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Sportlicher Leiter Trainer Dennis Brinkmann stellen ihre Ämter zur Verfügung

Rücktritt der »Brinkmänner« – was nun, FCG?

Gütersloh (WB). Wie viel Fußball braucht die Stadt Gütersloh? Die Hauptfrage beim Sponsorentreff des FCG am Dienstagabend hat schon vormittags eine ganz neue Aktualität bekommen. Denn ausgerechnet am Tag, als die Größen Thomas Helmer und Heribert Bruchhagen im Stadtmuseum locker über die Kernthematik plaudern sollten, ist ein ganz anderes, ernstes Thema aufgekommen, das das Schlusslicht der Fußball-Oberliga beschäftigt: der Rücktritt von Dennis Brinkmann (40) als Trainer und seinem Zwillingsbruder Tim Brinkmann (40) als Sportlicher Leiter. Und so stellt sich eher die Frage: FCG, was nun?

Christian Bröder

Trainer Dennis Brinkmann (links) und Bruder Tim (Sportlicher Leiter) sind zurückgetreten. Foto: Henrik Martinschledde

Der Trainer selbst ergriff nach der zwölften Saisonpleite die Initiative

»Ich habe dem Verein am Montag angeboten, jemand neues zu finden. Das war mein Wunsch und meine Initiative, denn ich glaube, dass nur eine Veränderung im Trainerbereich noch etwas bewirken kann«, erklärt der ehemalige Zweitligaprofi Dennis Brinkmann, unter dem der Tabellen-18. mit dem 0:1 gegen den SV Schermbeck am Sonntag seine zwölfte Saisonpleite kassiert hat.

Dennis Brinkmann

Der als Fahrlehrer in Bottrop arbeitenden Essener, der künftig häufiger die Spiele seines Sohnes David (10, SV Vonderort) verfolgen will, sah letztlich keine andere Konsequenz mehr: »Denn wir haben ja alles probiert: die Trainingsform verändert, mit den Spielern gesprochen, Zuckerbrot und Peitsche. Am Ende fehlte die Konstanz. Jetzt muss ein kompletter Wandel her«, erklärt Dennis Brinkmann, der erst zu Saisonbeginn von seinem Bruder Tim per Ein-Jahres-Vertrag in den Heidewald gelotst worden war. In 18 Partien unter seiner Regie hat es gerade einmal vier Siege und 14 Punkte gegeben. Zu wenig!

Mannschaft wurde nach dem Montagstraining unter Schiller informiert

Auch deshalb haben Heiner Kollmeyer und Frank Neuhaus am Montagabend gegen 20 Uhr die Mannschaft, die zuvor unter Alexander Schiller trainiert hat, darüber informiert, dass der Vorstand nach einem Gespräch mit Tim Brinkmann die Rücktrittsangebote beider angenommen hat. »Das ist von Tim und Dennis Brinkmann ehrenhaft und dem Verein gegenüber sehr fair. Beide machen den Weg frei, damit wir unter einer neuen sportlichen Führung doch noch den Klassenerhalt schaffen können«, ließen die Vorstandsmitglieder Hans-Hermann Kirschner, Heiner Kollmeyer und Helmut Delker über eine offizielle Vereinsmitteilung verlautbaren. Darin heißt es zudem, dass über eine Nachfolge zeitnah entschieden wird.

FCG hat nach Gespräch mit Olaf Sieweke eine Absage bekommen

Ganz so einfach dürfte sich die Sache indes nicht gestalten: Mit Olaf Sieweke (53, ehemals SV Spexard) hat am Dienstagvormittag ein Kandidat abgesagt. Der Trainer des aktuellen Landesliga-Spitzenreiters TuS Tengern hatte sich noch am späten Montagabend mit der FCG-Führung ausgetauscht: »Mir fällt es allerdings moralisch schwer, denn ich stehe in Tengern in der Pflicht, wo ich gerade meinen Vertrag mündlich verlängert habe«, so Sieweke.

Hunt und Vata wäre nicht abgeneigt, zum FCG zurückzukehren

Auch Fußballlehrer Andreas Golombek (50, vormals SC Verl), den der Verein vor Wochen mal kontaktiert hat, soll ebenso abgewunken haben wie Ex-Wiedenbrücker Alfons Beckstedde (56). Zum Kreis der Kandidaten zählt auch Ex-Gütersloher Rob Reekers (52, SpVgg Vreden). Für einige durchaus vorstellbar wäre zudem die Rückkehr vom albanisch-britischen Erfolgsgespann: Fatmir Vata (47), dessen Vertrag beim FCG mittlerweile aufgelöst ist, und »Co« Marc Hunt (56, er hat noch einen laufenden Vertrag) sind noch nicht kontaktiert worden, wären aber nicht abgeneigt: »Marc und ich hätten Lust zu helfen, unser Herz hängt an dem Verein.«

Tim Brinkmann

Zumindest die Perspektive Vata/Hunt ist von der Klubführung noch nicht in Betrachtung genommen worden: »Wir haben darüber im Vorstand nicht gesprochen«, erklärt Hans-Hermann Kirschner am Dienstagabend. Das Vorstandsmitglied erklärt noch vor dem Sponsorenabend im Stadtmuseum, dass der FC Gütersloh »perspektivisch die Doppelfunktion« wieder besetzen will und sich darum bemüht »so schnell wie möglich« wieder einen Trainer und einen Sportlichen Leiter zu finden. Für Tim Brinkmann gehört die Zeit beim FCG als Sportchef derweil endgültig der Vergangenheit an. Er sagt: »Auch wenn es weh tut. Wenn unser Schritt dazu beiträgt, dass die Mannschaft den Kick bekommt, um das Ding zu drehen, war es das wert.«

Ein Kommentar von Christian Bröder

Als Zwillings-Lösung hat der FC Gütersloh 2018 die Brinkmann-Brüder Tim und Dennis präsentiert. Ein Jahr später endet die Twins-Ära mit dem Doppel-Rücktritt. Traurig, aber unausweichlich! Anhand der sportlichen Bilanz ist ihr Abgang, mit dem sie dem Rauswurf zuvorgekommen sind, vor allem sinnvoll. Es gab zuviel an spielerischen Offenbarungen, an Frust, Erfolglosigkeit und Transfer-Fehlern. Nun muss frischer Wind her. Das all dies, kurz nach der Winterpause, zum schlechtesten Zeitpunkt passiert, ist leider mal wieder eins: Typisch FCG!

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