriet aber auf Land in Seenot und hat sich vor wenigen Jahren aufgelöst.

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