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Hans-Joachim Heist sorgt für zwei spaßige Stunden in der Stadthalle

Schelmisch wie Heinz Erhardt

Gütersloh (WB). Die Hornbrille, die schlenkernden Armbewegungen, die schräge Kopfhaltung, das stakkatohafte »Ha! Ha! Ha!« und das verschmitzt-schelmische Grinsen: Am Montagabend scheint der leibhaftige Heinz Erhardt auf der Bühne der Stadthalle zu stehen. Der lebt aber schon lange nicht mehr.

Uwe Caspar

Geballte Comedy: Hans-Joachim Heist sorgt in der Gütersloher Stadthalle für einen höchst vergnüglichen Heinz-Erhardt-Abend. Schade, dass Erhardts augenzwinkernder Humor bei der jungen Generation nicht gefragt ist. Heist: »Heinz ist trotzdem Kult.« Foto: Uwe Caspar

Erhardts Alter Ego, der Kabarettist Hans-Joachim Heist, präsentiert sich den rund 600 Besuchern als eine Eins-zu-Eins-Kopie des genialen Komikers der 60er Jahre. Mimik, Körperhaltung, Sprache und füllige Figur – es passt fast alles. Bis auf die Größe: Der aus der ZDF-»Heute Show« als Gernot Hassknecht bekannte Heist ist kleiner als Erhardt zu Lebzeiten.

Einen besseren Vertreter seines Humors als den brillanten Hans-Joachim Heist hätte sich der Urvater der Comedy kaum wünschen können. Der 69-Jährige dürfte wohl selbst größter Fan seines einst munter drauflos kalauernden Vorbilds sein. »Die heutigen Stars werden kaum Kult-Status erreichen, Heinz Erhardt war und ist aber Kult. Gut, dass er den Laden seines Großvaters nicht übernommen hat, sonst wäre uns ein großer Komiker verloren gegangen«, so drückt Heist seine große Verehrung für den früheren Blödel-Meister aus.

»Noch ‘n Gedicht« gehört zu Heinz Erhardts Klassikern. Verse in Kurzform gibt auch Heist zum Besten, der zudem mit witzigen Wortspielen und verdrehten Redewendungen (»Ich singe im Schweiße meiner Füße«) das Publikum immer wieder erheitert. Zwei Kostproben: »Wenn die Frau keine Geheimnisse vor ihrem Mann hat, hat sie keine – oder keinen Mann.« Und: »Wenn es extrem trocken ist, laufen die Bäume sogar den Hunden nach.« Mitunter garniert Heist seinen Erhardt-Memory-Abend auch mit eigenen Läster-Zitaten. Wie zum Beispiel mit dem hier: »Germanys next Top-Knochengestell mit Heidi Dingsda.«

Der Protagonist versteht’s zudem, die ihm lauschenden Leute in seine Vorstellung einzubeziehen. Mit einem in Reihe eins sitzenden Gast trinkt er angeblich einen Schnaps – ist aber nur Wasser. Als eine zu spät erschienene Besucherin den Saal betritt – ihr bestelltes Essen im Restaurant kam nicht rechtzeitig auf den Tisch –, unterbricht Heist sein Programm, ordnet zum Schrecken der Frau volle Beleuchtung an und ruft ihr zu: »Ich fange aber für Sie nicht wieder von vorne an!«

Dann gibt’s von ihm eine Umfrage: »Wo kommt ihr her?« Heist sucht nach einer Stadt mit einem möglichst albern klingenden Namen. Verl bestimmt nicht, trotzdem meldet sich ein Verler. »Pfffff-erl! Wer hat Ihnen das Visum ausgestellt, damit sie in Gütersloh reinkommen?«, frotzelt der Witzbold auf der Bühne. Greffen (»Wohnt man da?«) gefällt Heist schon besser. Doch noch mehr hat‘s ihm Harsewinkel angetan. Dieser Stadt widmet er spontan ein albernes Verslein. Und das, so der Parodist, würde auch zu Verl passen. Zwei höchst amüsante Stunden mit dem großen Heinz Erhardt. Pardon, natürlich mit Schelm Hans-Joachim Heist.

eist stößt während seiner Vorstellung in der Stadthalle mit einem Gast an. Doch der vermeintliche Schnaps ist nur Wasser. Foto: Uwe Caspar
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