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Die letzten Briten rücken jetzt ab – Gütersloh übernahmen sie am 22. Juni 1945

Sie kamen heimlich, still und leise

Gütersloh (WB). Nach mehr als 74 Jahren endet an diesem Donnerstag um 10 Uhr an der Verler Straße Güterslohs Ära als britische Garnisonsstadt: Die letzte von ehemals zwei Kasernen wird an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) zurückgegeben. Doch wie war das eigentlich, als die britischen Streitkräfte einrückten?

Carsten Borgmeier

Der Ex-Soldat und Flugzeugtechniker Paul Curzon (70) zeigt ein Bild von der ersten britischen Staffel, die nach dem Krieg in Gütersloh stationiert war. Foto: Carsten Borgmeier

»Völlig unspektakulär, das geschah ganz heimlich, still und leise«, erinnert sich Zeitzeuge Wilfried Strothotte (88), der an der Marienfelder Straße unweit des Flugplatzes aufwuchs.

Bevölkerung erfuhr kaum etwas

»Auf einmal waren sie da«, spricht der Landwirt und Kaufmann auf den ebenso plötzlichen Abzug der US-Truppen an, die von Ostern bis zum 22. Juni 1945 das Sagen in Gütersloh hatten. Dass die Bevölkerung damals von diesen militärischen Vorgängen kaum etwas mitbekam, lag auch an den noch geltenden Restriktionen: »Zu Zeiten der Amerikaner galt in der Stadt eine Ausgangssperre ab 18 Uhr, die Briten lockerten sie, die Bevölkerung musste dann erst um 22 Uhr in ihren Häusern sein«, weiß Zeitzeuge Rudolf Herrmann (89) zu berichten.

Beide älteren Herren haben die ersten Briten in der Stadt durchweg gut in Erinnerung: So belieferte Strothotte die Besatzungssoldaten des Flugplatzes viele Jahre täglich mit frischer Milch von seinem Hof. Anfangs mit der Kutsche, dann mit dem Fahrrad und wenig später per Motorrad fuhr Strothotte in die Princess-Royal-Barracks. »Vom amerikanischen Stadtkommandanten Major Olsen hatte ich eine handschriftliche Erlaubnis, Fahrrad fahren zu dürfen«, erinnert sich der Gütersloher. »Die Briten hatten auf dem Flugplatz sogar noch einen Kellner von der Wehrmacht übernommen, der in der Offiziersmesse weiter arbeiten durfte«, berichtet der 88-Jährige, der damals schon etwas Englisch sprach. Im Dachgeschoss der jetzigen Volkshochschule (VHS) an der Hohenzollernstraße habe es ein Soldaten-Kino gegeben, »doch wir Kinder durften dort auch mit schauen«, so der frühere Milchhändler.

Mit den Soldaten im Kino Filme geschaut

Viele Informationen zu den britischen Streitkräften in Gütersloh hat auch Paul Curzon (70) gesammelt: Der ehemalige Flugzeugtechniker stammt von der Insel, er diente von 1973 bis 1976 als Unteroffizier in einer britischen Hubschrauber-Staffel, die auf dem Flugplatz an der Marienfelder Straße stationiert war. Der Liebe wegen – er heiratete später seine Gütersloher Freundin – blieb Curzon in der Dalkestadt hängen.

Curzon, der sich 1976 aus der britischen Armee »freikaufte« und von 1981 bis 2014 bei Claas arbeitete, recherchiert seit seinem Ruhestand zur Geschichte der Briten in Gütersloh.

Was heute kaum noch jemand wisse: Auch die Mansergh Barracks an der Verler Straße wurden nach Curzons Angaben nicht nur vom britischen Heer, sondern bis 1961 auch von Einheiten der Royal Air Force (RAF) genutzt.

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