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Kraftwerk-Koloss im Ruhrgebiet gesprengt – Gütersloher leisten Meisterstück – mit Video

Sogar der Wind spielt mit

Dortmund/Castrop-Rauxel (WB). Der erste Knall kam überraschend und gewaltig, der zweite ließ etwas auf sich warten, entschädigte dann aber mit fast theatralischem Anmut: Bei der Gütersloher Firma Hagedorn weiß man, wie ein Kraftwerk spannend gesprengt wird.

Carsten Borgmeier

Ein altes Kraftwerk ist Geschichte: 250 Kilogramm Sprengstoff an den richtigen Stellen haben es zu Fall gebracht. Das Publikum staunt. Foto: Carsten Borgmeier

Etwa 300 geladene Gäste haben am Sonntag im Ruhrgebiet von einer überdachten Tribüne aus ein bis zur letzten Sekunde choreografiertes Spektakel miterleben dürfen. Doch keiner wusste so ganz genau, wann André Michael Schewcow (39) in seiner Kommandozentrale den Knopf drückte und die ersten zig Kilogramm Sprengstoff zündete.

»Ich hatte schon eine ganze Weile mein Handy auf die Szenerie ausgerichtet«, berichtete Reinhold Frie aus der Marienfelder Klosterpforte, »doch als es dann plötzlich knallte, war ich leider kurz abgelenkt.« So wie der Ehrengast wurden viele Zuschauer kalt vom ersten Knall und der gewaltigen Druckwelle erwischt, denn der hatte sich aus Sicherheitsgründen etwas verzögert.

Um absolut sicherzustellen, dass sich auf der abgesperrten, 59.000 Quadratmeter großen Industriebrache keine Personen mehr unbefugt aufhielten, waren Rettungshunde des Verler Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und »Medic Scout«-Drohnen des Malteser Hilfsdienstes (MHD) aus Gütersloh zum Einsatz gekommen. Bei so einem gefährlichen Projekt sei »Safety first«, also Sicherheit an erster Stelle, die oberste Maxime, so Christian Schumacher, der mit zwölf DRK-Kräften aus Verl den Sanitätsdienst stellte.

Spektakel mit Knall-Effekt

So ließ Christian Engel (38) gestern Mittag sein Fluggerät über dem alten Kraftwerk Knepper auf eine Höhe von etwa 100 Metern aufsteigen, um per installierter Wärmebildkamera Personen im Gelände lokalisieren zu können.

Am Boden selbst war beispielsweise Michael Schöppner (42) mit seinem Deutsch-Kurzhaar-Rüden »Ludwig« unterwegs. Doch auch der Vierbeiner erschnüffelte niemanden mehr auf dem Gelände – der Sprengmeister konnte schließlich guten Gewissens seines Amtes walten und ein Kesselhaus samt Fahrstuhlschacht »wegblasen«.

Drohne mit Wärmebildkamera in der Luft

Nach einer gut 30-minütigen Pause folgte der zweite und letzte Akt: Schornstein und Kühlturm brachen genau so zum Boden, wie es Schewcow und Hagedorn-Team berechnet hatten. »Sogar der Wind spielte mit«, freute sich Unternehmer Thomas Hagedorn.

Das sagten die Gütersloher Verantwortlichen vor der Sprengung:

Und hier einige Live-Video-Eindrücke von der Sprengung:

Das Areal ist weitläufig abgesperrt:

Das Kesselhaus ist Geschichte:

Der 200 Meter Hohe Schornstein und der Kühlturm fallen (ab Minute 14 wird es spannend):

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