1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Guetersloh
  6. >
  7. Schützenhof Niermann schließt für immer

  8. >

Gütersloh

Schützenhof Niermann schließt für immer

Gütersloh (eff) - Friedrichsdorf ohne seine Gaststätte Schützenhof Niermann? Was undenkbar erscheint, erzwingt jetzt die Corona-Pandemie: Am Montag wurde in der Küche zum letzten Mal der Herd eingeschaltet, und am 30. September schließt Besitzer Heiner Niermann den Traditionsgasthof für immer.

Anonymous User

Foto:

„Die Lage ist katastrophal“, erläutert der Wirt seinen Entschluss. „Wegen Corona gibt es keine Feiern und keine Veranstaltungen mehr, und die waren ein wichtiges Standbein.“ Zwar könnten bis zu 150 Personen im Saal theoretisch eine Hochzeit feiern. „Aber vom Tisch aufstehen oder tanzen darf niemand“, sagt Heiner Niermann. Ebenso dürfe niemand an der Theke sitzen oder stehen, und für den Durchgang sei eine Breite von 1,50 Meter erforderlich. „Das ist ja nicht mehr durchführbar“, so der 57-Jährige. Zusammen mit seiner Frau Ursula Benning-Niermann betreibt er seit mehr als 25 Jahren den von seinen Eltern Heinrich und Gerda übernommenen Schützenhof.

Als Hotelbetrieb bietet der Gasthof zudem 20 Zimmer an, die oft von Monteuren zur Übernachtung genutzt wurden. Auch dieses zweite Standbein sei ihm weggebrochen, beklagt der Besitzer. „Während des Tönnies-Lockdowns haben Firmen ihren Monteuren verboten, in Gütersloh zu übernachten. Da sind sie woanders untergekommen und nur vereinzelt zurückgekehrt“, berichtet der Gastronom und fasst zusammen: „Für Kleinbetriebe wie uns sind die Kosten viel zu hoch, wenn die Einnahmen wegbrechen.“ Und er ahnt: „Es wird noch weitere erwischen.“

Jetzt will Heiner Niermann den Gasthof an der Brackweder Straße, der am 14. Februar 2022 sein 150-jähriges Bestehen gefeiert hätte, verkaufen. „Ob alles abgerissen oder anders genutzt wird, entscheidet der noch nicht feststehende Käufer“, sagt der Immobilien-Anbieter. „Aus meiner Sicht wird dort aber kein gastronomischer Betrieb entstehen.“

Somit fällt nicht nur den Schützen, sondern vielen anderen Vereinen der traditionelle Versammlungsort weg. In den Räumen des Gasthofs wurden darüber hinaus über mehr als 25 Jahre an jedem ersten Advent Taubenausstellungen durchgeführt. So schwer Heiner Niermann die Schließung auch fällt, desto beeindruckender ist es für ihn, „wie die Menschen aus Friedrichsdorf jetzt in Massen kommen, um uns persönlich zu verabschieden“.

Inventar wird verschenkt

So hat er sich entschieden, etwas zurückzugeben. An den nächsten drei Sonntagen, 6., 13. und 20. September, darf sich im Schützenhof Niermann von 10 bis 15 Uhr jeder etwas vom nicht mehr benötigten Inventar wie Geschirr, Gläser, Stühle und Dekorationsartikel gratis mitnehmen.

Dass mit dem Schützenhof Niermann die Versammlungsheimat zahlreicher Friedrichsdorfer Vereine sowie der Freiwilligen Feuerwehr schließt, hat den CDU-Ortsverband Avenwedde-Friedrichsdorf alarmiert. Für die nächste Sitzung des Hauptausschusses haben die Christdemokraten einen Bürgerantrag formuliert, in dem der Anstoß zu einer zukunftsfähigen, zentralen Versammlungsstätte gegeben wird. Die Stadtverwaltung soll aufgefordert werden, die Friedrichsdorfer Vereinsvorstände zu diesem Thema zu einer Konferenz einzuladen.

Die künftig fehlende Versammlungsstätte betreffe das Vereinsleben des ganzen Dorfs und brenne unter den Nägeln, sagt der CDU-Ortsvorsitzende Daniel Helmig auf Nachfrage dieser Zeitung. Und bis zur Fertigstellung eines Begegnungszentrums dürfe es nicht länger als zwei Jahre dauern. Deshalb habe man beschlossen, die Verwaltung frühzeitig mit ins Boot zu nehmen.

Wichtig sei es, ein passendes Grundstück zu finden, so Helmig. Er selbst habe den Festplatz an der Johannes-Brahms-Straße im Auge, aber das müsse geprüft werden. Die Schützen hätten für das Projekt Begegnungszentrum Eigenleistungen angeboten.

Startseite