1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. Plauderstunde mit Promis und Pils

  8. >

Beim Sponsorenmeeting des FC Gütersloh analysiert Ex-Europameister Thomas Helmer mit Heribert Bruchhagen und Thomas Hagedorn die aktuelle Situation

Plauderstunde mit Promis und Pils

Gütersloh.  So schnell geht es manchmal: Eigentlich hatte der FC Gütersloh für Dienstagabend rund 50 Sponsoren eingeladen, um im Stadtmuseum im Rahmen der zu Ende gehenden Ausstellung »100 Jahre Fußball in Gütersloh« über die Frage »Wie viel Fußball braucht die Stadt Gütersloh?« zu diskutieren. Doch dann kam alles ein wenig anders.

Jens Dünhölter

Prost! Thomas Hagedorn (von links), Thomas Helmer und Heribert Bruchhagen stoßen am Dienstagabend im Stadtmuseum auf den FC Gütersloh an. Foto: Jens Dünhölter

Ex-Europameister Thomas Helmer moderiert das FCG-Event

Der Doppel-Rücktritt der Zwillinge Dennis (40) und Tim Brinkmann (40) als Trainer und Sportlicher Leiter »ist uns am Veranstaltungstag die sportliche Situation rein gegrätscht. Die Bitterkeit des letzten Tabellenplatzes hat uns eingeholt«, bekannte Vorstandsmitglied Heiner Kollmeyer. Auf einmal drehte sich die vom ehemaligen Europameister Thomas Helmer moderierte, rund 45-minütige und höchst amüsante Plauderstunde mit Sponsor Thomas Hagedorn und Ex-Funktionär Heribert Bruchhagen plötzlich nur noch um die aktuelle Situation beim Tabellenschlusslicht der Oberliga Westfalen und die Frage: »Wie geht es weiter?«.

Doppelrücktritt ist das beherrschende Thema

Umringt von alten Trikots, Schals, Artefakten und Devotionalien aus der jüngeren FCG-Historie bekannte Vorstandsmitglied Hans-Hermann Kirschner: »Als die finanzielle Krise überwunden war, dachten wir, das Schlimmste sei geschafft.« Scheinbar weit gefehlt! Kirschner: »Wir sind seit 18 Monaten im Amt. Seitdem trägt der FCG konstant die Rote Laterne. Die sportliche Leistung am Sonntag war desolat, das Ergebnis ein Desaster«. Das hätte letztlich zu Entscheidungen geführt.

Bruchhagen und Hagedorn liefern Erklärung für »Bier und Frikadelle«

Für den symbolischen Lohn »von einem Bier und einer Frikadelle«, so Kirschner, bemühten sich der ehemalige Meistertrainer Heribert Bruchhagen und »die Lebensversicherung« Thomas Hagedorn (Kirschner: »Ohne seine Hilfe würde es den FCG heute nicht mehr geben«) um Erklärungen.

Heribert Bruchhagen

Abbruchexperte Hagedorn wollte dabei nichts beschönigen: »Wir haben ein Budget auf die Beine gestellt, dass für die oberen zehn Oberligaplätze reichen sollte. Aber wir haben den Kader falsch zusammen gestellt.« Bruchhagen pflichtete dem bei. Er habe den FCG zweimal live gesehen, Bundesligist Schalke 04 viermal. Das Fazit sei gleich: »Du kannst den besten Trainer der Welt haben, wenn die Mannschaft falsch zusammen gestellt ist, ist der Zug abgefahren.«

Kader sollte für sechsstelligen Betrag mit fünf Spielern verstärkt werden

Dann wurde es spannend: Thomas Hagedorn erläuterte die im Herbst beschlossenen Rettungspläne. Um dem Abstieg (»Der ist keine Option«) zu entgehen, sollte der Kader in der Winterpause für einen bereitgestellten sechsstelligen Betrag mit vier, fünf überdurchschnittlichen Spielern verstärkt werden. Die gefundene Lösung im »niedrigen fünfstelligen Bereich« war ernüchternd. Thomas Hagedorn: »Ich hatte erwartet, dass man es schafft, in vier Monaten mehr Erfahrung in den Kader zu holen. Zumal wenn die finanziellen Mittel da sind.«

Bruchhagen beziffert Abstiegswahrscheinlichkeit auf 90 Prozent

Sollte es zu der vom Abbruchunternehmer so titulierten »Ehrenrunde« in der Westfalenliga kommen, »müssen wir für den direkten Wiederaufstieg eine überdurchschnittliche Mannschaft haben«. Heribert Bruchhagen bezifferte die Abstiegswahrscheinlichkeit auf »90 Prozent«. Sollte es so kommen, wollen sich Sponsoren und Vorstand nicht aus der Ruhe bringen lassen. Hagedorn: »Wir haben einen Plan für die nächsten drei bis vier Jahre gemacht, die Rahmenbedingungen gesichert, das Budget abgesteckt. Daran werden wir festhalten. Es gehört sich, den Verein weiterhin zu pushen.« Für die Trainersuche hat er konkrete Vorstellungen. So soll es »idealerweise jemand mit Stallgeruch, der Oberliga und Regionalliga kennt« werden, so der Sponsor.

Das Essen wartet: Kirschner pfeift gegen 20.30 Uhr ab

Der in Entscheidungsprozesse involvierte Heribert Bruchhagen bestärkte die Anwesenden in ihrem Glauben an den FC Gütersloh: »Beim Handball in Harsewinkel waren vergangenes Wochenende mehr Zuschauer als beim Regionalligafußball in Wiedenbrück. Das wäre in Gütersloh anders. Alle wollen wieder in den Heidewald, aber sie warten auf sportliche Signale. Gegen 20.30 Uhr Uhr pfiff Hans-Hermann Kirschner die lebhaft, lockere Partie ab: »Wir könnten euch noch stundenlang zuhören, aber das Essen wartet.«

Startseite
ANZEIGE