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Gütersloh

Risikogruppen unscharf gefiltert

Gütersloh (afri) - Manch einer hat sich in den vergangenen Wochen gewundert, als ein Brief der Krankenkasse ins Haus flatterte, in dem Gutscheine für die vergünstigten FFP2-Masken waren. Das kann passieren, auch wenn man nicht über 60 Jahre alt ist und keine chronische Erkrankung hat.

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Gutscheine für FFP2-Masken lagen in den vergangenen Wochen hin und wieder in den Briefkästen von Menschen, die weder älter als 60 Jahre sind noch der Risikogruppe angehören. Ein Grund dafür sind weit zurückliegende Diagnosen von Krankheiten. Foto:

Kein Grund zur Sorge, sagen Stefan Döding von der Bertelsmann Betriebskrankenkasse (BKK) und Karsten Reichow von der Betriebskrankenkasse Miele. Sie erklären, wie es dazu kommen kann.

Anrufer befürchten, unwissend unter einer schweren Krankheit zu leiden

Laut Karsten Reichow hat die BKK Miele in den vergangenen Wochen einige besorgte Anrufe entgegengenommen. Wie viele es genau waren, kann er nicht beziffert.

„Wir sind eine vergleichsweise kleine Versicherung“, fügt Reichow zur Einordnung hinzu. Was er aber festgestellt hat: Bei nahezu allen Anrufern war die Frage aufgekeimt: Habe ich eine Krankheit, von der ich nichts weiß? Nein, sagt Karsten Reichow und gibt Entwarnung. Nur weil man Gutscheine für vergünstigte FFP2-Masken erhalten habe, heiße das nicht automatisch, dass man an einer schweren Krankheit leide.

Für die Erstellung der Gutscheine greifen viele Zahnrädchen ineinander

Der Grund dafür, dass Gutscheine an Personen verschickt wurden, die die Kriterien der Risikogruppe augenscheinlich nicht erfüllen, ist harmlos. Das System, mit dem gefährdete Personengruppen herausgefiltert werden, sei unscharf, sagt Reichow.

Aber von vorn. „Die Bundesregierung hat Kriterien festgelegt, nach denen eine Zuordnung zur Risikogruppe erfolgt“, erklärt Stefan Döding von der Bertelsmann BKK. Beispiele sind etwa chronische Lungenerkrankungen wie Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Krankenkassen fungieren als Dienstleister

Anhand von Codes, die für bestimmte Diagnosen stehen und die Ärzte in ihren Abrechnungen an die Krankenkassen übersenden, ermitteln die Versicherungen die Personen, die nach den Kriterien der Bundesregierung zur Risikogruppe gehören. Im nächsten Schritt übermittelt die Kasse die Zahl weiter an die Bundesregierung. Die wiederum gibt den Druck der fälschungssicheren Gutscheine bei der Bundesdruckerei in Auftrag.

Die fertigen Exemplare werden schließlich an die Krankenkassen weitergegeben, die diese im letzten Schritt an die berechtigten Versicherten verschicken. „Die Krankenkassen fungieren also als Dienstleister“, erklärt Döding.

„Krankheiten sind in der Wahrnehmungen nicht mehr so präsent“

Das Problem an dem System sei, dass die Krankenkassen die Abrechnungen der Ärzte erst ungefähr ein halbes Jahr nach der Diagnose erhalten. Der Zeitraum, in dem nach den entsprechenden Diagnosecodes gesucht werde, liege zwischen dem 1. Juli 2019 und dem 30. Juni 2020, erklärt Döding. Oftmals könnten sich die Versicherten gar nicht mehr genau daran erinnern, dass sie in diesem Zeitraum eine entsprechende Krankheit gehabt hätten, weil sie bereits erfolgreich behandelt worden seien. „Die Krankheiten sind in der Wahrnehmung der Betroffenen nicht mehr so präsent“, sagt Döding.

Hinzu kommt laut Reichow, dass zum Beispiel Lungenerkrankungen von den Ärzten manchmal unscharf codiert würden. Es könne also vorkommen, dass aus einem einfachen Husten eine chronische Bronchitis werde. Und das sei eine Diagnose, die dazu führe, dass eine Person von der Krankenkasse herausgefiltert werde.

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