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Umweltschützer-Bündnis fordert anderen Namen und mehr vegane Speisen – mit Video

Schinkenmarkt bekommt Gegenwind

Gütersloh (WB). Ein Bündnis von Umweltschützern um Michael Pusch fordert, dass der jetzt eröffnete Gütersloher Schinkenmarkt umbenannt wird und dort mehr vegetarische Speisen angeboten werden. Was sagen Standbetreiber, Veranstalter und Gäste dazu?

Carsten Borgmeier

Zum traditionellen Fass-Anstich zur Eröffnung des 32. Schinkenmarktes serviert Eberhard Gasch (67) am Donnerstagnachmittag köstlichen Schinken auf Rosinenstuten. Foto: Carsten Borgmeier

Am Samstag will das »Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung« gleich mit zwei Ständen auf dem am Donnerstagnachmittag von Bürgermeister Henning Schulz (CDU) eröffneten, viertägigen Stadtfest des Verkehrsvereins für diese Ideen werben.

Michael Pusch und seine etwa zwölf Mitstreiter sind der Ansicht, dass die Tierzucht in der Landwirtschaft und somit die Produzenten der Fleisch- und Wurstwaren erheblich zur Emission klimaschädlicher Gase beitragen.

»Dabei beziehen wir uns auf Aussagen des Umweltbundesamtes«, sagt der Versmolder Kommunalpolitiker Pusch (61, Die Linke) im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. »Fantasievoll und sachlich wollen wir am Samstag auf dem Berliner Platz über die Konsequenzen des Fleischkonsums informieren.«

Weniger und bewusster Fleisch essen ja – aber den Schinkenmarkt umbenennen? Das halten viele Gäste und Standbetreiber für übertrieben: »Wir essen schon seit Jahren kein Schweinefleisch mehr, da wir die ganzen Tiertransporte und die Arbeitsumstände der Leiharbeiter in der Schlachtindustrie nicht gutheißen«, meint zum Beispiel Marlies Barduna (75) aus Verl, die am Donnerstag mit ihrem Ehemann Ernst auf dem Berliner Platz zu Gast war.

Name als Begriff für Qualität

»Der Name Schinkenmarkt ist nach all den Jahren des Bestehens dieser Veranstaltung zu einem Begriff für Qualität und Gemütlichkeit geworden, den sollte man nicht ändern«, sagt Jürgen Schlue (70) aus Bad Gandersheim. Der Angestellte eines Krustenbraten-Stands spricht sich klar gegen Massentierhaltung aus: »Deshalb beziehen wir unsere Schinken schon seit Jahrzehnten von demselben Hof.«

Schon bis zu 20 Prozent fleischlose Angebote

Ralph Strothmann (69) vom veranstaltenden Verkehrsverein weist darauf hin, dass von den etwa 60 Standbetreibern bereits 15 oder gar 20 Prozent fleischlose Speisen anbieten. »Wir berücksichtigen bereits seit längerem, dass einige Gäste auch gern vegetarisch essen wollen.«

Hans-Dieter Musch (85), Erfinder der Veranstaltung vor 32 Jahren: »Der Schinken wird in Westfalen immer seine Berechtigung behalten. Eine Umbenennung des Schinkenmarktes halte ich für totalen Blödsinn. Es steht doch jedem frei, weniger Fleisch zu essen.«

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