1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Gütersloh
  6. >
  7. Rettungskette für Menschenrechte führt durch Gütersloh

  8. >

Gütersloh

Rettungskette für Menschenrechte führt durch Gütersloh

Gütersloh (rebo)

Eine Rettungskette soll auf das Sterben von Flüchtlingen aufmerksam machen. Warum sie auch durch Gütersloh führt, lesen Sie hier.

Gütersloh (rebo) - Gut 20 Monate haben die Vorbereitungen gedauert – in zwei Tagen ist es soweit. Die Rettungskette für Menschenrechte soll sich am Samstag um 12 Uhr schließen. Von der Nordsee über Österreich und Italien bis zum Mittelmeer sollen sich Menschen die Hand reichen, um ein Zeichen gegen das Sterben von Flüchtenden im Mittelmeer zu setzen. In Gütersloh hat Anne Haverland sich dafür eingesetzt, dass die Kette fortgesetzt wird. Zwei Tage vor der Aktion berichtet sie, welche Vorbereitungen notwendig waren.

„Die Glocke“: Frau Haverland, was war der Anlass, der Sie dazu gebracht hat die Organisation der Aktion in Gütersloh zu übernehmen?

Anne Haverland: Ich habe 2018 die Dokumentation über den Einsatz des Seenotrettungsschiffs Iuventa im Bambi-Kino gesehen. Sie lief im Rahmen der Reihe Rotes Kino. Die Szene, als der nackte Fuß eines Geflüchteten das Deck berührt, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Zudem war einer der Kapitäne im Bambi-Kino zu Gast und hat von den Einsätzen erzählt. Danach war für mich klar, dass ich mich engagieren will.

„Die Glocke“: Wie ging es weiter?

Haverland: Ich habe von der internationalen Bewegung Seebrücke gehört und gemeinsam mit einer Freundin die Gruppe Seebrücke Gütersloh/Oelde gegründet. Später wurden es mehr Mitglieder, und Oelde und Gütersloh sind jetzt eigene Gruppen.

„Die Glocke“: Warum haben Sie entschieden, dass die Rettungskette auch in Gütersloh geschlossen werden soll?

Haverland: Nachdem wir mit unserer Seebrücke-Gruppe bereits unterschiedliche Aktionen auf die Beine gestellt und Spenden gesammelt hatten, bin ich zu einem Treffen des Bündnisses gegen Rechts ins Café Connect gegangen. Dort habe ich dafür geworben, dass Gütersloh sich beteiligt, wenn wir schon direkt auf der Strecke liegen. Und habe mich auch bereit erklärt, mich um die Organisation zu kümmern.

„Die Glocke“: Was war dazu notwendig?

Haverland: Ich musste zum Beispiel die Route festlegen. Eigentlich wollte ich die Rettungskette über die ganze B 61 führen. Aber bei der Vorstellung, dass dort dann viele verärgerte, hupende Autofahrer stehen könnten, habe ich mich entschieden, die Route durch die Innenstadt zu leiten. Ich habe mich der Organisationsgruppe des Vereins Rettungskette angeschlossen. Und in Gütersloh zum Beispiel mit Bannern am Rathaus und am Veerhoffhaus für die Aktion geworben. Ich habe Schulen und Organisationen angesprochen und dort darum geworben, mitzumachen.

„Die Glocke“: Warum hat die Vorbereitung so lange gedauert?

Haverland: Eigentlich sollte die Rettungskette schon im Mai vergangenen Jahres gebildet werden. Wegen Corona wurde die Aktion auf April dieses Jahres verschoben und weil die Situation zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht besser war, noch einmal auf September. Inzwischen wurden die teilnehmenden Organisationen, die sich in zahlreichen Videokonferenzen berieten, deutlich weniger. Am Anfang waren wir 128, zuletzt noch etwa 24 deutschlandweit.

„Die Glocke“: Das Engagement hat also etwas nachgelassen?

Haverland: Irgendwann wurde sogar darüber gesprochen, die Aktion erneut zu verschieben. Da habe ich gesagt, es gehe darum, Menschenleben zu retten, nicht darum, irgendein Fest zu verschieben. 

„Die Glocke“: Was haben Sie in den vergangenen Tagen noch organisiert?

Haverland: Ich habe die Veranstaltung beim Ordnungsamt angemeldet und mit der Polizei gesprochen. Dort wurde mir gesagt, dass ich für die Veranstaltung verantwortlich sei. Weil ich aber nicht die gesamte Strecke von etwa zehn Kilometern überblicken kann, haben wir vereinbart, dass ich die beteiligten Gruppen wie Parteien oder die Kirchengemeinde bitte, sie mögen sich um Ordner kümmern und alles im Blick behalten. Die Polizei fährt zudem die Strecke ab und hat mir gesagt, sobald irgendwo die Unterstützung der Beamten benötigt wird, sollen wir die 110 anrufen.

„Die Glocke“: Gibt es genug Teilnehmer?

Haverland: Mein Sohn hat ausgerechnet, dass wir 5000 Personen bräuchten. Aber ich bin optimistisch, dass an den wichtigen Stellen viele Teilnehmer stehen. An Gut Schledebrück werden sich ein paar Außenposten platzieren. Richtig los geht es an der Kreuzung von B 61 und Wiedenbrücker Straße. 

„Die Glocke“: Was soll die Aktion bewirken?

Haverland: Wir wollen darauf hinweisen, dass wir mit der Flüchtlingspolitik der EU nicht einverstanden sind. Auf lokaler Ebene soll für das Problem sensibilisiert werden. Schließlich leben einige Menschen, die die Mittelmeerfahrt überlebt haben, auch in unserer Stadt. Wir müssen ein aktives Netzwerk bilden, damit der Sichere Hafen Gütersloh gut umgesetzt wird. Als Fernwirkung natürlich ein starkes Zeichen nach Brüssel.

Startseite