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Stadtmuseum zeigt von Sonntag an neue Ausstellung »Alles rund um die Waffel«

Rezept gleich mit eingegossen

Gütersloh (WB). Sie gehört zu Westfalen wie Pumpernickel, Schinkenspeck oder Doppelkorn: die Waffel. Das Stadtmuseum widmet der süßen Köstlichkeit von Sonntag an eine neue Ausstellung.

Carsten Borgmeier

Liesel Renninghoff (87) hat noch als Kind erlebt, wie damals in ihrer Heimat Burgsteinfurt die süßen, knusprigen Eiserkuchen an der Feuerstelle im Bauernhaus gebacken wurden. Dr. Rolf Westheider (59) zeigt dazu zwei historische Fotos aus jener Zeit. Fotos: Carsten Borgmeier

»Heimat geht durch den Magen, und die Waffel ist zweifelsfrei ein Stück Heimat«, sagte jetzt Museumsleiter Dr. Rolf Westheider im Vorfeld der Eröffnung am Sonntag um 11.30 Uhr.

Wie tief die Teigspezialität in der Region verwurzelt ist, wird dabei nicht nur an den etwa 80 ausgestellten Waffeleisen deutlich: Martin Wedeking (39), der »Von Kucheneisen und Eiserkuchen – Alles rund um die Waffel« mit Norbert Ellermann kuratiert hat, stieß in hiesigen und Archiven im Münsterland sogar auf historische Fotos. Die zeigen beispielsweise, wie eine Großfamilie zum Waffelbacken an der Feuerstelle eines Hofes zusammensaß.

Gusseiserne Modelle erst Mitte des 19. Jahrhunderts

»Das sind meine Angehörigen«, betonte Liesel Renninghoff (87), die ihre Vorfahren auf dem Bild aus dem Steinfurter Stadtarchiv erkannte. Zu sehen sind auf den beiden Fotos noch ganz alte Waffeleisen, wie Wedeking erläuterte. »Die sind vermutlich im 18. Jahrhundert geschmiedet worden.«

Erst zu Zeiten der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts seien gusseiserne Exemplare entstanden, »erstmals tauchte dann auch die Kreisform der Waffel aus fünf Herzen auf«, so der Historiker.

Traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr

Liesel Renninghoff, die mit ihrem Ehemann Günter 1957 von Burgsteinfurt nach Gütersloh gezogen war, erinnert sich noch genau an die knusprigen Leckereien, die im Münsterland traditionell zwischen Weihnachten und Neujahr gebacken wurden.

»Jede Familie hatte da ihr eigenes Rezept«, berichtete die frühere Buchhändlerin. Und weil diese Kuchen in Dosen lange haltbar waren, wurde gleich eine »ganze Zinkbadewanne voll« gebacken. »Das reichte dann bis Ostern«, erinnerte sich die Seniorin an ihre Kindheit.

Praktisch: Rezept gleich mit eingegossen

Die im Stadtmuseum an der Kökerstraße 7 bis 11a gezeigten Waffeleisen machen eine weitere Entwicklung deutlich: Die ältesten Exemplare sind an den Innenseiten individuell reich verziert, an der Außenseite tragen sie oftmals die Namen der Eigentümer, also die Eheleute der damaligen Hofstelle; mit der industriellen Herstellung kommen Funktionalität und Vereinheitlichung: So ist auf dem Deckel vieler Waffeleisen gleich ein Rezept mit eingegossen worden.

Zur Eröffnung am Sonntag, 20. März, um 11.30 Uhr wird jeder Besucher eine frische Waffel kostenfrei erhalten. Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 8. Mai, zu sehen.

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