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Gütersloh: WF Kranken- und Seniorenpflege Ambulanz GmbH stellt Betrieb ein

Senioren suchen neues Heim

Gütersloh (WB). Die in den Wohnungen der WF Kranken- und Seniorenpflege-Ambulanz GmbH betreuten Rentner sind in Aufruhr. Ihnen ist in dieser Woche mitgeteilt worden, dass sie zum Monatsende ihre Bleibe verlieren werden. Das Unternehmen stellt den Betrieb aus finanziellen Gründen und wegen Personalmangels ein.

Stephan Rechlin

Das Nordlicht erlischt. Die von der WF Kranken- und Seniorenpflege Ambulanz GmbH betriebene Wohngemeinschaft an der Neuenkirchener Straße ist von der Unternehmensschließung ebenso betroffen wie die Tagespflege an der Sauerlandstraße. Foto: Stephan Rechlin

Das geht aus einem Informationsschreiben hervor, dass die in der Tagespflege an der Sauerlandstraße und im betreuten Wohnheim „Nordlicht“ an der Neuenkirchener Straße untergebrachten Senioren erhalten haben. „Allerdings haben es nicht alle erhalten. Einige Senioren und deren Verwandte wussten davon am Donnerstag noch nichts“, sagt der Sohn einer Mutter, die in einer der beiden Einrichtungen untergebracht ist. Unter Bewohnern und deren Familien breche jetzt eine gewisse Hektik aus, um bis zum Monatsende eine neues Angebot zum betreuten Wohnen zu finden.

Ob auch der Mobile Pflegedienst und die Pflegeberatung in Verl von der Schließung des Unternehmens betroffen sind, hat am Donnerstag niemand beantwortet. Schriftliche, telefonische und eine persönlich vor Ort gestellte Anfrage blieben ohne Resonanz – nach Auskunft der Sekretärin befanden sich Silke und Maik Badagliacca, die beiden Geschäftsführer, auf einem auswärtigen Termin.

Heimaufsicht ist informiert

Die Heimaufsicht des Kreises Gütersloh ist nach Auskunft von Kreissprecherin Lena Bökenhans über die bevorstehende Schließung informiert. Gemeinsam mit der Unternehmensleitung arbeite die Aufsicht daran, freie Ersatzplätze in möglichst räumlicher Nähe für die Bewohner zu finden. Für wie viele Senioren freie Plätze gesucht werden, vermochte Bökenhans nicht mitzuteilen – der Transparenzbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MdK) listet allein 64 versorgte Menschen in der ambulanten Pflege auf. Lena Bökenhans: „Es sieht auf jeden Fall ganz gut aus. Es gibt genügend freie Plätze für alle Bewohner. Niemand wird am 1. Februar ohne Wohnung dastehen. Allerdings wird es nicht in jedem Fall die gewünschte Unterbringung sein.“

Der MdK verleiht der WF Kranken- und Seniorenpflege-Ambulanz GmbH durchweg gute bis sehr gute Noten für die erbrachten Leistungen. Gemessen an der zuletzt einsehbaren Jahresbilanz (2017) ist der Hinweis auf finanzielle Probleme im Informationsschreiben eine Überraschung. Mit einem Bilanzgewinn von 117.294 Euro – darunter ein Gewinnvortrag von 79.026 Euro – präsentiert sich die Firma in kerngesunder Verfassung. Den 200.902 Euro hohen Verbindlichkeiten stehen mehr als ausreichende Vermögenswerte gegenüber. Neben den Personalkosten für 59 Mitarbeiter stellen die Mieten für die in Gütersloh genutzten Immobilien (964.000 Euro pro Jahr) die höchste Belastung dar. Die Mitarbeiter dürften schnell eine neue Anstellung finden – der Bedarf ist enorm.

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