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Raubmord-Prozess Westerwiehe: Aussage entlastet möglicherweise die Angeklagten

Neuer Zeuge, neue »Mittäter«

Gütersloh/Rietberg (WB). Jetzt wird´s kompliziert! Im Prozess um den Rietberger Raubmord tauchen plötzlich neue Täter oder Mittäter auf. Genaueres weiß man noch nicht. Jedenfalls ist am Freitag ein neuer Zeuge vernommen worden, der das behauptet. Seine Aussage könnte die beiden Hauptangeklagten entlasten.

Wolfgang Wotke

Der Angeklagte Arthur T. (Mitte) mit seinen beiden Strafverteidigern Björn Nordmann (links) und Matthias Döring. Ihr Mandant soll am Tattag nicht dabei gewesen sein. Foto: Wolfgang Wotke

Sein Name: Marek Jan K., 38 Jahre alt, polnischer Staatsangehöriger, wohnhaft in Gütersloh. Als er in den Saal 1 des Landgerichtes Bielefeld schreitet, wird er von drei Justizbeamten begleitet. Wie sich später herausstellt, sind die Wachtmeister zu seinem Schutz abgeordnet, weil er angeblich Angst hat.

Die Beschuldigten, Arthur T. und Robert D., seien Bekannte von ihm, erklärt K., und er sei in den Plan eingeweiht gewesen, in die Werkstatt der Brüder auf dem Bauernhof in Westerwiehe einzubrechen. »Wir wollten dort Werkzeuge stehlen«, sagt er dem Vorsitzenden Richter Dr. Marc Brüning. Dann nennt er Namen von anderen Tätern oder Mittätern, die sich zuvor mit ihm getroffen hätten: »Ein Viktor war dabei, ein Jerzy Sexmische, ein ­Piotr und ein Thomasz. Ich denke, Robert D. auch.« Demnach sei man am Tattag, dem 3. November, mit drei Fahrzeugen nach Westerwiehe gefahren. »Als ich hörte, dass Viktor dabei ist und sich in dem Haus noch Menschen befinden sollen, bin ich abgehauen.« Piotr habe das Auto von Arthur T. gesteuert.

Dolmetscherin löst Irritationen aus

Irritationen löste die Dolmetscherin von Marek Jan K. aus, die anscheinend die Aussagen nicht korrekt übersetzte. Immer wieder griffen die beiden Verteidiger von T., Matthias Döring und Björn Nordmann aus Hannover, ein: »Unser Mandant spricht auch polnisch. Der sagt uns etwas anderes. Das geht so nicht. Anscheinend ist sie überfordert.« Daraufhin entschuldigte sich die Übersetzerin und erklärte, dass sie mit den verschiedenen Namen durcheinandergekommen sei: »Ich kenne ja die Anklageschrift nicht im Detail. Dann kann das schon mal passieren.«

Marek Jan K. sei bereits vor einiger Zeit von der Polizei vernommen worden. »Damals in einem anderen Zusammenhang«, so der Richter. »Doch das, was Sie hier heute berichten, haben Sie damals nicht erzählt. Warum nicht?« Das habe seine Gründe gehabt, gibt K. an. Nachdem er ausgestiegen sei, habe man ihn unter Druck gesetzt, ihn eingeschüchtert und er habe Drohanrufe erhalten. »Von wem?«, will Brüning wissen. Der Zeuge weicht aus: »Der Viktor hat mich sogar danach zusammengeschlagen, weil er glaubte, ich würde reden.« Er habe zu diesem Zeitpunkt Angst um seine Tochter gehabt, und seine Freundin sei auch noch schwanger gewesen. »Was hätte ich machen sollen, Herr Richter?«

Wo sich diese »Mittäter« heute befinden, wisse Marek Jan K. nicht. »Ich kenne ihren Aufenthaltsort nicht, habe auch keine Telefonnummern.« Strafverteidiger Björn Nordmann glaubt fest daran, dass die Angeklagten nicht die Haupttäter waren: »Wenn sie von der hohen Summe im Haus, sprich 400.000 Euro, gewusst hätten, dann hätten sie doch jeden Stein, jeden Teppich und jeden Schrank auf den Kopf gestellt.« Außerdem sei Arthur T. nicht dabei gewesen. Rechtsanwalt Matthias Döring: »Das Gericht kennt diese Namen schon lange. Da waren mehr als drei Beteiligte.«

Der Prozess geht am 18. Juni weiter.

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