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Gütersloh

Reichlich Zutaten für warme Mahlzeiten

Gütersloh (dl) - Acht Kilogramm bringt die Papiertüte auf die Waage. Sie ist prall gefüllt mit Nahrungsmitteln wie Reis, Nudeln und Vollkornbrot, dazu noch Spaghettisoße, Honig, Cornflakes und vielem mehr. Circa 1000 dieser Tüten werden kreisweit an Familien mit Schulkindern ausgegeben.

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Präsentierten die Lebensmittelpaketaktion: (v. l.) Susanne Brückner-Wentzlaff (Awo Fachberatung Bildung), Ulrike Boden (Awo-Geschäftsführerin), Sven Ortmann (Vorsitzender Stadtschulpflegschaft), Annika Bütow (Awo Fachberatung Ganztagsschulen), Jörg Entgelmeier (ASH Lehrgangsleitung), Jürgen Delker (ASH-Geschäftsführer), Vanessa Akay (Bundesfreiwilligendienstlerin Awo) und Susanne Kohlmeyer (ASH-Geschäftsführerin). Foto:

Und zwar an diejenigen, die Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben und in normalen Zeiten den Offenen Ganztag in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) besuchen. Auftakt ist am Montag, 15. Februar 2021, in Gütersloh.

ASH übernimmt die Logistik

Die Aktion initiiert hat der Awo-Kreisverband Gütersloh in Zusammenarbeit mit der Stadtschulpflegschaft Gütersloh. Die Logistik des Mammutprojekts übernahm die ASH, eine Tochtergesellschaft der Arbeitslosenselbsthilfe. Dort wurde die Ware angeliefert. Helfer der Awo und der ASH packten die Tüten. Am heutigen Montag startet die Verteilaktion in der Dalkestadt. Im Verlauf der Woche folgen Werther und Schloß Holte-Stukenbrock.

Der Anstoß kam von der Stadtschulpflegschaft. „Bei der Landeselternkonferenz sind wir für die Situation der teilhabeberechtigten Kinder sensibilisiert worden“, berichtet der Vorsitzende Sven Ortmann bei einem Pressetermin. Viele Kinder seien wegen des Lockdowns viel allein. Eine tägliche warme Mahlzeit sei oft nicht sichergestellt.

Möglichkeit fehlt, am Offenen Ganztag teilzunehmen

Ortmann kontaktierte Awo-Kreisgeschäftsführerin Ulrike Boden, die erläutert: „Aufgrund der Corona-Pandemie und des anhaltenden Lockdowns haben viele Kinder aus Familien mit Anspruch auf Leistungen nicht mehr die Möglichkeit, an der warmen Mittagsverpflegung im Offenen Ganztag teilzunehmen und von den Leistungen des Jobcenters zu profitieren.“ 55 Euro pro Monat stünden einem Kind zu. Geld, das zweckgebunden ist – im Fall des Offenen Ganztags (OGS) für das Essen im Schulkontext.

Guter Austausch mit Jobcenter und Stadt Gütersloh

Kinder in Armut in „reicher Stadt“ Gütersloh

Über die Offenen Ganztage gelangen die Lebensmittelpakete zu den bedürftigen Familien. In Gütersloh sind laut Ulrike Boden 428 von 1234 Kindern in den Awo geführten Offenen Ganztagen berechtigt, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beziehen. „Also ein Drittel aller Kinder, und das in so einer ‚reichen‘ Stadt wie Gütersloh“, sagt sie und führt ein Extrem-Beispiel an: Die Altstadtschule besuchen 178 Kinder. 95, also mehr als die Hälfte von ihnen, haben Anspruch auf Leistungen.

„Man darf sie nicht links liegen lassen“

„Es ist ein gesellschaftliches Thema“, meint Ulrike Boden und weist darauf hin, dass die Corona-Krise finanziell schlecht aufgestellte Familien schwer belastet: „Höhere Ausgaben für Masken und Hygieneartikel etwa sind nicht in den Regelleistungen enthalten.“ Susanne Kohlmeyer ergänzt: „Wir haben in Gütersloh Armut und Menschen ohne Erwerb. Man darf sie nicht links liegen lassen.“

„Verlieren diese Kinder nicht aus den Augen“

Sie unterstütze die Paket-Aktion voll und ganz, meint aber: „Es ist traurig, dass man so etwas überhaupt machen muss.“ Awo-Geschäftsführerin Ulrike Boden will den nun gesetzten Impuls auch als Botschaft verstanden wissen: „Wir verlieren diese Kinder nicht aus den Augen. Alles, was wir tun können, um ihren Familien zu helfen, wollen wir tun.“

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