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Gütersloh

Schuhe stehen für die Not von Flüchtlingen

Gütersloh (wh) - Schuhe über Schuhe. Vom Innenhof des Stadtmuseums über den Berliner Platz bis zum Dreiecksplatz zieht sich ein langes Band abgelegter Fußbekleidung - wie zufällig liegen gelassen. Eine verstörende Aktion.

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Damit erinnert der Gütersloher Ableger der Initiative „Seebrücke“ an die in den vergangenen fünf Jahren auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunkenen 20 000 Menschen. „Stoppt das Sterben im Mittelmeer“, fordert dessen Ortsvertreterin Anne Haverland und: „Leave no one behind“ (keinen zurücklassen).

An ihrem Informationsstand hat die Gruppe eine Petition „für ein Europa der Humanität“ ausgelegt, in der die Europäische Kommission aufgerufen wird, finanzielle Solidarität mit den Anrainerstaaten des Mittelmeers zu zeigen und die in den Lagern Griechenlands, Maltas und Italiens festsitzenden Geflüchteten in anderen Staaten Europas aufzunehmen.

In Deutschland haben sich etliche Kommunen zu „sicheren Häfen“ erklärt, auch Gütersloh. Die Stadt habe ihre Bereitschaft deutlich gemacht, aber bislang keine Zuweisungen erhalten, heißt es im Rathaus.

Im Zwei-Minuten-Takt unterschreiben Passanten die Erklärung. Bis zum Nachmittag gelangen bereits 150 Bittschriften in den Briefkasten an der Friedrichstraße, adressiert an EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen (CDU). Parallel dazu hat Amnesty International am eigenen Infostand ein ähnliches Gesuch an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgelegt und 80 Unterschriften gesammelt.

Die Coronakrise treffe alle in der Verantwortung für die Menschen dort, weist Haverland immer wieder auf die schlimme Lage in den Flüchtlingscamps hin. Während es in Deutschland gelinge, soziale Kontakte zu minimieren und Hygienevorschriften einzuhalten, hätten die Menschen in den Lagern weder vollständigen Zugang zu fließendem Wasser noch die Möglichkeit, sich vor einer Infektion zu schützen. Es drohe, dass diese Menschen angesteckt würden, dass sie keine medizinische Versorgung bekämen und ihrem Schicksal überlassen blieben. Breche die Epidemie in einem solchen Lager aus, werde es fast unmöglich sein, Ansteckungsketten zu unterbrechen. „Denn das Virus unterscheidet nicht nach Hautfarbe, Religion oder Geschlecht“, erklärt die Lehrerin am Städtischen Gymnasium.

„Wir setzen heute ein klares Zeichen für die Einhaltung der Menschenrechte.“ Die überfüllten Flüchtlingslager müssten schnellstens evakuiert und die Menschen an Orte gebracht werden, an denen sie vor dem Virus geschützt seien: „Wir haben Platz für Menschlichkeit.“

„Wir können Integration“

Das sieht auch Franz Jungbluth, Leiter des Stadtmuseums, so. „Wir haben in der 75-jährigen Nachkriegszeit vielen Menschen eine neue Heimat gegeben, angefangen bei den Ostflüchtlingen über die Arbeitsmigranten in den 1960er- und 1970er-Jahren bis hin zu den Russlanddeutschen vor der Jahrtausendwende. Wir können Integration.“

Auch das Museum und der Heimatverein tragen dazu bei, dass neue Bürger Heimat gewinnen können. Damit hat bereits sein Vorgänger Rolf Westheider in seiner Ausstellungsarbeit begonnen, er setze diese Ansätze fort, zuletzt mit dem Fotoprojekt „Gesichter Güterslohs – unsere neuen Nachbarinnen im Porträt“. Dort wurden sieben Frauen, die aus verschiedenen Ländern nach Gütersloh gekommen waren, mit großformatigen Bildern und in Interviews porträtiert. Weitere Projekte werden vorbereitet.

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