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Gütersloh

Patres verlassen Gütersloh wohl im März

Gütersloh (rebo) - Welche Aufgaben ihre Vorgesetzten ab April kommenden Jahres für sie haben, wissen George Dasan und Shajers Lopez noch nicht. Sie wissen auch nicht, an welchem Ort sie in Zukunft arbeiten werden. Weil sie aber das Gelübde des Gehorsams abgelegt haben, fügen sich die beiden Patres des Karmeliter-Ordens der Entscheidung des Ordensoberen in Rom, Gütersloh im kommenden Jahr zu verlassen.

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Müssen sich bald verabschieden: Pater George Dasan (links) und Pater Shajers Lopez vor der Herz-Jesu-Kirche in Avenwedde. Die beiden gehören zum Karmeliter-Orden. Der Ordensobere in Rom hat entschieden, dass die beiden an einem anderen Ort eingesetzt werden. Das Foto ist vor dem Lockdown entstanden. Foto:

Seit fünf Jahren gehört Pater George Dasan (38), seit zwei Jahren Pater Shajers Lopez (42) zum Team des Pastoralen Raums Gütersloh. Die beiden Inder haben sich gerade gut in den Gemeinden eingelebt – jetzt müssen sie die Stadt wieder verlassen.

„Eigentlich sollen die Ordensbrüder in einem Kloster leben“, erklärt Pater Lopez. Zu einem Kloster gehörten aber mindestens drei Brüder – in Gütersloh seien sie eben nur zu zweit. Bevor er nach Gütersloh entsendet worden sei, sei Pater George sogar allein gewesen.

Das Erzbistum Paderborn habe einen so genannten Gestellungsvertrag mit den Karmeliten in Indien, erklärt Pfarrer Elmar Quante, Leiter des Pastoralen Raums. Das Geld, das die Patres – und übrigens auch die indischen Schwestern, die seit mehr als 25 Jahren im St.-Elisabeth-Hospital arbeiteten – verdienten, komme zum großen Teil der Arbeit des Ordens in Indien zugute. Pater George sei nach Gütersloh gekommen, weil ein Seelsorger fehlte. „Pater Shajers ist vor zwei Jahren hierher gekommen, weil der Orden entschieden hatte, dass Pater George nicht allein sein soll.“ Jetzt gebe es neue Anweisungen, sagt Quante.

Und die sind offenbar unumstößlich. „Selbstverständlich wird es Gespräche mit dem Orden gegeben haben“, sagt Benjamin Krysmann, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn auf Nachfrage. Seines Wissens nach sei es gesetzt, dass die Patres Ende März Gütersloh verlassen müssten. „Der Orden trifft die Entscheidung.“

Einen Grund für den Abzug hat der Orden nicht genannt. Das klösterliche Leben sei in dem Wohnhaus am Dr.-Thomas-Plaßmann-Weg nicht so einzuhalten wie in einem richtigen Kloster, berichtet Pater Shajers. „Wir beten zwar morgens um 6.30 Uhr gemeinsam. Dann frühstücken wir zusammen, bevor um 8 Uhr unser Dienst beginnt.“ Aber die Tagesstruktur in einem Kloster sei doch anders.

Vielleicht sei das einer der Gründe, warum der Orden entschieden habe, sie an einen anderen Ort zu entsenden, nehmen Pater George und Pater Shajers an. „Paderborn entscheidet, wo wir gebraucht werden“, sagt Pater Shajers. Es gebe zum Beispiel einen Karmeliten-Konvent in Hagen, der zum Erzbistum gehöre. Er sei traurig, dass er Gütersloh schon wieder verlassen müssen, betont er. „Wir werden ja nicht nur hier in Herz Jesu in Avenwedde eingesetzt, sondern in allen Gemeinden im Pastoralen Raum. Da ist jedes mal ein anderer Küster, ein anderer Organist – es dauert, bis man überhaupt alle kennengelernt hat.“

Pfarrer Elmar Quante erklärt, es werde dann schwierig, an allen elf Kirchorten noch jeden Sonntag einen Gottesdienst zu feiern, wenn die beiden Seelsorger fehlten. „Die beiden haben vier bis fünf Messen am Wochenende übernommen. Alle anderen übernehmen mindestens zwei“, erklärt Quante. Mehr sei nicht möglich.

Besetzung der Stellen noch nicht geklärt

Die Neubesetzung der Stellen von Priestern sei ein Dauerthema im Erzbistum Paderborn – wie auch in anderen Bistümern, erklärt Benjamin Krysmann. Monsignore Andreas Kurte, Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal des Erzbistums Paderborn, beschreibt im Internetportal des Erzbistums, wie schwierig es sei, freigewordene Stellen angemessen zu besetzen. Es gehe nicht mehr nur darum, eine Stelle irgendwie zu besetzen.

„Gerade in den Pastoralen Räumen begegnet uns ein doppeltes Dilemma“, schreibt Kurte dort. „Erstens: Wie gehen wir mit den zunehmend unbesetzten Stellen um? Und zweitens: Wie gelingt ein gutes Miteinander von vielfältigen pastoralen Berufen?“ Bei der Besetzung einer Pfarrstelle müsse berücksichtigt werden, ob der Bewerber für die konkrete Stelle geeignet sei. Grundsätzlich werde niemand „an den Schopf gefasst und einfach irgendwo hingesetzt“, betont der Monsignore. Seine Devise sei, lieber eine Stelle unbesetzt zu lassen als eine Person am falschen Ort einzusetzen.

Für den Pastoralen Raum Gütersloh gab es zuletzt noch keinen Nachfolger für die beiden Patres. Mit dem bisherigen Personal ließen sich alle Aufgaben gut erfüllen, sagt Pfarrer Elmar Quante. Wie es nach dem Weggang von Pater George und Pater Shajers weitergehe, müsse sich zeigen.

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